rheinische ART
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rheinische ART 08/2021

Archiv 2021

RÜCKBLICK
Geöffnet - nicht eröffnet


Die Unwetterkatastrophe im Rheinland hat auch die Kunstszene hart getroffen. Ateliers, Galerien, Werkstätten mit ihrem technischen Equipment wurden zerstört, manche Kunstakteure stehen vor dem Ruin. Trotzdem wurde Kunst geboten!

 

Elaheh Bazaei Faded memory (Auswanderung) 2017, Mischtechnik Wasserfarbe und Kalligraphie Stift auf Papier, 30 x 42 cm. Foto © Elaheh Bazaei Fotoquelle robART.de

 

Ein Beispiel: die ARTOLOG 7. Eine binationale Ausstellung in den Räumen des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V. (BBK) in Düsseldorf.

     Sieben iranische und deutsche Künstler hatten dort zwei Wochen lang aktuelle Kunst aus ihren Kulturkreisen präsentiert. Die geplante Vernissage am 15. Juli gab es nicht, sie wurde Opfer der dramatischen Entwicklung in der Eifel und in der Kölner Bucht. Die Schau endete am Sonntag mit einer erstaunlich gut besuchten Finissage.

 

Helga Berg Dooremans Gespräch, Ausschnitt, Pastell auf Holz 2018, 78 x 41 cm. Foto © Helga Berg Dooremans Fotoquelle robART.de

 

Majid Aslami Die Dochotomie menschlicher Identität zwischen Tradition und Moderne, 2019,  Pigmentdruck auf Leinwand, 80 x 80 cm. Foto © Majid Aslami Fotoquelle robART.de

 

Hassan Deldjouye Shahir (*1943) Schriftsteller und Dichter rezitiert Hafez-Gedichte. Foto © rheinische ART 2021

 

Ein interessanter Aspekt dieser auch politisch unterfütterten Exposition war der Gesamtrahmen, in dem Gewalt und Auseinandersetzung mit der jeweils eigenen Gesellschaft ihr ein gemeinschaftlich Ganzes verlieh.
     Mit großer Sachkenntnis und einem von offenen Worten geprägten Vortrag führte der frühere Staatsrat und deutsche Botschafter Volker Schlegel in die Ausstellung ein. Schlegel kritisierte das „falsche und lückenhafte Bild von Iran“ in den westlichen Medien und betonte, dass „ohne Iran keine dauerhafte Lösung in Nahost“ möglich wäre.

     Die aktuelle Lage charakterisierte der Ex-Diplomat als „ökonomisch verheerend“. Die wirtschaftlichen Sanktionen vor allem der Vereinigten Staaten, so Schlegel, hätten zu extrem gesunkenem Lebensstandard und einer zusammengebrochenen Altersversorgung geführt.

     Auch der Schriftsteller und Dichter Hassan Deldjouye Shahir, der Gedichte von Goethe und Hafez rezitierte, unterstrich den aktuellen Status seiner Heimat Iran als ein Land des Leidens.

 

Afshin Ariafar Sudabehs romantische Begegnung (mit Siavash in der sanften weiblichen Kulisse) 2020, Pigmentdruck a.Lw., 60 x 90 cam, Foto © Afshin Ariafar Fotoquelle robART.de

 

Knut Reinhardt, Kurator und künstlerischer Projektleiter, verwies auf die außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen der Ausstellung und hob hervor: „Unvergleichlich schlimmer ist die Situation in Iran.“ Die Intention der Ausstellung, mit 30 Arbeiten sehr unterschiedlicher Kunstkategorien zu einer Vertiefung der iranisch-deutschen Kunstbeziehungen beizutragen, sah er als gelungen an.

     Einige Werke, so Reinhardt, könnten allerdings nur in Deutschland und nicht in Iran gezeigt werden. Aufgrund von Zensur ist und bleibt künstlerisches Arbeiten in Iran bekanntlich eine Gratwanderung.

 

Die Besucher waren allerdings auch gefordert. Denn die Kunst aus dem „altehrwürdigen Kulturraum Persien“ (Shiraz-Persepolis) mit ihren traditionellen Bezügen wurde neben westlich orientierten, aktuellen Objekten präsentiert. Eine Schau mit Offenheit und Mut, ein Blick in eine iranische Subkultur, die man sich in einer weniger von Katastrophen belasteten Zeit noch einmal wünscht.
rART/cpw


Ausstellungsteam: Die Dozenten der Kunstakademie in Shiraz (Iran) Afshin Ariafar, Majid Aslami, Shariar Asadi und die iranische Künstlerin Elaheh Bazaei sowie die deutsche Künstlerin Helga Berg Dooremans und das Künstlerehepaar Ingrid und Knut Reinhardt.


 ARTOLOG 7 war die sechste Ausstellung der Initiatoren, zwei fanden in Iran statt (mehr) und vier in Deutschland. Exposition 5 in Frankreich (Sanary sur mer) steht Corona bedingt noch aus. ARTOLOG 8 ist als Ausstellung in Shiraz geplant.

 

 

 

 

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