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rheinische ART 12/2013

Archiv 2013

VON CRANACH BIS GÉRICAULT - SAMMLUNG GIGOUX 

Europäische Kunstgeschichte in Bildern

 

Ausgefallene Motive, hochkarätige Künstler und eine Vorliebe für Licht, Farbe und das Fremdartige: Der französische Salonmaler Jean-François Gigoux trug im 19. Jahrhundert eine umfangreiche Kunstsammlung zusammen, die er dem Musée des Beaux-Arts in Besançon vermachte. Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum präsentiert die Highlights.

 

Jean GigouxDas Atelier des Künstlers 

 

Die Liste der Künstler ist lang, und sie liest sich wie ein Who is Who der Kunstgeschichte. Nur bei einem Namen möchte man fast nachfragen: Jean-François – wer? Gigoux? Noch immer prägen die Impressionisten unsere Vorstellung von der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts. Dabei galten Manet, Monet oder Pissarro in ihrer Zeit als Außenseiter im Pariser Kunstbetrieb. Die einst gefeierten Salonmaler hingegen sind heute fast in Vergessenheit geraten. So wie Gigoux.

   Zweiundzwanzigjährig kam er 1828 nach Paris. Vier Jahre später reichte er ein erstes Bild zur Teilnahme an der Salon-Ausstellung ein – erfolgreich. Damit hatte er eine wichtige Hürde in seinem Künstlerleben genommen, denn als anerkannt galt nur, wer im Pariser Salon, der jährlichen Kunstexposition, ausstellen durfte. Publikum, Kunstkritiker und zukünftige Käufer sahen in der Zulassung zum Salon, in Medaillen und Auszeichnungen, einen Beweis von Talent. Gigoux enttäuschte seine Anhänger nicht. 1835 schuf er mit seinem großformatigen Gemälde „Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“ ein „Meisterwerk der Romantik“.

 

Jean Gigoux, Les derniers moments de Léonard de Vinci, 1835


Die Medaille in der Kategorie Historienmalerei, die der Künstler dafür erhielt, verhalf ihm schon in jungen Jahren zu Ruhm und Anerkennung; das Geld aus dem Verkauf des Gemäldes an das Innenministerium sorgte für eine solide finanzielle Basis. Gigoux, der Sohn eines Hufschmieds aus Besançon, stieg dank seines Talents, einflussreicher Freunde und seiner exaltierten Persönlichkeit in höchste Pariser Kreise auf. Gräfin Evelina Hańska, die Witwe Balzacs, wurde seine Lebensgefährtin.

 

Léon BonnatPorträt Jean Gigoux 

     Als Maler und Grundstücksspekulant gelangte Gigoux zu einem beträchtlichen Vermögen. Das investierte er in eine Kunstsammlung, die 1894, als er 88-jährig starb, rund 460 Gemälde und 3.000 Zeichnungen umfassen sollte. Die Kennerschaft prägt eine Sammlung, so auch diese, und Gigoux war ein Meister seines Fachs. Zunächst trug der Künstler Zeichnungen und Gemälde zusammen, weil er sein Auge schulen wollte und Anregungen für seine künstlerische Tätigkeit suchte. Auf der Jagd nach Wertsteigerung oder dem schnellem Geld war er dabei nicht. Bald reifte in ihm die Idee, die Kunstwerke seiner Heimatstadt Besançon zu vermachen und diese Absicht ließ ihn seine Sammlung mit auch enzyklopädischem Anspruch erweitern. Tatsächlich hinterließ er mit seinem Konvolut eine kleine „Geschichte der Kunst“.


Blick in die Ausstellung Alle Exponate in Wuppertal stammen somit aus dem Musée des Beaux-Arts in Besançon, das als ältestes Museum Frankreichs gilt. Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt-Museums, wählte rund 100 Gemälde und 80 Zeichnungen für diese hochkarätige Präsentation aus. Viele Arbeiten dieser, man kann sagen, europäischen Werkschau, sind erstmals in Deutschland zu sehen. Bellini, Tizian und Giorgione sind ebenso vertreten wie Cranach, Rembrandt, Rubens, Van Dyck, Jordaens und Goya. Zeichnungen von Giovanni Battista Tiepolo und seines Sohns Giovanni Domenico bespielen einen eigenen Raum. Die französische Kunst wartet auf mit dem Sammler Gigoux selbst und den Gebrüdern Vouet, Charles Le Brun, Claude Lorrain, mit Jacques-Louis David, Ingres, Delacroix und dem jung verstorbenen Géricault.

