rheinische ART
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rheinische ART 04/2013

 

 

ARCHIV 2013

MAN RAY UND DAS GRUBER-ARCHIV IM MUSEUM LUDWIG

 

Poet der Dunkelkammer

 

L. Fritz Gruber: Man Ray und Renate Gruber

mit Hut, Paris, Sommer 1960

© Renate Gruber, Köln

 

So bezeichnete einst der Avantgardist Jean Cocteau seinen Zeitgenossen und Freund, den US-amerikanischen Fotografen, Filmregisseur und Maler Man Ray, der ihn portraitierte. Ray, fotografischer Revolutionär und experimentierfreudiger Wegbereiter moderner Bildtechniken, zählt zu den teuersten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

 

 

Mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder konnte das Museum Ludwig das bedeutende private Man Ray-Archiv des Kölner Fotopioniers Leo Fritz Gruber (1908 – 2005) erwerben und so seinen bereits umfangreichen Man Ray-Bestand erweitern. Einen Einblick in die vielfach sehr persönlichen Archivalien gewährt nun eine Schau im grafischen Kabinett des Museums.

 

   Der Kurator, Fotosammler und Publizist L. Fritz Gruber gehörte zu den prägenden Gestalten des Kölner Kulturlebens in den letzten Jahrzehnten. Auf seine Initiative geht die Gründung der „Photokina“ zurück, der weltweit bedeutenden Fachmesse für Fotografie, die alle zwei Jahre in Köln stattfindet. Das Engagement für zeitgenössische Fotografie blieb Zeit seines Lebens ein Hauptinteresse Grubers, was er auf eine beeindruckende Begegnung mit August Sander zurückführte.
   Ein besonders enges Verhältnis pflegten Gruber und seine Frau Renate mit Man Ray (1890-1976) – diesen hatte der Kölner Anfang der 1950er Jahre in Paris ausfindig gemacht, wo Man Ray sich dauerhaft niedergelassen hatte. Aus einer ersten Begegnung wurde lebenslange Freundschaft, die im sukzessiven Aufbau einer der umfassendsten und persönlichsten Man Ray-Sammlungen mündete.

 

 

L. Fritz Gruber (Hg./editor) Man Ray:

Portraits, Gütersloh 1963,

Museum Ludwig Köln (Archiv Gruber)

 

Die nun ausgestellten Archivalien sind nicht zu verwechseln mit dem bedeutenden Bestand von Portraitfotografien Man Rays, die das Museum Ludwig bereits 1977 von Leo Fritz Gruber erwarb. Zwar sind auch diese in der aktuellen Schau vertreten, allerdings untermalen sie als eher offizieller Part die intimeren Bestandteile des Archivs, zu dem sie in enger Beziehung stehen. So bildet eine Sammlung von 50 Arbeitsabzügen Man Rays ein Herzstück des Gruber´schen Archivs: Es handelt sich hierbei um jene Abzüge, welche die Vorlage Grubers Publikation „Man Ray Portraits“ von 1963 bilden. Der Clou: Auf der Rückseite jedes Kontaktbogens hat Man Ray handschriftlich seine Wertschätzung der abgebildeten Person in Form eines Punktesystems ausgedrückt: Picasso erhielt dabei 17 von 20 möglichen Sympathiepunkten, Max Ernst 18. An mehreren Dichtern fand der Prominentenfotograf dagegen kein Gefallen: Henry Miller bekam neun Punkte, James Joyce lediglich sechs und T.S. Elliott gar nur drei.

 

Experimentelle Techniken

 

Das Archiv unterstreicht zudem den experimentellen Charakter der Arbeit Man Rays insbesondere auf dem Gebiet der Fotografie. Ab 1920 entwickelte dieser ein Verfahren der kameralosen Fotografie, bei dem der abzubildende Gegenstand auf lichtempfindliches Papier gelegt wurde. Allein 37 Kontaktkopien dieser sogenannten Rayografien enthält Grubers Archiv. Auch der umfangreiche Briefwechsel zwischen Gruber und Man Ray gibt aufschlussreiche Informationen über den Künstler. So wird etwa in einem Brief deutlich, dass Man Ray die f-förmigen Ausschnitte eines Violonchellos in seiner berühmten surrealistisch-humorvollen Fotografie „Le Violon d'Ingres“ (Die Violine von Ingres), einem Rückenakt seiner Geliebten Kiki de Montparnasse von 1924, mit Schablonen erzeugte.

 

 

Wertvoller Bestand

 

Die aktuelle Ausstellung macht deutlich, dass das Museum Ludwig durch den Ankauf des L. Fritz Gruber– Archivs nun über eine der weltweit führenden Man Ray – Sammlungen verfügt. Dabei musste um den Verbleib gebangt werden: Nachdem das Archiv fast nach Hamburg verkauft worden wäre, gelang der Ankauf für das Kölner Haus schlussendlich durch finanzielle Unterstützung der Kulturstiftung der Länder. Zugleich ist es die letzte Ausstellung des Kurators und stellvertretenden Direktors des Museum Ludwig, Prof. Bodo von Drewitz.

Robert Woitschützke

 

Die Ausstellung „Man Ray – L. Fritz Gruber. Das Archiv einer außergewöhnlichen Beziehung“ ist bis zum 5. Mai 2013 zu sehen.
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Telefon 0221 / 221-26165

Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
jeden ersten DO 10 – 22 Uhr

 

Zeitgleich würdigt die National Portrait Gallery in London den Fotografen und Dadaisten mit der Retrospektive „Man Ray Portraits“. Gezeigt werden 150 Exponate aus der Schaffensperiode 1916 bis 1968. Die Ausstellung in London läuft bis zum 27. Mai 2013.

 

 

 

Fotos (5) Museum Ludwig, Köln

 

 

 

 

 

 

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