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rheinische ART 03/2017

Archiv 2017

FILM-KULTUR
8. Biennale in Mechelen


Zu allen ungeraden Jahren macht die alte flämische Kulturmetropole Mechelen von sich reden. Denn dann findet die Biennale für „bewegte Bilder“ statt. Bei der diesjährigen achten Auflage dreht sich alles um das Kernthema Gerechtigkeit.

 

Kulturfestival vor und in historischem Ambiente. Der Marktplatz mit Rathaus von Mechelen Foto © Contour Mechelen vzw 2017

 

Die Ausstellung „Contour Biennale 8" zeigt zeitgenössische Kunst vor dem Hintergrund der 400 Jahre alten Vergangenheit des „Großen Rats von Mechelen“, der einst das höchste Gericht Europas war. Das Movie-Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto „Polyphone Welten: Gerechtigkeit als Medium“ (Polyphonic Worlds: Justice as Medium).

 

Ana Torfs Anatomy. Gerichtsakten in der Anatomie? Filmstudie der flämischen Künstlerin Ana Torfs über die letzten Lebensstunden von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Ana Torfs Anatomy 2006, slide photograph, photo © Ana Torfs, Foto © Contour Mechelen 2017

 

20 Künstler aus aller Welt zeigen an sechs Orten der Stadt Film- und Videoarbeiten, Installationen oder Performences. Jede Arbeit beleuchtet das Thema Gerechtigkeit aus einem anderen Blickwinkel.

     Diese Vielfalt an Stimmen und bewegten Bildern bildet sowohl ein harmonisches Ganzes, gibt aber auch Anlass zu Diskussionen, wie die südasiatische Kuratorin Natasha Ginwala, die bereits an der Kasseler Documenta 14 mitwirkte, erklärt.


Mechelen war vor vier Jahrhunderten Sitz des allerersten europäischen Gerichts, das als der „Große Rat von Mechelen“ bezeichnet wurde – eine Art Europäischer Gerichtshof lange vor seiner Zeit. Von Mechelen aus wurde über ein Gebiet Recht gesprochen, das sich über Teile der heutigen Territorien von Belgien, Deutschland, der Niederlande, Frankreich und Luxemburg erstreckte. Für die Ausstellung „Contour Biennale 8“ hat Ginwala die Künstler gebeten, zu überlegen, inwiefern die abendländische Rechtsprechung uns und unsere Welt beeinflusst.

 

Ho Tzu Nyen No Man II Ein Geisterchor mit Figuren unbekannter Herkunft – ein Plädoyer von Kreaturen mit einer unsicheren Existenz. Arbeit von Ho Tzu Nyen (Singapur), No Man II, 2017, video still, CGI projection on double sided mirror, 360´, courtesy of the artist. Foto © Contour Mechelen 2017

 

Die Biennale fungiert seit ihrer Gründung im Jahr 2003 als Plattform für Kuratoren und Künstler, die sich auf verschiedene Formen des bewegten Bildes spezialisiert haben. Organisiert wird die turnusmäßige Veranstaltung von der Kunstorganisation Contour Mechelen. Sie hat zum Ziel, mit der Biennale auch einen Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und städtischer Architektur zu schaffen.

     Susanne M. Winterling (*1971) ist die deutsche Teilnehmerin an der Biennale, sie lebt und arbeitet in Oslo und Berlin. Den roten Faden in ihren Werken bilden Licht und Raum. Seit Jahren ist sie fasziniert von Biolumineszenz, also der Fähigkeit von Lebewesen, selbst Licht zu erzeugen. Ebenso wie konventionelle Künstler, die sich mit Farben und Lichteinfall befassen erschafft Winterling Fotos und Installationen, bei denen sie das mit Hilfe von Bakterien und anderen Organismen produzierte Licht zum Gegenstand ihrer Arbeit macht. Im Mittelpunkt ihrer Reflexionen stehen die Orte und Augenblicke, wo Natur, Kultur und Technologie sich vermischen. Ein Großteil ihrer Werke besteht aus nicht-medienspezifischen Installationen, die Fotografie, Film, Poesie, lebende Organismen und soziale Medien miteinander verbinden.

