rheinische ART
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rheinische ART 07/2021

Archiv 2021

TRUSSARDI FOUNDATION
Die Berghütte ruft


Und der polnische Künstler Paweł Althamer (*1967) hat den Ruf vernommen. Im Oberengadiner Fextal hat er eine seiner Tableauxs geschaffen.

 

Die Berghütte für die Ausstellung der Stiftung Beatrice Trussardi im Val Fex, dem schönsten Tal im Oberengadin. Foto © Baetrice Trussardi Foundation 2021

 

Bautechnischer  Hintergrund seiner Installation: Eine auf rund 2000 Meter Höhe gelegene bescheidene Berghütte aus dem 17. Jahrhundert. Das rustikale Refugium ist Ort der Eröffnungsschau der neu gegründeten Stiftung Beatrice Trussardi. Die italienische Kulturunternehmerin ist zum einen dafür bekannt, an unerwarteten Lokalitäten zeitgenössische Kunst zu präsentieren. Zum anderen, weltweit wegweisende Forschungs- und Studienprojekte anzubieten.

 

Paweł Althamer im HAM Helsinki Art Museum Finland, 28. März 2019 Foto © CCBY-SA4.0 Wikipedia

 

Jetzt also eine Berghütte im Schweizer Kanton Graubünden, die nur zu Fuß oder mit einer Pferdekutsche erreichbar ist. Das garantiert zwar vermutlich eher geringe Besucherzahlen, dafür aber eine gute Publicity.

     Das Kunstwerk auf dem Berg des Warschauers Paweł Althamer, der jüngst auch die Helsinki Biennale bespielte, ist markant. Eine Installation, die sakrale Kunst mit volkstümlichen Einflüssen aus verschiedenen Kulturen kombiniert.

     Konkret steht im Mittelpunkt die Figur des heiligen Franziskus, der in einer symbolischen Geste ein Kardinalsgewand abstreift und eine Rückkehr zur Natur und Askese evoziert.


Derartige Gedankengänge haben auch andere Kreative geschätzt. So der Schweizer Architekt Peter Zumthor (*1943), der vor 15 Jahren in der Eifel dem Mystiker, Naturfreund, Bergbauern und Asketen Nikolaus von Flüe (1417–1487) eine Kapelle errichtete (mehr).

 

Nietzsche-Haus in Sils Maria. „Lieber alter Freund, nun bin ich wieder im Ober-Engadin, zum dritten Male, und wieder fühle ich, daß hier und nirgends anderswo meine rechte Heimat und Brutstätte ist.“ (Friedrich Nietzsche an Carl von Gersdorff, Sils-Maria, Ende Juni 1883) Foto © Nietzsche-Haus in Sils Maria 2021

 

Auch der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche wusste schon vor über 130 Jahren die Stille, Abgeschiedenheit und Heilkraft der Natur des Oberengadin zu nutzen. Auf seiner ewigen Suche nach Orten zur Genesung fand er im Engadin und im Fextal die Verbindung von „Spiritualismus und Materialismus“. Rund 600 Tage soll der Denker zwischen 1881 und 1888 in Nachbarort Sils Maria in einer damals bescheidenen Herberge einquartiert gewesen sein. „Mir ist es, als wäre ich im Lande der Verheißung… Hier will ich lange bleiben“ wird er zitiert. Zum Gedenken an den „Einsiedler von Sils“ wurde dort 1960 das Nietzsche-Haus als Gedenkstätte und Tagungsort eingerichtet.


Die Ausstellung der Stiftung Beatrice Trussardi mit der Installation von Pawel Althamer wird von Massimiliano Gioni geleitet und kann bis zum 29. August 2021 erwandert werden.

 

 

 

 

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