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rheinische ART 12/2011

 

Archiv 2011: aus "Kultur-Orte"

Ein Kunstort mitten in der Stadt: Das Haus der Jugend in Wuppertal-Barmen

 

Die Von der Heydt-Kunsthalle

 

Ein Bild aus der Sammlung des Von der Heydt-Museums, das eng mit der Kunsthalle in Verbindung gebracht wird, ist das „Mädchen mit Pfingstrosen“ (1909) von Alexej Jawlensky. Die Maler Adolf Erbslöh, der mit Jawlensky befreundet war, und Wladimir Bechtejeff schenkten es 1910 dem Barmer Kunstverein

 

 

 

Der Bau der ursprünglich als Ruhmeshalle konzipierten Kunsthalle in Barmen begann im Jahre 1897. Der im Stil der Neorenaissance angelegte Prachtbau wurde „zur Ehre und zum Ruhm des Volkes“ am ehemaligen Carlsplatz, dem heute mitten im Zentrum gelegenen Geschwister-Scholl-Platz, für Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich III. errichtet.

 

 

DEM BARMER Kunstverein kam bei diesem Bau eine tragende Rolle zu. Bereits 1866 gegründet hegten die Vereinsmitglieder den Wunsch, einen neuen Präsentationsort für große Ausstellungen zu schaffen, da die für Kunstschauen bisher genutzten Räume der Gesellschaft Concordia nicht mehr zur Verfügung standen. Die Idee einer neuen Kunsthalle fand viele Anhänger. 1886 errichtete man dafür zunächst einen Kunsthallenfonds für die Finanzierung der neuen Räume.

    Im Dreikaiserjahr 1888 wurde beschlossen, mit der Planung einer Ruhmeshalle zu beginnen, wobei die Stadt Barmen das Grundstück zur Verfügung stellte.
    Bei dem Architekten-Wettbewerb im Jahre 1895, welcher durch den Denkmalausschuss bestimmt und bei dem 58 Entwürfe von Architekten eingereicht wurden, ging der Leiter der damaligen Kunstgewerbeschule, Erdmann Hartig, als Sieger hervor. Nach dreijähriger Bauzeit fand im Jahre 1900 die Weihe des imposanten Gebäudes mit einer feierlichen Eröffnung und in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. statt.
   Der neue Bau präsentierte sich mit einer von einem Säulen-Portikus bestimmten Eingangsfront, hinter der sich eine Halle mit weiteren Säulen und einer prachtvollen Kuppel öffnete. Der Innenraum verfügte über mehrere Räumlichkeiten, in denen sich die Statuen der Kaiser, eine eigene Stadtbibliothek und im Obergeschoss die Kunsthalle des Kunstvereins befanden.

 

In Anwesenheit des Kaisers Wilhelm I. wurde die Barmer Ruhmeshalle 1900 eingeweiht. Im Obergeschoss war die Kunsthalle untergebracht

 

Die Ruhmeshalle mit der Kunsthalle Barmen entwickelte sich zu einem weit über die Stadt hinaus bekannten, prominenten Ort für Kunstausstellungen

 

Die zahlreichen Zerstörungen brachten für das Haus vielfache bauliche Veränderungen. Die imposante Kuppel, ein im bergischen Land weithin sichtbares Zeichen, wurde nicht wieder aufgebaut. Dem Haus wurde aber seine würdevolle Erscheinung belassen. Die Fassade legt beredt Zeugnis einer prachtvollen Vergangenheit ab

 

Kunstgeschichtliche Bedeutung

 

Eine entscheidende Rolle für die geschichtliche wie kunstgeschichtliche Entwicklung und Bedeutung der Kunsthalle spielte der Kurator der Kunsthalle, Richart Reiche. Dem 31-jährigen Kunsthistoriker und gebürtigen Barmer ist es zu verdanken, dass ca. 300 Gemälde der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst ausgestellt wurden. Unter Reiche wurde die Barmer Kunsthalle zum Zentrum expressionistischer Kunst. 1910 wurde diese Kunstrichtung durch die Ausstellung „Neue Künstlervereinigung München (NKVM)“ dem Barmer Publikum vorgestellt. Bis 1914 folgten weitere Schauen der Expressionisten. Dabei sah man Arbeiten von heute so bedeutenden Künstlern wie Alexej Jawlensky, Emil Nolde, Wassily Kandinsky und Kurt Schwitters.
   Doch Reiche hatte einen schweren Stand. Aufgrund der vom Publikum als ungewohnt empfundenen „Farbexplosionen“, die in den expressionistischen Werken erkennbar waren, erfuhren er, die Kunsthalle und die Werke selbst heftige Proteste von Seiten der Öffentlichkeit. Verteidigt wurden Reiche und seine Ausstellungen allerdings durch August von der Heydt.

 

Wechselvolle Geschichte

 

Während des Nationalsozialismus wurden viele der Werke als „entartete Kunst“ bezeichnet und beschlagnahmt. Einige konnten jedoch in private Wohnungen oder bei den jeweiligen Stiftern versteckt werden. Bei einem Brand durch einen Bombenangriff im Jahre 1943 wurde das Gebäude erheblich beschädigt und die Kuppel zerstört. Etliche Bilder im Haus vielen ebenfalls unwiederbringlich den Flammen zum Opfer. Alles übrig Gebliebene ging an den Barmer Kunst- und dem Elberfelder Museumsverein.
   Ein Jahrzehnt später befasste man sich mit der Idee eines Wiederaufbaus, doch erst im Jahre 1958 begann man mit der Restaurierung des Gebäudes. Während der Sanierung wurden viele Änderungen an der Gebäudestruktur vorgenommen: Der Grundriss wurde abgewandelt, die Kuppel und die Säulenhalle wurden nicht wieder aufgebaut.
   1985 stellte man den heute als „Haus der Jugend“ bekannten Bau unter Denkmalschutz und unternahm im Laufe der Jahrzehnte mehrere notwendige Modernisierungsmaßnahmen. Bei der jüngst erfolgten Instandsetzung setzte man neue Lichtdecken ein, begradigte die Decken, trug eine neue Wandfarbe auf und verlegte einen neuen Boden.
   Die Arbeiten wurden im Februar 2011 beendet und die Von der Heydt-Kunsthalle Wuppertal-Barmen im Mai 2011 während der Street Art Ausstellung (mehr) durch den Direktor des Von der Heydt-Museums, Dr. Gerhard Finck, wieder eröffnet. Die neue „alte“ Kunsthalle mit ihren Ausstellungsräumen im Obergeschoss soll sich in der Zukunft als Ort für aktuellste zeitgenössische Kunst etablieren und steht als „Haus der Jugend“ insbesondere jungen Menschen zur Verfügung.
ruwoi

 

Von der Heydt-Kunsthalle
Haus der Jugend Barmen
Geschwister-Scholl-Platz 4-6
42275 Wuppertal

 

Öffnungszeiten
DI-SO 11-18 Uhr
MO geschlossen

 

Text und Fotos: Von der Heydt-Kunsthalle Barmen

 

 

 

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