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rheinische ART 03/2020

NEU GELESEN

Albert Camus´ „Die Pest“

 

Vor 60 Jahren verstarb der Schriftsteller, Philosoph, Essayist und Literatur-Nobelpreisträger Albert Camus bei einem Autounfall. Sein Roman „Die Pest“ war ein Bestseller.

 

Henri Cartier-Bresson Albert Camus, Zitat: "Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit." Fotoquelle © Christie´s London

 

Es ist in der aktuellen Coronakrise durchaus interessant, das literarische Meisterwerk des Franzosen aus dem Bücherregal zu ziehen und es erneut zu lesen. Das Thema ist von erschreckender Einfachheit, wie die FAZ einmal schrieb. Der Autor verbinde die packende Darstellung einer sich „unaufhaltsam entwickelnden Katastrophe“, von der ersten toten Ratte bis zu überfüllten Lazaretten, mit Erörterungen über den Sinn des Lebens, befand die Süddeutsche Zeitung.

 

Titelcover Ausgabe RoRoRo, Oktober 1969, 523. Tausend „rowohlts rotations romane“ Bd. 15 Foto © rheinische ART 2020

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete der 30-jährige Camus jahrelang an dem Werk. Es erschien 1947 und machte ihn, der im heutigen Algerien – damals Französisch-Nordafrika – geboren wurde, schlagartig weltberühmt. „Die Pest“ wie weitere Camus-Romane, etwa „Der Fremde“, gehören heute zur Weltliteratur und sind in Frankreich Standardlesestoff in den Schulen.


Albert Camus war ein politischer Kopf. 1935 trat er Frankreichs Kommunistischer Partei (KP) bei, wurde aber zwei Jahre später ausgeschlossen. Von da an ließ er sich von keiner Partei mehr vereinnahmen.

     Am 17. Juni 1953 war er in Ostberlin auf der Seite der Aufständischen, die gegen das SED-Regime und die Sowjets aufbegehrten; 1956 begrüßte er den Volksaufstand der Ungarn gegen ihre sowjetischen Besatzer.

     Den Nobelpreis erhielt er 1957 jedoch nicht für „Die Pest“ oder philosophische Schriften, sondern für den Essay „Réflexions sur la Guillotine“, mit dem er die in Frankreich praktizierte Todesstrafe durch das Fallbeil anprangerte. Mit 44 Jahren war Albert Camus seinerzeit der jüngste Preisträger in der Kategorie Literatur.

 

Worum geht es in dem Buch?  „In der nordafrikanischen Stadt Oran bricht eine furchtbare Seuche aus, die längst aus zivilisierten Regionen verbannt schien. Die sich unerbittlich ausbreitende mörderische Epidemie bestimmt allmählich das gesamte Leben der von der Außenwelt abgeschnittenen Stadt und verändert es. Außerordentlich wirklichkeitsnah, ist das Werk zugleich ein großartiges Sinnbild des apokalyptischen Grauens, das den Einzelmenschen angesichts der maßlosen kollektiven Verhängnisse unserer Zeit befällt. Doch nimmt der Leser die Gewissheit mit, daß Mut, Willenskraft und Nächstenliebe auch ein scheinbar unabwendbares Schicksal meistern können.“ (Die Pest, Vorspann in der deutschen Ausgabe von Rowohlt 1969, S. 2)


Rund zwei Jahre nach der Preisverleihung in Stockholm, am 4. Januar 1960, stieg Camus in das Auto von Michel Gallimard, einem Neffen seines Verlegers. Durch einen geplatzten Reifen kam es zu einem Unfall: Camus war sofort tot, der Fahrer starb zehn Tage später an den Folgen im Krankenhaus.

     Sein Tod bedeutete „das Verstummen einer literarisch und moralisch gewichtigen Stimme Europas“, wie es im Vorspann der Rowohlt-Taschenbuchausgabe heißt. Als Werkhintergrund für „Die Pest“ gelten Camus’ persönliche Erfahrungen vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Roman wird daher auch als eine Reflexion aus „distanziertem Blickwinkel über den Widerstand der Menschen gegen physische und moralische Zerstörung“ angesehen.

rART/ cpw

 

Leseprobe:

Am Morgen des 16. April trat der Arzt Bernard Rieux aus seiner Wohnung und stolperte mitten auf dem Flur über eine tote Ratte. Im Augenblick schob er das Tier beiseite, ohne es zu beachten, und stieg die Treppe hinunter. Aber auf der Straße fiel ihm ein, die Ratte sei dort oben nicht recht am Platz, und er kehrte zurück, um den Hauswart zu benachrichtigen…. Am selben Abend stand Bernard Rieux unten im Hausgang und suchte seine Schlüssel, bevor er in seine Wohnung hinaufstieg. Da sah er aus dem Dunkel des Ganges eine dicke Ratte auftauchen, mit feuchtem Fell und unsicherem Gang. Das Tier blieb stehen, schien sein Gleichgewicht zu suchen, wendete sich gegen den Arzt, blieb wieder stehen, drehte sich mit einem leisen Schrei im Kreis und fiel schließlich zu Boden, wobei aus den halbgeöffneten Lefzen Blut qoll. (Taschenbuchausgabe, Auflage von 1968, S. 7 und S. 8)


Literaturhinweis / Auswahl:
► Albert Camus Die Pest („La Peste“) Übers. Von Guido G. Meister. Karl Rauch Verlag GmbH Düsseldorf 1958, Ungekürzte Ausgabe veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg November 1950, diverse Auflagen.

Albert Camus (Autor), Uli Aumüller (Übersetzer) Die Pest, Taschenbuch, Neuübersetzung von 1998, RoRoRo, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

 

 

 

 

 

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