 

Paul de VosZwei junge Seehunde am Ufer 


Gigoux hatte sich der Romantik verschrieben: Seine Vorliebe für Licht und Farbe zieht sich wie ein roter Faden durch die Sammlung und erklärt auch seine Passion für die venezianische Malerei: Von der Hand Giovanni Bellinis (um 1437-1516) stammt die „Die Trunkenheit des Noah“. Breitgelagerte Flächen, die rötlich-violetten Töne und der dickflüssige Farbauftrag charakterisieren das eindrucksvolle Spätwerk des venezianischen Malers. Direkt daneben platziert ist ein Porträt, das sein Schüler Tizian (1487(?)-1576) um 1514 von Pietro Bembo gemalt hat, dem großen Kunstsammler und Sprachvirtuosen der Renaissance. Auch Tintoretto (1518- 1594) ist mit dem „Porträt eines jungen Edelmannes“ vertreten. Es fällt auf, dass Gigoux zahlreiche Porträts zusammengetragen hat: Faszinierend ist das „Porträt des Architekten Jean-Baptiste Desdéban“, das Jean-Dominique Ingres (1780-1867) 1810 gemalt hat. Das frühe Werk des klassizistischen Malers zeigt noch nicht die lineare Charakteristik seines späteren Stils. Ingres baute das Bildnis ganz aus der Bandbreite bräunlich-roter Farbtöne heraus auf. Die Kunstsammlerin Jeanne Magnin beschrieb es gar als „Hauptstück der Sammlung“.

 

Lukas Cranach d.Ä., Selbstmord der Lukrezia

 

Jaques-Louis DavidPorträt Pierre Louis', des Priesters von der Marne 

Meisterwerke Aber damit würde man den anderen Meisterwerken nicht gerecht: „Adam und Eva“ zum Beispiel, die Lucas Cranach d.Ä. (um 1472-1553) beinahe lebensgroß und nackt dargestellt hat. Er und Dürer führten die ersten lebensgroßen Akte in die deutsche Malerei ein, die sie anstandshalber in biblische oder historische Kontexte einbanden und mit einem Schleier, einem Hauch von Nichts, bekleideten. Mehr noch: Ergreifend ist die psychologische Durchdringung der Gesichter von Adam, Eva und der gleichfalls nackten Lucretia an der Wand gegenüber.
      Der Maler im Sammler Gigoux hegte auch ein Interesse am Entstehungsprozess der Gemälde: Der „Kopf eines Greises“ von Van Dyck (1599-1641) diente diesem vermutlich als Studie für die Darstellungen des Hl. Petrus oder anderer Heiliger. Herausragend auch die verschiedenen Porträtstudien von Jacques-Louis David (1748-1825) für den „Ballhausschwur“. Dieses nie ausgeführte Gemälde sollte dem Schwur der französischen Nationalversammlung gewidmet sein, die sich bis zur Verabschiedung der Verfassung nicht auflösen wollte. In Davids Studien ergeben sichtbare Pinselstriche, die geröteten Wangen und weißen Tupfen, die die Tränenflüssigkeit erahnen lassen, ein fast naturalistisches Erscheinen der Porträtierten, das untypisch ist für den klassizistischen Maler, der Klarheit und formale Vollkommenheit anstrebte.
      Das Fremdartige und Düstere hat Gigoux an Goya (1746-1828) fasziniert. Goya hatte nicht nur eine offizielle, sondern auch eine satirische, abgründige Seite. Sie zeigt sich in seinen beiden bizarren Kannibalen-Darstellungen von 1800. Ob Goya damit die kriegerischen Auseinandersetzungen, die Gewalt der Menschen untereinander, anprangern wollte, sei dahingestellt. Unter den rund 100 Zeichnungen in der Ausstellung sind nicht nur alle großen Meister von der italienischen Renaissance bis hin zu Gigoux’ französischen Zeitgenossen vertreten, sondern auch alle wichtigen Kunstmetropolen Italiens.

 

Apropos Impressionisten Gigoux hat 1876 ein Buch mit dem Titel „Die Plaudereien über die Künstler meiner Zeit“ verfasst. Die Impressionisten erwähnte er mit keinem Wort. Wer sie trotzdem sehen möchte: sie sind ein Stockwerk tiefer, auch als Highlights, in der ständigen Sammlung des Hauses ausgestellt.
Marion Lisken-Pruss

 

Die Ausstellung „Von Cranach bis Géricault – Sammlung Gigoux“ ist bis zum 23. Februar 2014 zusehen.
Von der Heydt-Museum
Turmhof 8
42103 Wuppertal
Tel. 0202 / 563 62 31
Öffnungszeiten
DI - SO 11 - 18 Uhr
DO 11 - 20 Uhr

 

• Lesenswertes zum Thema französische Salonmalerei hier

 

 ©Fotos (6) Musée des Beaux-Arts in Besançon

 


 

 

 

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Öl auf Leinwand, 2017)

 

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