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rheinische ART 04/2022

FOTOGRAFIE
Lüttich im Wandel

 

Zahlreiche ehemalige Industriestädte erfahren seit Jahren Modernisierungsprozesse. So auch die wallonische Metropole Lüttich. Eine Fotodokumentation zeigt Erstaunliches.

 

Arnd Gottschalk Architektur-High Light Finanzturm, fertiggestellt 2014. Architekt: Jaspers-Eyers Architects. Fotografie aus der Ausstellung „Umbrüche“. Alte und neue Architektur stehen in scharfem Kontrast. Fotodatum 2020. Foto © Arnd Gottschalk.

 

Die Stadt Lüttich war lange Zeit vom Niedergang gezeichnet. Strukturwandel und Misswirtschaft ließen die einstige Wiege der belgischen Kohle- und Stahlindustrie zusehends verkommen.

     Doch in den letzten Jahren hat sich das Bild gewandelt. Lüttich – französisch Liège, flämisch Luik – durchlebt einen sehr dynamischen und aufregenden Modernisierungsprozess. Und die Stadt an der Maas hat natürlich viel mehr zu bieten als „Lütticher Waffeln“, das pulsierende Shopping- und Flanierviertel Carré oder den berühmten Boverie-Park auf einer grünen Insel im Fluss mit idyllischen Picknickplätzen, Rad- und Wanderwegen.

     Der urbane Wandel Lüttichs ist ein schleichender Prozess. Der Fotograph Arnd Gottschalk hat sich diesem Prozess vor allem durch einen Blick auf die gesamte Architektur der Stadt genähert.

 

Arnd Gottschalk Architektur im Spiel mit Licht. Der Lütticher Bahnhof Liège-Guillemins, Architekt: Santiago Calatrava. Das Gebäude war Auslöser für die Fotoserie „Umbrüche“. Foto © Arnd Gottschalk.

 

Sinnbild für alles Neue ist der vom spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava entworfene Fernbahnhof Liège-Guillemins, der 2009 eröffnet wurde. Der Baumeister schuf ein einzigartiges Gebäude mit 39 Stahlträgern, es kennt keine Innenwände und lässt daher das Innen und Aussen fließend ineinander übergehen. Das spektakuläre Dach wölbt sich über rund 200 Meter wie ein Baldachin über die Bahngleise.

     Calatravas Prinzipien der Gestaltung waren Transparenz in Kombination mit Bewegung und Kommunikation. Historische Portale und Fassaden, wie sie der alte Bahnhof von 1842 noch hatte, findet der Besucher nicht mehr.

     Der umgebaute ostbelgische Bahnhof Liège-Guillemins ist eine moderne Euro-Liège-TGV-Station und ähnelt damit den vielen Hochgeschwindigkeitszügen, die ihn passieren. Er ist einer der großen Gleisknotenpunkte Belgiens. Rund 500 Züge verkehren pro Tag über die Station. In Fachkreisen wird die Verkehrsanlage als Meisterwerk der Moderne gefeiert und ist eigentlich zu schön, elegant und sehenswert, als das man einfach durch sie hindurch reist. Warum sie so wirkt? Architekt Calatrava ist dafür bekannt, sich bei seinen Planungen von Naturformen und dem menschlichen Körper inspirieren zu lassen. „Wir brauchen Schönheit und Schönheit kann große Dinge in Gang setzen“, wird er zitiert.

 

Arnd Gottschalk Fotografie aus der Ausstellung „Umbrüche“ mit einem neuen Blick auf die Architektur der Stadt Lüttich. Fotodatum 2019. Foto © Arnd Gottschalk


Die Ausstellung widmet sich nicht nur dieser modernen Verkehrsikone. So wie der Fotograf Arnd Gottschalk durch Perspektivenwechsel diese ungewöhnliche Bahnhofsarchitektur schrittweise entschlüsselt, so legt er nach und nach auch die Schichten des neuen Lüttichs offen.

     Alle Fotografien sind in schwarz-weiß gehalten und gerade die dadurch erzeugten scharfen Kontraste gewähren einen spannenden Blick auf die Stadt, die auf der Suche nach der neuen Zeit ist, wie die Ausstellungsmacher betonen. Gezeigt werden mehr als 30 Fotos von Gottschalk, der sich bei seinen Exkursionen durch die verschiedenen Stadtteile von Einheimischen deren Lieblingsorte hat zeigen lassen. Die Ausstellung bietet damit auch Kennern und Liebhabern von Aachens belgischer Nachbarstadt neue Einblicke und Ausblicke.

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 Der Fernbahnhof Liège-Guillemins ist gelegentlich auch Ausstellungsort. Derzeit präsentiert dort die Europa Expo die Schau „I love Japan“. Ein „immersiver Rundgang“ führt unter anderem durch die Straßen Tokios und spiegelt die facettenreiche Kultur des fernöstlichen Landes. Der Kulturausflug wird bis zum 30. September angeboten.


Die Ausstellung „Umbrüche - mit der Kamera durch Lüttich“ mit Fotografien von Arnd Gottschalk ist bis zum 26. Juni 2022 geöffnet.
Internationales Zeitungsmuseum Aachen
Pontstraße 13
52062 Aachen
Tel 0241 4324910
Öffnungszeiten
DI – SO 10.00 bis 17.00 Uhr

 

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