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rheinische ART 12/2013

Archiv 2013

DIE KUNSTSAMMLUNG NORDRHEIN-WESTFALEN ZEIGT

Alexander Calder 

– Avantgarde in Bewegung

 

von Georg Simet


Über 20 Jahre sind vergangen, seit der US-amerikanische Künstler Alexander Calder (1898 - 1976) zuletzt in Deutschland in einer Einzelausstellung präsentiert wurde. In der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 werden nun in Zusammenarbeit mit der Calder Foundation – unter Leitung ihres Präsidenten Alexander S. C. Rower, einem Enkel des Künstlers – etwa 70, sorgfältig ausgewählte Objekte aus dem in die Tausende gehenden Œuvre des extrem produktiven Künstlers gezeigt – verteilt auf zwei höchst divergent gestaltete Räume. 

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

Alexander Calder, Quatre systèmes rouges (mobile), 1960, Eisen, Stahl, Farbe, 155 x 200 x 200 cm, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark, Donation: The New Carlsberg Foundation, Foto: © 2013 Calder Foundation, New York / Artists Rights Society (ARS), New York Foto: Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark © Kunstsammlung NRW

 

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

Alexander CalderUntitled, 1930, Öl auf Leinwand, 45,7 x 38,1 cm, Foto: © 2013 Calder Foundation, New York / Artists Rights Society (ARS), New York © Kunstsammlung NRW

 

Klee-Halle

 

In dieser Halle öffnet sich dem Besucher ein Weg durch die Schaffensperioden Calders von Mitte der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre in Paris und zum Teil bis weit hinein in die Nachkriegszeit, in denen er vor allem in den USA, vornehmlich in Roxbury, in der Nähe von New York, lebte und arbeitete.
    In der von der Kuratorin Susanne Meyer-Büser collagenartig zusammengestellten Werkschau werden nicht nur Schlüsselwerke Calders als Einzelobjekte gezeigt (und zum Teil räumlich und klanglich in Bewegung gesetzt). Die Gebilde werden durch Zitate von Calder und mit ihm befreundeter Künstler erläutert und durch Werke anderer, eben jener Künstler, bildnerisch (Mondrian, Miró) und filmisch (Léger, Ray, Duchamp) in Zusammenhang gebracht, komponiert und kontrastiert. 
   Durch dieses Arrangement, Ausdruck einer sich gegenseitig beeinflussenden, auf engem Raum zumeist in Paris lebenden und arbeitenden Künstlergemeinschaft, zu dem auch das Experimentieren mit Musik (Varèse) wesentlich beitrug, erschließt sich so eine Art Gesamtkunstwerk avantgardistischer Strömungen, Geschmäcker, Begegnungen, Durchmischungen und auch – Bewegungen. Einzig die zum Künstler-Event werdenden, legendären Aufführungen des Cirque Calder, mit dem Calder in seiner Pariser Wahlheimat bekannt wurde, und seine diversen Versuche, Ballett- und Theaterinszenierungen durch den Einbezug von Mobiles zu bereichern, sind in der Düsseldorfer Ausstellung weitgehend ausgespart. Pointiert herausgearbeitet wird hingegen, wie Calder sein Interesse für und Wissen über physikalische und technische Prozesse handwerklich gekonnt nutzt und in Kunst transformiert.

