rheinische ART
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rheinische ART 10/2019

KALIFORNIEN
Der ewige Traum


Kalifornien, der US-Gliedstaat mit seiner bekannten Sonderrolle und speziell die Metropole San Francisco, galten und gelten als Sehnsuchtsorte. Besungen und verfilmt.

 

Ricardo Duffy Die neue Ordnung 1996 Siebdruck Los Angeles County Museum of Art © Ricardo Duffy, Foto: bpk / Los Angeles County Museum of Art / Art Resource, NY

 

"The Beach Boys" huldigten 1965 mit dem Ohrwurm „California Girls“ dem leichten Leben und den Schönheiten an den endlosen Stränden des Landes. Von kalifonischen Träumen sang 1966 die Pop-Band „The Mama´s and the Papa´s“, dafür erhielten sie einen Grammy Award. Und mit dem US-Thriller „Vertigo“ setzte Alfred Hitchcock, der dafür die Stars James Steward und Kim Novak verpflichtete, der Stadt schon 1958 ein filmisches Denkmal.

 

Gregory Kondos Das Weingut Rutherford 1989 Öl auf Leinwand Crocker Art Museum, Sacramento © Gregory Kondos, Foto: Crocker Art Museum

 

Theodore Wores Chinesisches Mädchen aus San Francisco Frühes 20. Jahrhundert, Öl auf Holz, California Historical Society, San Francisco © Courtesy California Historical Society

 

Die Bonner Bundeskunsthalle wirft derzeit mit „California Dreams. San Francisco - ein Porträt“ einen Blick auf die Region an der San Francisco Bay Area.

     Eine Agglomeration, von der immer wieder weltweite Impulse ausgingen: vom Goldrausch im 19. Jahrhundert bis zu den jüngsten, großen sozialen und politischen Strömungen im Rahmen der Friedensbewegungen.

     Heute bildet insbesondere das Silicon Valley im Süden der Bay mit seinen Start-ups und Technologieunternehmen einen erneuten globalen Anziehungspunkt. Und noch immer ermöglicht Kalifornien manchen Zeitgenossen „ein besseres Leben“, erfüllen sich dort die Träume von Wohlstand und Überfluss, ermöglicht es Karrieren vom Bodybildner bis zum Gouverneur. Vernichtet aber auch, wie in den letzten Monaten, in den exklusiven Wohnarealen der High Society Lebensentwürfe und Existenzen durch Feuer, Dürren und tektonische Erschütterungen.


Rein Wolfs, der Intendant der Bundeskunsthalle betont das Besondere an der Bonner Schau: „Die Bundeskunsthalle erzählt als erstes europäisches Ausstellungshaus die Geschichte und Gegenwart San Franciscos, die vor 1900 maßgeblich von deutschen Einwanderern mit geprägt wurde. Wir wollen aber nicht nur die bekannten Geschichten wie den Goldrausch oder Hippiebewegung wiederholen, sondern auch die Schattenseiten betrachten…“

     Zu sehen sind die negativen Aspekte am Beispiel des Genozids an der indigenen Bevölkerung im Zuge der europäischen Zuwanderung. Bis heute liefere Kalifornien dennoch, wie Wolfs betont, ein weltweit relevantes Beispiel zum Thema Migration.

     Diese differenzierte Sicht auf die Stadt macht die Schau nicht nur lehrreich, sonders spannend und ist, wie Wolfs klar macht „eine Liebeserklärung an diese innovative und mutige Stadt.“ Es ist eine Würdigung San Franciscos als einen Ort, dessen pluralistische Identität bis heute stetig neu verhandelt werde. In drei Abschnitten widmet sich die Ausstellung den Träumen und Realitäten der Menschen in und um San Francisco. 

 

Richard Misrach (*1949) Golden Gate Bridge, 2.27.99, 5:12 pm 1999 © Richard Misrach, courtesy Fraenkel Gallery, San Francisco

 

Unknown Ishi an der Universität (Berkeley) in einem ungestellten Schnappschuss, Herbst 1911 Fotografie © Phoebe A. Hearst Museum of Anthropology, Berkeley

 

Levi Strauss & Company Die 501 Jeans von Steve Jobs 1980er Jahre © Levi Strauss & Company Archives, San Francisco

 

 

Alec Soth Quick Fix Computer Sales & Services, Mountain View 2013 Inkjet print/Digitaldruck San Francisco Museum of Modern Art © Alec Soth, Foto: Don Ross

 

Thema 1 sind „Globale Träume und individuelle Hoffnungen“. Kalifornien war ursprünglich die Heimat von über 70 indigenen Völkern. Hunderttausende kamen auf der Suche nach einem besseren Leben, nach Reichtum oder neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten ins Land, und San Francisco wuchs in Rekordzeit zu einer Metropole heran.

     Europäer und Asiaten prägten das Bild der Stadt, deren kulturelle Vielfalt allerdings nicht über die ethnischen und sozialen Hierarchien hinwegtäuschen darf. Schon ab 1850 befanden sich 80 Prozent des Sach- und Grundbesitzes in San Francisco in der Hand von weniger als fünf Prozent seiner weißen Bevölkerung.


Thema 2 titelt „Überlebensträume und der amerikanische Mainstream“. San Francisco war zur führenden wirtschaftlichen und kulturellen Metropole an der US-Westküste geworden, als am 18. April 1906 eine der schlimmsten Naturkatastrophen über die Stadt hereinbrach: Ein Erdbeben zerstörte einen Großteil San Franciscos und machte Hunderttausende obdachlos. Der Zweite Weltkrieg markiert einen weiteren harten Einschnitt in der Stadthistorie. Die Internierung von etwa 120.000 Japanern und japanisch-stämmigen US-Bürgern – ein gerne vergessenes Kapitel – illustrierte aber nur allzu klar, dass das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ nicht allen gleichermaßen offenstand.


Thema 3 schließlich widmet sich den „Gegenkulturen und virtuellen Träumen“. Es ist ein Blick auf die politischen Bewegungen, alternativen Lebensweisen, künstlerischen Innovationen und nicht zuletzt technologischen Revolutionen, die in der San Francisco Bay Area ihren Ausgang nahmen und bis heute weltweit Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft haben.

     In den 1950er Jahren brachen die Künstler der Beat-Generation mit den bis dahin geltenden gesellschaftlichen Normen. Nach New York avancierte San Francisco zu ihrem kreativen Zentrum. Mit ihren Themen der sexuellen Befreiung, der Hinwendung zu fernöstlichen Religionen und ihrem experimentellen Drogenkonsum wurden sie zu Wegbereitern für die nachfolgenden Generationen.
K2M

 

Die Ausstellung „California Dreams. San Francisco - ein Porträt“ wird bis zum 12. Januar 2020 gezeigt.

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Tel. 0228 / 502010
Öffnungszeiten
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