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rheinische ART 12/2017

Archiv 2017

GRÖSSE UND WAHN
Der Vertrauensarchitekt

 

Der seltsame Titel stammt aus dem Vokabular der Nationalsozialisten. Sein Träger war der rheinische Baumeister Clemens Klotz.

 

Werbung für Urlaub 1939. Neben Kreuzfahrten auf eigenen Schiffen plante die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) eigene Seebäder, in denen "Volksgenossen" zwei Wochen im Jahr Urlaub machen sollten. Einer der Erbauer: der Kölner Clemens Klotz. © Exponat der Dauerausstellung „MACHTUrlaub“ des Dokumentationszentrums Prora.

 

Vor 80 Jahren legte der Architekt Planungen vor, die eine Umgestaltung seiner Geburtsstadt Köln vorsahen.

     Clemens Klotz (1886-1969) gehörte zu einer Reihe von NS-Architekten, die sich im Rahmen des „Gesetz über die Neugestaltung der deutschen Städte“, das am 4. Oktober 1937 von Adolf Hitler erlassen worden war, mit umfangreichen, regelrecht gigantischen Stadtveränderungen befasste.

 

Clemens Klotz Portraitfoto um 1940, vor einer Ansicht der Ordensburg Vogelsang in der Eifel. Fotoquelle LVR Portal Rheinische Geschichte. Foto © Hugo Erfurth (Galerie Berinson, Berlin / Ubu Gallery, New York)

 

Baubesprechung 1935 für Prora. Am Modell von links: Architekt Clemens Klotz, Adolf Hitler und Robert Ley. Foto © Bundesarchiv, Bild 183-2000-1031-503, Foto o.A., 1935

 

Der architektonische Chefdenker und Protagonist jener Jahre war Albert Speer (1905-1981), Favorit Hitlers und „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“. In seinen Planungsstäben arbeiteten neben hochrangigen Architekten wie Clemens Klotz, Konstanty Gutschow, Hermann Giesler oder Roderich Fick Tausende von Bauplanern, Ingenieuren, Techniker oder auch Bildhauern.

     Das Monumentale war für fast alle von ihnen ein grundlegendes Gestaltungsprinzip, galt es doch als kraftvoller, steingewordener Ausdruck der nationalsozialistischen Weltanschauung.

     Clemens Klotz hatte den Ruf, dass er überdimensionales Bauen nicht nur auf dem Reißbrett wie kaum ein Zweiter beherrschte. Daher war sein Name, wie kann es anders sein, für viele auch Programm. Er hatte dies mit zwei NS-Prestigeprojekten - die bis heute Schlagzeilen machen - unter Beweis gestellt: der nationalsozialistischen Ordensburg Vogelsang in der Eifel und dem gigantischen KdF-Freizeitkomplex Prora auf der Insel Rügen. 

 

Karriere Wie war es zu dieser Karriere gekommen? Der junge Klotz lernte zunächst bei den Domstadt-Baumeistern Heinrich Band und Carl Moritz. Als Zwanzigjähriger setzte er die Ausbildung in Dresden bei Lossow & Kühne fort, wo er vier Jahre blieb. Ab 1910 war er wieder in Köln ansässig und gründete mit einem Kollegen das Architekturbüro Klotz & Reuß.

     Der Kölner Buchhändlersohn konzentrierte sich überwiegend auf Bauobjekte in der Kölner Neustadt. Er realisierte bis in die 1920er-Jahre Büro- und Geschäftsgebäude, Mietshäuser, mehrere Villen und hochherrschaftliche Häuser, etwa in den Vierteln Bayenthal und Marienburg.

     Der örtliche Bildhauer Willy Meller schuf für einige dieser Immobilien Skulpturen (mehr). Klotz war zu diesem Zeitpunkt Anfang Vierzig und stand im Zenit seines Schaffens. Er war bekannt als Architekt, der regionale Bautradition pflegte aber auch neue Stilvarianten vertrat. Denn als charakteristisch galt Klotz´ Bestreben, moderne, zweckmäßige Architektur mit traditionellen Bauformen zu verbinden. Als eigenständiger Architekt lehnte er 1930 eine imageträchtige Berufung zum Direktor an die Staatliche Hochschule für Baukunst in Weimar ab.

 

NS-Zeit Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich seine Einstellung. Vermutlich waren es regionale Beziehungen und die persönliche Bekanntschaft mit Robert Ley, dem Ordensburg-Initiator und "Reichsarbeitsführer", gebürtig aus dem Oberbergischen östlich von Köln, die Klotz den Weg in eine NS-Karriere ebneten. 1933 trat er der NSDAP bei, wurde „Architekt der Reichsleitung für die Errichtung der Schulungsbauten der NSDAP und der DAF“ (Deutsche Arbeitsfront). 1936 ernannte ihn Hitler zum Professor, ein Jahr später wurde Klotz Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste.