   Es beginnt mit dem dreidimensionalen „Zeichnen“ mit Draht, den Drahtskulpturen: Gesichter, Körper, Ensembles. Ein ganzer Zirkus im Kleinen entsteht. Calder lässt Gewichtheber, Dompteur, Zirkusdirektor, auftreten. Im Laufe der Jahre werden es mehr als 100 Figuren. Sie bewegen sich teils von Calder gelenkt, teils von Motorenkraft betrieben. Und dazu spielt die Musik. So entsteht ein eigener Mikrokosmos, ein Gesamtkunstwerk im Kleinen (nicht wie bei Wagner von der Musik, sondern bei Calder vom Figürlichen, von der Figuration im Raum ausgehend): Eine „Komposition aus Bewegungen“. Denn, in Calders eigenen Worten: „So wie man Farben oder Formen komponieren kann, so kann man auch Bewegungen komponieren.“
   Da diese Vorliebe Calders für den Zirkus in der Ausstellung nicht vertieft wird, treten die folgenden zwei Brüche noch deutlicher hervor. Beide Male ist Piet Mondrian (1872-1944) der Auslöser respektive Anreger für neue Entwicklungen. 1930 besucht Calder zum ersten Mal Mondrians Atelier und ist begeistert von dessen Reduktion des Raums auf strikt rechteckige, gegeneinander versetzbare Flächen unterschiedlicher Farbigkeit. Nachdem Calder daraufhin zunächst ebenfalls im Zweidimensionalen zu experimentieren beginnt, setzte er dieses Abstraktionsprinzip schließlich wiederum ins Dreidimensionale um. Zunächst sind es Kugeln, dann auch Stäbe, Scheiben und zum Teil surreale Figuren, die sich mechanisch-maschinell, oder von Menschenhand angestoßen im Raum bewegen (Mobiles), manchmal kollidieren und tönen (Noise-mobiles) oder unbewegt im Raum verharren (Stabiles). Durch Kritik Mondrians an diesem Verursachungsprinzip, geht Calder dann dazu über, seine mobilen Systeme so zu komponieren, dass sie sich selbst zu organisieren scheinen: angetrieben durch die Natur, durch mehr oder weniger starken Luftzug. 
    Zu erwähnen ist zudem der von Ulrich Zickler angelegte Steg in der Ausstellung, der diagonal in den Ausstellungsraum hineinführt. Von dieser Empore, von erhöhter Position aus, ergibt sich ein Rundblick über die gesamte Komposition in ihren einzelnen, aneinandergereihten Facetten. Insbesondere im Nachgang, retrospektiv, erschließt sich dieser als lang wirkender, intelligibler Nachhall des Gesehenen.

 

Grabbe-Halle

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

Installationsansicht mit der Skulptur Le Tamanoir, 1963, Foto: Achim Kukulies, © Calder Foundation, New York / Artists' Rights Society (ARS), New York © Kunstsammlung NRW


Ganz anders ist die zweite Halle gestaltet. Sie ist schlicht, auf wenige Objekte fokussiert. Calder pur. Keine Begleittexte, keine Werke anderer Künstler lenken von den hier gezeigten Exponaten ab. Nur die Musik von John Cage begleitet den Besucher kongenial auf seinem Weg durch den Raum. Größtes Objekt der Ausstellung ist der im rückwärtigen Teil der Halle thronende, aus Rotterdam von der Sculpture International zugewanderte „Le Tamanoir“ (Ameisenbär) von 1963.
 

Die Ausstellung "Alexander Calder - Avantgarde in Bewegung" ist bis zum 26. Januar 2014 zu sehen.

K20 Kunstsammlung NRW
Grabbeplatz 5
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 83 81-204
Öffnungszeiten
DI – FR 10 – 18 Uhr
Sa + SO 11 – 18 Uhr
jeder 1. MI im Monat bis 22 Uhr

 

► Film: Aussagekräftig ist der in der Klee-Halle permanent durchlaufende Film von Ralph Goertz. In chronologischer Ordnung wird fast ausschließlich die künstlerische Entwicklung Calders von den Anfängen bis zu seinen späten Arbeiten rekonstruiert. Einzelne, zumeist auch in der Ausstellung gezeigte Schlüsselarbeiten werden sorgfältig, präzise und kenntnisreich besprochen.
► Katalog: Anders als in der Ausstellung selbst beschäftigt sich im Katalog ein Artikel (von Daniela Hahn) ausführlich mit der Theatralität bei Calder. Weitere Beiträge sind: Vorworte von Marion Ackermann und Alexander S. C. Rower sowie Essays von Susanne Meyer-Büser zum Ausstellungskonzept und von Gryphon Rue Rower-Upjohn zu den Klang-Objekten. Der Begleitfilm von Goertz ist dem Buch als CD beigefügt.

 

 

 

 

 

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