rheinische ART
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rheinische ART 06/2011

 

Archiv 2011: aus "Kunst erleben"

Blick aus der Ausstellung in den von vielen Besuchern genutzten Park des Hauses.

Das Bild ist von Francesco Furini (Umkreis), Florenz um 1600 - 1646 und zeigt die Heilige Katharina als Halbfigur

 

Ein ungewöhnliches Ausstellungsprojekt

 

  

Alte Meister und die Gegenwart

 

 

 

 

Wer weiß schon, dass das Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg, bekannt für Skulpturen und Moderne Kunst, eine  außerordentliche Sammlung von Alten Meistern besitzt? Die Werke scheinen erst einmal nicht in das Konzept des Hauses zu passen, aber ihre Erlesenheit und die ihnen entgegengebrachte Bewunderung veranlasste die Museumsleitung nun, sie der Öffentlichkeit in einem übergreifenden Ausstellungsprojekt zu präsentieren: Die Alten Meister wie Tintoretto und Jacob Ruisdael finden sich gegenübergestellt den Skizzen Lehmbrucks, die er während einer Italienreise zu Beginn des 20. Jahrhundert fertigte und dem Zeitgenössischen mit Werken des Belgiers Fabrice Samyn.

 

 

SO HÄNGT die Gegenwart neben venezianischen und oberitalienischen Meistern der Spätrenaissance, neben flämischen und niederländischen Malern des 17. Jahrhunderts. Es ist nicht das erste Mal, dass die Alten Meister in Duisburg gezeigt werden. Sie stammen aus zwei Stiftungen, die bereits vor etlichen Jahrzehnten den Bestand des Museums bereicherten. Stifter sind Johann Wilhelm Welker (1870 – 1962) und Wilhelm Houben (1919 – 1991). Es sind zwei Sammlungen hoher Qualität, die insgesamt Gemälde aus drei Jahrhunderten umfassen.

Raimund Stecker neben dem Bild "Apoll und Daphne", 17./frühes 18. Jahrhundert nach Peter Paul Rubens

Raimund Stecker, seit einem Jahr Direktor des Museums, hatte sich aufgemacht und die vielfach in andere Häuser ausgeliehenen Werke zurückgeholt. Die aktuelle Ausstellung ist sicherlich auch eine Einladung an die Duisburger, teilzuhaben an einem spannenden Projekt.

   Viele der Werke müssen gereinigt werden und bei manchen ist die gebotene kunsthistorische Vorsicht bezüglich der Provenienz in Gewissheit zu überführen. Die letzte wissenschaftliche und kunsthistorische Bewertung liegt mehr als 20 Jahre zurück, und die Wissenschaft kennt heute ganz andere Methoden der Analyse als vor zwei Jahrzehnten. Mit diesen geplanten Untersuchungen will Stecker so manche Beschriftung an den Gemälden, wozu ihn der derzeitige Wissensstand zwingt, ändern können: will heißen, aus einem „nach Peter Paul Rubens“ soll „Peter Paul Rubens“ und aus einem „nach van Dyck“ ein „van Dyck“ werden. Stecker ist voller Zuversicht, dass hier mehr als eine positive Überraschung zu erwarten ist.

 

Oberitalienisch, Der Bethlehemitische Kindermord, um 1530, Öl auf Leinwand

 

„Es ist, glaube ich, der richtige Zeitpunkt, in Duisburg an eine ehedem blühende bürgerliche Tradition zu erinnern, um die vorhandene zu erneuern“, kommentiert Stecker das Projekt. Was er meint ist nichts anderes als eine gewünschte Wiederbelebung des Stiftergedankens, der auch in Duisburg existiert und wovon die beiden Sammlungen bered Zeugnis ablegen:

 

Sammlung Houben
1992 folgte die Witwe Anne Houben dem Wunsch ihres verstorbenen Gatten und schenkte dessen Sammlung italienischer Renaissance-Malerei dem Museum Lehmbruck. Wilhelm Houben, geboren in Duisburg, verstarb in England. Die Bilder hatte Houben, selber Kunsthistoriker und im Laufe seines Lebens in unterschiedlichen Museen tätig, zwischen 1955 und 1970 bei Auktionen in London gekauft. Die Sammlung Houben ist die eines Kunsthistorikers, der sich durch Lektüre, Museumsbesuche und Italienreisen intensiv mit den Werken seiner Sammlung (44 Gemälde und elf Zeichnungen) befasste und seine diesbezüglichen (Er)kenntnisse schriftlich niederlegte.

 Sammlung Welker
Die Privatsammlung von Johann Wilhelm Welker, dem ehemaligen Generaldirektor der Firma Haniel, wurde von ihm aus Liebe und Bewunderung für die Kunst in den 1920er Jahren selbst zusammengetragen. Die 19 Gemälde umfassende Stiftung besteht ausschließlich aus Werken deutscher und niederländischer bzw. flämischer Meister, die den Zeitraum von 300 Jahren umfassen. Portraits, religiöse Themen, Landschaften, Stilleben, Genre- und allegorische Darstellungen sind vertreten.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Alte Meister - Sammlung ist voraussichtlich bis September 2011 zu sehen.

Wilhelm LehmbruckMuseum
Friedrich-Wilhelm-Straße 40
47051 Duisburg
Tel. 0203 / 283 3294

Öffnungszeiten
SO 11 – 19 Uhr
MI + FR + SA 12 – 19 Uhr
DO 12 – 21 Uhr

 

Kurator der Ausstellung ist Michael Krajewski.

 

 

© Bilder: (1) LehmbruckMuseum, (2) rArt

 

 

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