 

Ordensburg Vogelsang, Schulungsstätte der NSDAP, Aufmarsch um 1936. Foto © Bundesarchiv, Bild 146-1985-108-16A

 

Weltausstellung Paris 1937: Der "Deutsche Pavillon" (links) von Albert Speer war eine "...in schwere Pfeiler gegliederte kubische Masse" (Speer) und eine massive Machtdemonstration. Foto © Album officiel: Exposition internationale des Arts et des techniques appliqués à la vie moderne - Paris 1937 - "La Photolith", Paris - RCS Paris 354.012

 

Ordensburg Vogelsang Die von Klotz geplante NS-Schulungsstätte wurde 1936 fertiggestellt. Es war eine jener Kaderschmieden, die für den NS-Nachwuchs sorgte. Nach 1945 wurde die Anlage jahrzehntelang von alliierten Militärs genutzt und erfuhr erst vor einigen Jahren durch „Konversion“ - also die Umstellung von einer militärischen in eine zivile Nutzung - eine neue Funktion als Tagungs- und Begegnungsstätte (mehr).

 

Seebad Prora Die aktuelle und medienwirksame Vermarktung des ehemaligen „Kraft-durch-Freude“- Ostseebades auf Rügen, heute als Seebad Prora bezeichnet, rückt den zweiten Monumentalbau in den Fokus. Der Entwurf der kolossalen KdF-Freizeitfabrik brachte Klotz 1937 auf der Pariser Weltausstellung die Auszeichnung „Grand prix d´Architecture“ ein. Dabei mag eine Rolle gespielt haben, dass der Entwurf nicht der klassischen Nazi-Architektur entsprach, sondern Anleihen an die Moderne erkennen ließ. Im Übrigen wurde auch der Deutsche Pavillon auf dieser Weltschau, ein von Speer entworfenes Schaufenster des aufstrebenden „Dritten Reichs“, gewürdigt und von den Juroren mit einem Grand-Prix bedacht.

 

Bau-Gigantismus unter dem Hakenkreuz. Zeichnung der Prora-Promenade am KdF-Seebad Rügen. Im Rahmen der ideologisch und propagandistisch geprägten NS-Sozialpolitik sollten Projekte der Organisation KdF („Kraft durch Freude“) den Lebensstandard der Bevölkerung durch preisgünstigen Urlaub heben. Foto Der Aufbau, Heft 1937

 

Von allen Großbauten, die Klotz aufs Papier brachte, war das Seebad Prora der gewaltigste, ein 4,5 Kilometer langer Größenwahn. Der Spatenstich erfolgte 1937, aber 1942 mussten kriegsbedingt die Arbeiten eingestellt werden. Fertiggestellt wurde die Anlage nie. Der uniforme Wohnkomplex gilt als größte architektonische Hinterlassenschaft der NS-Zeit in Deutschland. Der Baukörper besteht aus acht baugleichen Häuserblocks, ausgelegt für Ferienaufenthalte von bis zu 20.000 Menschen. Es war damals das weltweit größte geplante Hotel; heute steht es hinsichtlich der äußeren Erscheinung unter Denkmalschutz.

 

Köln Nie verwirklicht wurden Klotz´ Entwürfe für die architektonische Neugestaltung von Köln. Der Rheinländer lehnte sich im Wesentlichen an die utopischen Stadtumbaupläne von Speer für Berlin an. Klotz forderte eine so gut wie komplette Beseitigung der Bebauung in den rechtsrheinischen Stadtteilen Deutz und Kalk. Dafür sollte unter dem Titel „Gauforum“ ein monumentales Politik- und Kulturzentrum im Stil des Neoklassizismus entstehen, zur Rheinfront hin mit einem Aufmarschplatz und einer Freitreppe.

 

Modell Kölns von 1939, das einen Teil der umfassenden Neubauplanungen von Clemens Klotz für die "Metropole des Westens" zeigt. Vor allem sollte im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz das "Gauforum" mit Aufmarschplatz und Versammlungshalle als neues Stadtzentrum entstehen. Der Bahnhof am Dom sollte an das „Gauforum“ verlegt werden. Foto Auszug © Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Dies entsprach den weltanschaulichen NS-Umbaukonzepten für 17 weitere deutsche Städte, die den Status einer „Gauhauptstadt“ erhielten. Sie alle sollten verkehrsgerecht und mit Monumentalbauten umgestaltet werden. Das „Gauforum“ als neuer urbaner Kern war eine Art stilistischer Baumix aus Gebäuden der Moderne wie auch aus traditionellen Architektur-Ensemblen. Erschlossen werden sollten die gewaltigen Flächen durch ein Achsenkreuz als Verkehrsknotenpunkt, Paradeplätzen, Partei- und Staatgebäuden, bestehend aus Versammlungshalle und Theater.

     Die Projekte erforderten in allen Fällen riesige urbane Gebiete, die durch radikale Abrisse geschaffen werden sollten. Ähnliche „weltanschauliche Überformungen“ waren im Rheinland für Düsseldorf, Wuppertal und Trier vorgesehen.

 

Clemens Klotz war in etablierten Architektenkreisen umstritten. Er galt als „Außenseiter und Emporkömmling“ - als ein Mann, dessen Karriere den Kontakten zu Nazi-Größen wie Ley und Speer zugeschrieben wurde und nicht seinen fachlichen Qualifikationen. Wie Ley verlor auch Klotz mit Kriegsbeginn an Einfluss. Ab 1945 konnte er in Westdeutschland, im Gegensatz zu anderen Architekten der NS-Zeit, Bildhauern oder Künstlern, nicht an seine exponierte Rolle während der NS-Jahre anknüpfen. Ein Gebäude am Kölner Neumarkt von 1952 ist eine seiner wenigen Arbeiten nach Kriegsende.
cpw

 

 

 

                     

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