rheinische ART
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rheinische ART 06/2020

BASSINS DE LUMIÈRE
Lichtspiele im U-Boot-Bunker


Die Kulisse ist morbide, um nicht zu sagen befremdlich und unheimlich. Ein schmutzig-grauer Gebäudeklotz aus Stahlbeton, Teil des berüchtigten Atlantikwalls, und jahrelanger Stützpunkt italienischer und deutscher U-Boote im Zweiten Weltkrieg.

 

Motiv projiziert und gespiegelt, aus der Schau „Gustav Klimt Von Gold und Farben“ unterlegt mit Wiener Musik. Foto © Culturespaces - Nuit de Chine; © akg-images; © akg-images/Erich Lessing; © Heritage Images/Fine Art Images/ akg-images

 

Derzeit ist dieses Relikt faschistischen Größenwahns und radikaler Machtausübung ein digitaler Kunstraum! Sein Inneres ist riesige Projektionsfläche und mehrdimensionale Erlebniswelt für Werke etwa der Maler Gustav Klimt und Paul Klee.

     Es dürfte nicht übertrieben sein, was die Initiatoren dieses Spektakels über dessen Stellenwert kundtun: Die „Bassins de lumières“ – so der Titel der Lichterschau – seien das derzeit weltweit größte digitale Kunstzentrum.

 

Gehsteige führen über die 16 Meter tiefen Bassins zu den 11.000 Quadratmeter umfassenden Projektionsflächen mit einem 360°-Blick. Foto © Culturespaces - Nuit de Chine; © akg-images; © akg-images/Erich Lessing; © Heritage Images/Fine Art Images/ akg-images

 

Veranstalter ist die französische Unternehmung „Culturespaces“. Sie ist berühmt für die bereits mehrfach von ihr in Museen und an Sehenswürdigkeiten Frankreichs in Szene gesetzten und höchst erfolgreichen digitalen Bilderschauen.

     Als gewaltiger Publikumsmagnet entwickelte sich zum Beispiel 2018 die Lichtschau in einer einstigen Gießerei in Paris, die über eine Million Zuschauer anzog (mehr).

 

Die aktuell gestartete Präsentation an den Wasserbecken des Bunkers, in dem einst marine Kriegswaffen dümpelten, repariert und bewaffnet wurden, sprengt alles Dagewesene. Mit 11.000 Quadratmetern Projektionsfläche sind die „Bassins de lumières“ etwa fünf Mal größer als jene der Pariser Schau.

     Das Einzigartige in den Bunkern von Bordeaux: alle projizierten Bilder spiegeln sich unverzerrt in den Wasserflächen. 

     Ob Klimts weltberühmtes Portrait „Die Frau in Gold“ oder Paul Klees Goldfisch-Variationen, sie erscheinen doppelt und bilden ein Seherlebnis der besonderen Art.

 

Das Jahr über präsentieren die Bassins de Lumières mehrere Programme gleichzeitig. Das visuelle und akustische Großerlebnis sorgt für nachhaltige Sinneseindrücke. Foto © Culturespaces - Nuit de Chine; © akg-images; © akg-images/Erich Lessing; © Heritage Images/Fine Art Images/ akg-images

 

Neben der Spiegelung ist ein weiterer optischer Effekt durch Vergrößerungen gegeben, wie Direktor Augustin de Cointet de Filain erklärt, und: „Die Schauen werden stark durch die geschichtsträchtigen Orte bestimmt.“

     Im Gegensatz zu Paris, wo wegen der beschränkten Räumlichkeiten mehr auf Gemäldedetails Wert gelegt werden müsse, ermögliche die gewaltige Fläche in Bordeaux eine spektakuläre Vergrößerung von Motiven, so wie sie bei Klimts berühmter Adele Bloch-Bauer erzielt werde.

     De Cointet de Filain betont ferner, dass man Inhalte vermitteln wolle und keinen Kitsch. Die Schaustellung der Klimt-Werke dauert rund 35 Minuten, die für Arbeiten von Paul Klee rund 10 Minuten.

     Dass zwischen beiden Bildserien eine U-Boot-Projektion eingefügt ist, erinnert den von Musik und Farben berauschten Besucher daran, wo er ist. Ein dezenter Wink in Richtung Vergangenheit?
rART


Bassins de Lumières
Base sous-marine de Bordeaux

Impasse Brown de Colstoun
33300 Bordeaux
www.bassins-lumieres.com
Öffnungszeiten
MO – SO 10 bis 19 Uhr

 

 

 

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