rheinische ART
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rheinische ART 02/2011

 

Archiv 2011: aus "Architektur"

Anna Viebrocks „Ästhetik des Gewöhnlichen“

 

 

Bühnenbild als

 

Architektur

 

 

Das Schweizerische Architekturmuseum (S AM) in Basel hat die der Bühnenbildnerin Anna Viebrock gewidmete Ausstellung „Im Raum und aus der Zeit“ bis Ende März verlängert. Die gebürtige Kölnerin (*1951) gilt als die renommierteste, prägendste und international erfolgreichste Vertreterin in der Kunstkategorie Bühnenbild.

 

ANNA VIEBROCK hat Kunst- und Architekturfans immer wieder dazu gebracht, darüber zu sinnieren, woher sie als Regisseurin, Bühnen- und Kostümbildnerin wohl die Inspirationen zu ihren unkonventionellen, originellen, nicht selten unheimlichen und bedrückenden Raum-Szenarien nimmt.

   Giovanni Battista Piranesi (1720 – 1778) und seine „Kerker-Bilder“ (Carceri) mögen eine dieser Anregungsquellen sein, schließlich sind diese einzigartigen Architekturfantasien aus dem 18. Jahrhundert auch als Filmkulissen neuzeitlicher Prägung - man denke da an „Herr der Ringe“ - in die Welt der Gestalter eingeflossen. Piranesi war bekanntlich nicht nur Kupferstecher, Architekt und Archäologe, sondern auch Bühnenbildner. Vermutlich aber ist alles viel einfacher aber deshalb nicht weniger ingeniös, und in Basel kann sich der staunende Besucher selbst davon überzeugen.

 

Impulsgeber

 

Es sind die geläufigen Wohnkomplexe, leblos wirkende Industrieterrains oder die vielstöckigen Bauwerke in den Zentren und Vorstädten mit ihren administrativen oder repräsentativen Funktionen. Oder die gewöhnlichen, massenhaften, kitschigen oder vergammelten Interieurs vergangener Jahrzehnte, die Anna Viebrock ganz offenbar Anregungen in Hülle und Fülle geben.
    Auf Reisen fotografiert und dokumentiert Viebrock immer wieder derartige Objekte und Arrangements, verarbeitet sie in ihren Entwürfen, baut sie nach, überträgt sie in Szenerien surrealer Bühnenbilder, die oft eine diffuse, retrochic-ähnliche, aber auch eine subtile Ästhetik des Gewöhnlichen ausstrahlen.
    In den letzten Jahren fand Viebrock diese optischen Impulsgeber im Osten Deutschlands: abstoßende Plattenbauten, ruinierte Gründerzeit-Fassaden, abgewrackte Industrieviertel, ehemalige Läden der Handels-Organisation, aber auch verblassende Hotelromantik und Gefängnisse. Vielleicht ist es gerade die Banalität des Alltäglichen, die beim Betrachter den verwirrenden Eindruck hervorruft, die Raumbilder seinen ihm vertraut und zugleich doch fremd.

 

Begehbares Bühnenbild

 

Die Ausstellung veranschaulicht anhand von 16 ausgewählten Inszenierungen die interessante Prozesskette, welche von den als Inspiration dienenden Fotos über die architektonische Skizze und den Modellbau als Raumcollage bis hin zum fertigen Bühnenbild führt. Dem Besucher werden Architekturfotos, Entwurfsskizzen, Bühnenbildmodelle und einzelne Dekorationselemente im Maßstab 1:1 geboten.
   Szenenfotos und Fotosequenzen jüngst angefertigter Bühnenbilder der Künstlerin (aufgenommen vom Architekturfotografen Walter Mair) vermitteln ein realitätsnahes Erleben. Ein Raum des S AM wurde von Viebrock zu diesem Zwecke als begehbare Inszenierung gestaltet.
Klaus M. Martinetz

 

Ausstellung: Anna Viebrock: Im Raum und aus der Zeit - Bühnenbild als Architektur

Ausstellungsdauer: verlängert bis 27.03.2011

Schweizerisches Architekturmuseum (SAM)
Steinenberg 7
Postfach 911
CH- 4001 Basel
Tel. +41 (0) 61 261 14 13
Fax +41 (0) 61 261 14 28


Öffnungszeiten:
DI, MI, FR: 11.00 - 18.00 Uhr
DO: 11.00 - 20.30 Uhr
SA, SO: 11.00 – 17.00 Uhr

 

 

 

 
 
 

 

 

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