 

Kunst mit Biolumineszenz Susanne M. Winterling, Glistening troubles, 2017, CGI animation still, courtesy of the artist. Foto © Contour Mechelen 2017

 

Ein Rückblick auf den Biennale-Start 2003 macht deutlich, dass das Gründungsjahr ein durchaus interessantes Datum in der Stadtentwicklung Mechelens darstellt. Denn es lenkt den Blick auf ein anderes, auch kulturell beeinflusstes Phänomen, eine Art Zeitenwende in der heutigen belgischen Vorzeigestadt.

 

Pallavi Paul zeigt mit The Dreams of Cynthia das Leben von zwei Menschen, einem Künstler und einem Henker, in einem Dorf in Nordindien. Beide sind durch eine gemeinsame Geschichte, durch Arbeit, Gewalt und Tod, miteinander verflochten. Pallavi Paul The Dreams of Cynthia, 2017, video still 44´, courtesy of the artist and project 88. Foto © Contour Mechelen 2017

 

Noch vor rund 15 Jahren stand nämlich die etwa 85.000 Einwohner zählende Kommune nördlich von Brüssel in dem zweifelhaften Ruf, die schmutzigste und kriminellste Stadt in Flandern zu sein.

     Das „Schmuddelkind“ im belgischen Städteranking musste hohe Kriminalitätsraten melden, die Verwahrlosung der kulturhistorisch wahrlich bedeutenden „Perle Flanderns“ war auch beim besten Willen nicht zu übersehen. Vandalismus, Autodiebstähle, Einbrüche und andere Unappetitlichkeiten waren an der Tagesordnung.

     Dem damals neu gewählten und heute noch amtierenden Bürgermeister Bart Somers wie der kulturell stark gemischten Stadtbevölkerung - es leben fast 130 Nationalitäten in Mechelen - reichte es offenbar. Dem Verwaltungschef gelang, was sich viele andere Gemeinden wünschen: erfolgreiche Schritte zur Integration, Eindämmung des kriminellen Milieus sowie radikaler Ideen und Tendenzen.

     Gleichwohl wurde Vielfalt gefördert, Vertrauen und Bürgernähe geschaffen sowie Sicherheit und Lebensqualität gesteigert. Motor des Wandels war zum einen der konsequente Ausbau der städtischen Infrastruktur, ob mit Jugendclubs, Straßen- und Quartiersanierung oder Wohnungsbau; zum anderen die gesellschaftsübergreifenden und Identität stiftenden Kulturaktivitäten etwa im Sport, im Vereinsleben, aber eben auch in Form der stadtweiten Contour Biennale.
rART/cpw

 

Die teilnehmenden Künstler: Adelita Husni-Bey, Agentschap, Ana Torfs, Arvo Leo, Basir Mahmood, Beatriz Santiago Muñoz, Council (Grégory Castéra & Sandra Terdjman), Eric Baudelaire, Filipa César & Louis Henderson, Ho Tzu Nyen, Inhabitants (Mariana Silva & Pedro Neves Marques), Judy Radul, Karrabing Film Collective, Lawrence Abu Hamdan, Madonna Staunton, Otobong Nkanga, Pallavi Paul, Pedro Gómez-Egaña, Rana Hamadeh, Ritu Sarin and Tenzing Sonam, Rossella Biscotti, Susanne M. Winterling, Trevor Paglen und Trinh Thi Nguyen.

 

Die 8. Auflage der Contour Biennale endet am 21. Mai 2017.

Contour Mechelen vzw
Begijnenstraat 19-21 
2800 Mechelen / Belgien
Tel +32 (0) 15 33 08 01
Öffnungszeiten
MO, DI, DO, FR 9-17 Uhr
SA, SO 10-18 Uhr

 

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

(Foto: Ausschnitte

Öl auf Leinwand, 2017)

 

17.11.2017 - 13.01.2018

GALERIE VOSS

 


 

 

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