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rheinische ART 06/2018

BACON UND GIACOMETTI
Gipfeltreffen


Die Fondation Beyeler bestückt in diesem Frühsommer ihr Haus mit zwei Schwergewichten der Klassischen Moderne: Bacon und Giacometti. Diese Kombination hat alle Chancen, die Ausstellung zu einem Publikumsmagneten zu machen.

 

Alberto GiacomettiL und Francis Bacon, 1965, Silbergelatineabzug Foto: © Graham Keen

 

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich an der Eingangspforte des Museums die Besucher die Klinke in die Hand gäben. Annähernd eine halbe Million Eintritte meldete die Verwaltung für 2017, ein neuer Rekord in dem vor 20 Jahren eingeweihten Haus. Das Spitzenergebnis basiere vor allem auf der hohen Ausstellungsdichte und der Regelung, allen Besuchern unter 25 Jahren freien Eintritt zu gewähren, teilte die Fondation mit.

 

 

Francis Bacon Portrait of Michel  Leiris, 1976, Öl auf Leinwand, 34 x 29 cm Centre Georges Pompidou, Musée National d'Art Moderne, Schenkung Louise und Michel Leiris, 1984 © The Estate of Francis Bacon. All rights reserved / 2018, ProLitteris, Zurich Photo: © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN-Grand-Palais / Bertrand Prévost

 

 

Alberto Giacometti Caroline, 1961, Öl auf Leinwand, 100 x 82 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler © Succession Alberto Giacometti / 2018, ProLitteris, Zurich Photo: Robert Baye

 

 

Alberto Giacometti Boule Suspendue, 1930, Gips und Metall 61 x 36 x 33.5 cm, Kunstmuseum Basel, Depositum der Alberto Giacometti-Stiftung © Succession Alberto Giacometti / 2018, ProLitteris, Zurich Photo: © Kunsthaus Zürich

 

Premiere Nach der jüngst beendeten großen Werkschau zum 80. Geburtstag von Georg Baselitz, der Auftaktausstellung in diesem Jahr, nun also Alberto Giacometti (1901–1966) und Francis Bacon (1909–1992), die gleichermaßen Freunde als auch Rivalen waren.

     Sie beeinflussten mit ihren Visionen die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute stark und sind ein Muss für den Kunstinteressierten in diesem Sommer.
     Abgesehen davon: Mit der Schau schwingt sich das Schweizer Museum in Riehen bei Basel zu einem Pionier auf. Denn zum ersten Mal überhaupt widmet sich eine Museumsschau den beiden Persönlichkeiten gemeinsam und beleuchtet ihre Beziehung zueinander.

 

Parallelen Obwohl ihr Schaffen auf den ersten Blick völlig unterschiedlich und eigenständig wirkt, gibt es Gemeinsamkeiten wie auch erstaunliche Parallelen – und zusammen präsentiert erscheint beider Leben und Kreativität in einem neuen Licht.

     Wie zwei Leuchttürme, die sich Lichtsignale zusenden, so heißt es in der Fondation Beyeler, nahmen sich die Individualisten Bacon und Giacometti zeitlebens wahr. Beide interessierten sich für die Probleme der zwei- und dreidimensionalen Darstellung von Raum, wobei sie käfigartige Gebilde in ihre Werke einbezogen, um Figuren in ihrer Umgebung zu isolieren.

     Beide beschäftigten sich mit dem fragmentierten und deformierten Körper, und sie teilten eine Obsession für das Porträt und die damit verbundene Darstellung menschlicher Individualität. Jeder der beiden bezeichnete sich als „Realist“. Und sowohl der eine als auch der andere arbeitete in einem kleinen, kargen, ja geradezu chaotischen Atelier, aus dem große Kunst hervorging.
      Obwohl sie sich immer auf die menschliche Figur bezogen, steigerten sie deren Abstraktion ins Extreme, wenn auch jeder auf seine Weise. Damit stellten Bacon und Giacometti den Gegensatz zwischen Figuration und Abstraktion infrage, der für die Geschichte der modernen Kunst von so großer Bedeutung war.

 

 

Francis Bacon Portrait of Isabel Rawsthorne standing in an street  in Soho, 1967, Öl auf Leinwand, 198 x 147 cm Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie. 1967 erworben durch das Land Berlin © The Estate of Francis Bacon. All rights reserved / 2018, ProLitteris, Zurich Photo: © bpk / Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

 

Eine Schlüsselrolle in der Beziehung von Giacometti und Bacon spielte die Malerin Isabel Rawsthorne, die mit beiden eng befreundet und zeitweilig die Geliebte des Ersteren war. Beiden Künstlern stand sie Modell, beiden diente sie als Muse. Wie Giacometti und Bacon war auch sie fasziniert von den menschlichen Abgründen. Die dunklen Seiten der Sexualität, Einsamkeit und Melancholie, der Hang zu Exzessen: Da geht von beiden Kreativen eine Faszination aus, die sich in der Person Rawsthornes trifft, aber weit darüber hinaus wirkt. Der Künstler als extremer Grenzgänger der Gesellschaft: Das wird in der 100 Werke umfassenden Ausstellung „Bacon – Giacometti“ ganz besonders deutlich.
K2M


Den Ausstellungsmachern ist es gelungen, von bedeutenden Privatkollektionen und renommierten Museen weltweit Werke von Bacon als Leihgaben zu erhalten, darunter das Art Institute in Chicago, das MoMA New York und das Centre Pompidou, Paris. Die Giacometti-Ausleihen stammen fast ausschließlich aus der Fondation Giacometti in Paris. Darunter sind viele Originalgipse aus dem Nachlass des Künstlers, die noch nie zuvor öffentlich gezeigt worden sind.

 

Die Ausstellung „Bacon – Giacometti“ endet am 2. September 2018.
Fondation Beyeler
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen / Basel
Tel. +41 - (0)61 - 645 97 00
Öffnungszeiten
MO - SO 10 – 18 Uhr
MI 10 – 20 Uhr

 

 

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