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rheinische ART 09/2018

INDUSTRIE-FOTOGRAFIE
Zwischen Hochfakeln und Destillationskolonnen

 

Das Großunternehmen Ruhrchemie AG repräsentierte seit Anfang des 20. Jahrhunderts einen jener gewaltigen Industriekomplexe, deren verwirrende wie faszinierende Apparaturen, Anlagetechnik und beeindruckende Werksarchitektur Fotografen aller Generationen in den Bann zog.

 

Carl August Stachelscheid Oxo-Technikum, Ruhrchemie AG, um 1968, Foto © LVR-Industriemuseum

 

Wie zahlreiche Wirtschaftsriesen in Deutschland unterhielt auch die Oberhausener Ruhrchemie AG ein umfangreiches Fotoarchiv. Aus diesem Fundus speist sich derzeit eine interessante Doppelausstellung mit Motiven aus der Chemieindustrie. „Stoffwechsel“ titeln die Schauen, die gemeinsam in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen und im LVR-Industriemuseum im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen zu sehen sind.

 

Rudolf Holtappel Destillationskolonnen, 1971 Foto © LVR-Industriemuseum

 

Archiv Seit der Gründung der Ruhrchemie AG 1928 im Oberhausener Stadtteil Holten haben zahlreiche Lichtbildner – ob Laien und Profis, mit und ohne Auftrag und künstlerisch, sozialkritisch oder technisch-sachlich orientiert – die Werksanlagen, die dort arbeitenden Menschen und das Produktspektrum abgelichtet.

     Ihre Fotoarbeiten bilden einen sehr speziellen chemie-industriellen Bildbestand. Die vom Charakter her meist  dokumentarischen Fotografien wurden von Betriebsräten und Werksleitungen der Nachfolgeunternehmen der Ruhrchemie AG in die Sammlung des Industriemuseums des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) eingebracht.

 

Fotografen Vertreten sind renommierte und namhafte Fotografen wie Albert Renger-Patzsch, Robert Häusser, der Kölner Karl Hugo Schmölz (1917-1986), der Presse- und Werbefotograf Carl August Stachelscheid (1919-1990) oder der Fotograf und Steinert-Kollege Ludwig Windstosser (1921-1983).

 

Albert Renger-Patzsch Gesamtansicht, Ruhrchemie AG, um 1938, Foto © LVR-Industriemuseum

 

Motivwahl Besonderes Augenmerk gilt im Rahmen der Präsentation dabei dem Foto-Spezialisten der „Neuen Sachlichkeit“, Albert Renger-Patzsch (1897-1966). Bilddokumente, die er 1938 – dem Jahr der Einführung bahnbrechender neuer chemischer Verfahren in der Ruhrchemie AG – gefertigt hatte, werden im Rahmen der Ausstellung im Peter-Behrens-Bau erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Besondere an der Fotografie von Renger-Patzsch ist der unverstellte Blick auf die Chemieindustrie, der in seiner Gradlinigkeit von hoher künstlerischer Aussagekraft ist.

     Im Gegensatz zu Renger-Patzsch thematisierte der gebürtige Stuttgarter Robert Häusser (1924-2013) den arbeitenden Menschen an den Maschinen und rückte ihn in den Mittelpunkt seiner Beobachtungen. Häussers Ruhrchemie-Fotos stehen damit in einem anregenden Kontrast zu den menschenleeren Aufnahmen von Renger-Patzsch.

 

Robert Häusser Blick durch das Schauglas eines Oxo-Laborreaktors, Ruhrchemie AG, 1980er Jahre, © LVR-Industriemuseum

 

Neben den Arbeiten dieser beiden prominenten Fotografen sind Bilder weniger oder kaum bekannter Dokumentare in der Ausstellung zu sehen, die die Unternehmenshistorie der Ruhrchemie AG und ihrer Produktionsstätten zeigen.

     Die Doppelschau spiegelt die enorme Bandbreite an Motiven aus diesem spezifischen und prosperierenden Wirtschaftszweig und vermittelt gleichzeitig die strukturellen Wandlungen und Verschiebungen, die der Oberhausener Chemiestandort in neun Jahrzehnten durchlaufen hat.

     Die Werksarchitekturen und die Industrielandschaften im Umfeld gehören dabei ebenso zu den Bildinhalten, wie auch die Mitarbeiter des Werkes bei der Arbeit oder bei sozialen Aktivitäten. Einige der ausgestellten Fotografien wurden zudem in Werkszeitschriften und anderen Veröffentlichungen abgedruckt, wie eine Auswahl an Exponaten verdeutlicht. Damit wird erkennbar, in welchem vielfältigen Verwendungszusammenhang die Fotografien genutzt wurden. Insofern ist in der Ausstellung „Stoffwechsel“ neben der Firmengeschichte vor allem auch der Wandel des fotografischen Blicks nachvollziehbar.
rART

 

Vorläufer des Unternehmens war die 1927 aus Kohlebetrieben gegründete Kohlechemie AG, die 1928 in Ruhrchemie AG umbenannt wurde. Am Standort Oberhausen-Holten produzierte das Unternehmen zunächst Düngemittel. Ab 1936 ging eine nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren arbeitende Anlage zur Herstellung von flüssigen Kohlenwasserstoffen in Betrieb. 1938 ließ der Chemiker Otto Roelen die Oxo-Synthese von Aldehyden patentieren, die unter anderem zur Herstellung von Polyolen, Carbonsäuren, Estern und Lösemitteln diente und den Grundstein für die metallorganische Großchemie legte. Das Unternehmen ist seit 2007 Teil der Oxea GmbH.


Die Ausstellung „Stoffwechsel – Die Ruhrchemie in der Fotografie“ wird an beiden Präsentationsstandorten unterschiedlich lange gezeigt.

 

Bis zum 17. März 2019
Peter-Behrens-Bau
des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR)

Essener Straße 80, 4
6047 Oberhausen
Tel 02234 – 9921 555
Öffnungszeiten
Di–Fr 10–17 Uhr
Sa und So 11–18 Uhr

 

Bis zum 24. Februar 2018
LUDWIGGALERIE
Schloss Oberhausen

Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen
Tel 0208 – 412 4928
Öffnungszeiten: Di–So 11–18 Uhr

 

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