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rheinische ART 01/2017

Archiv 2017

JOHANN GEORG PINSEL
Himmlisches von einem Rätselhaften

 

Bis heute gibt dieser Künstler der Forschung Rätsel auf. Über sein Leben, seine Herkunft und seine Ausbildung ist wenig Gesichertes überliefert. Seine beiden Vornamen sind erst vor wenigen Jahren identifiziert worden und sein Geburtsort liegt gänzlich im Dunkeln.

 

Johann Georg Pinsel Samson im Kampf mit dem Löwen (Detail), wohl spätestens 1758 © Lviv National Art Gallery, Holz, polychrom gefasst und vergoldet 139 x 160 x 110 cm. Bildquelle: Belvedere Wien 2016

 

Das Belvedere in Wien würdigt in seiner Winterausstellung den spätbarocken Holzbildhauer Johann Georg Pinsel. „Himmlisch!“ ist die Präsentation im Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen betitelt, denn Pinsel war ein Meister für barocke Darstellungen sakraler Kunst.

 

 

Johann Georg Pinsel Personifikation des Neuen Testaments (Detail), wohl spätestens 1758 © Lviv National Art Gallery, Holz, polychrom gefasst und vergoldet 73 x 41,5 x 45 cm. Bildquelle: Belvedere Wien 2016

 

Johann Georg Pinsel Der Prophet Aaron, 1760/61 © Lviv National Art Gallery, Holz, polychrom gefasst H. 53,5 cm. Bildquelle: Belvedere Wien 2016

 

Johann Georg Pinsel Christus am Kreuz (Detail), wohl spätestens um 1758 Lemberg, © Lviv National Art Gallery, Holz, polychrom gefasst und vergoldet 222 x 160 x 38 cm. Bildquelle: Belvedere Wien 2016

 

Wahrscheinlich war Johann Georg Pinsel, wie sein Name erahnen lässt, deutscher Abstammung; er wurde vermutlich 1707 geboren und starb 1761 oder 1762. Der Künstler gilt als einer der bedeutendsten Barock-Bildhauer im Großraum Galizien, das zu seinen Lebzeiten zu Polen gehörte und heute Teil der Ukraine ist. Sein Schaffensschwerpunkt war im Wesentlichen die Stadt Lemberg und ihr Umland. Lemberg (Lviv) beherbergt heute das Johann-Georg-Pinsel-Museum für barocke Skulpturen.

 

Wenn auch viel Persönliches des Künstlers im Unklaren bleibt, so ist doch sein Œuvre vergleichsweise gut bekannt, wie die Wiener Kuratoren verlauten lassen.

     An der Seite des Lemberger Hofarchitekten Bernard Meretyn († 1759), einem Wegbereiter des polnischen Rokokos, stattete Pinsel vor allem Kirchen zwischen Lemberg und Butschatsch (poln. Buczacz) mit ausdrucksstarken Skulpturen aus Holz und Stein aus. Seine Mitarbeit an zahlreichen hölzernen Hochaltären ist belegt. 

     Mit seinen expressiven Bildwerken, die nachweislich in nur einem kurzen Zeitraum von gut einem Jahrzehnt entstanden sind, sollte er die Bildhauerei in der Region in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entscheidend prägen. Zu den herausragenden und bekannten Werken des Künstlers gehören unter anderen die hölzernen Plastiken und Altarfiguren „Samson im Kampf mit den Löwen“, die „Trauernde Muttergottes“ und „Christus am Kreuz“, deren Entstehung um das Jahr 1758 angenommen wird.

 

Die enorme Ausdruckstärke seiner Figuren beruht nicht allein auf deren Mimik und Gestik, sondern vor allem auch auf der oft ausufernden Gestaltung der Gewänder. Seine dramatische Formensprache machte Pinsel zur zentralen Figur der Lemberger Barockskulptur, die zwischen 1740 und 1790 ein bekanntlich ausgesprochen hohes künstlerisches Niveau und eine erstaunliche stilistische Geschlossenheit erreichte.

 

 

 

Johann Georg Pinsel Trauernde Muttergottes (Detail), wohl spätestens um 1758 © Lviv National Art Gallery, Holz, polychrom gefasst und vergoldet 185 x 110 x 67 cm.  Bildquelle: Belvedere Wien 2016

 

In den fünf Jahrzehnten der sowjetischen Herrschaft litt die Kirchenkunst in Osteuropa vielerorts schwer. Auch zahlreiche Werke von Johann Georg Pinsel wurden aus Sakralbauten entfernt, zerstört oder nicht dauerhaft sachgerecht behandelt. Daher gingen viele Schnitzarbeiten aus seiner Werkstatt verloren oder wurden irreparabel beschädigt. Gleichwohl gelang es, einige zu retten und rechtzeitig in museale Obhut zu geben.

 

Johann Georg Pinsel Anbetender Engel, wohl spätestens um 1758 © Lviv National Art Gallery, Holz, polychrom gefasst und vergoldet 150 x 85 x 80 cm, inkl. Sockel 230 x 85 x 80 cm. Bildquelle: Belvedere Wien 2016

 

Premiere Die Ausstellung des Belvedere ist eine Premiere in Österreich. Neben etwa zwanzig Exponaten des Bildhauers werden gleichzeitig auch Werke des führenden österreichischen Spätbarockmalers Franz Anton Maulbertsch (1724-1796) und des Barockmalers und Freskanten Paul Troger (1698-1762), der für seine Deckenfresken im Marmorsaal des Stifts Melk bekannt ist, aus dem Bestand des Belvedere gezeigt. In den Räumlichkeiten des Winterpalais bietet sich damit ein exquisites barockes Spektakel mit ungewöhnlich ausdrucksstarken Werken der Mal- und Schnitzkunst.
K2M

 

Im Winter 2012/2013 präsentiert der Louvre in Paris in Kooperation mit ukrainischen Institutionen eine Exposition zu Pinsel und seiner Kunst, die mit ihrem hochglänzenden Stil als seltene Ästhetik gefeiert wurde.

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Die Ausstellung „Himmlisch!“ kann bis zum 12. Februar 2017 besucht werden.
Winterpalais
Himmelpfortgasse 8
1010 Wien
Öffnungszeiten
tgl. 10 – 18 Uhr


 

 

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