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rheinische ART 10/2015

Archiv 2015

KUNST UND TECHNIK

Abgehoben

 

Wie kamen eigentlich die US-Pop-Künstler Warhol, Rauschenberg & Co. 1969 auf den Mond? Und warum? Das ging maßgeblich nicht mit der staatlichen Raumfahrtbehörde NASA, sondern seinerzeit nur mit dem Know How und den Verbindungen über EAT.

 

Experiments in Art and Technology (E.A.T.) Pepsi Pavillon, Expo 1970, Osaka, Japan. Außenansicht mit Nebelinstallation von Fujiko Nakaya und Floats von Robert Breer © J. Paul Getty Trust. Getty Research Institute, Los Angeles (2014.R.20) Foto: Shunk-Kender

 

Hinter dem fast unbekannten Akronym E.A.T., das für Experiments in Art and Technology stand, verbarg sich ein einzigartiger, mehr oder weniger loser Verbund von Ingenieuren verschiedener Disziplinen und Künstlern. Ihre zahlreichen Kunstprojekte, verortet zwischen New York und Osaka, waren in den 1960er- und 70er-Jahren von völlig neuen Ideen geprägt und beeinflussten die Kunstentwicklung nachhaltig.

 

Robert Rauschenberg Revolver IV, 1965 Siebdruck auf fünf rotierenden Acryl-Glasscheiben, Metallsockel, elektrischer Motor, Kontrollbox. Ausstellungsansicht E.A.T.–Experiments in Art and Technology, Museum der Moderne Salzburg, 2015. Robert Rauschenberg Foundation © Untitled Press inc./ Bildrecht, Wien, 2015, Foto: Rainer Iglar

 

Das Museum der Moderne am Mönchsberg in Salzburg präsentiert als internationale Premiere eine umfangreiche Schau zu den bahnbrechenden EAT-Projekten.

     Alles begann mit einer ungewöhnlichen Kooperation. Künstler wie Robert Rauschenberg (1925-2008) und Robert Whitman (*1935) schlossen sich mit dem gebürtigen Monegassen Billy Klüver (1927-2004), einem visionären Wissenschaftler und Ingenieur der Bell Telephone Laboratories in Murray Hill/New Jersey, sowie dessen Kollegen Fred Waldhauer (1927-1993) zu der legendären EAT-Initiative zusammen, um in einer vorher nie dagewesenen Form hochkarätige Kunst zu realisieren.


Interdisziplinär
Die Verflechtung von Kunst und Technik verfolgte das grundsätzliche Ziel, Kunstwerke zu schaffen, in denen die neuesten technischen Entwicklungen jener Jahre zum Einsatz kamen. 1967 schrieben Klüver und Rauschenberg hierzu: „EAT gründet auf dem festen Glauben, dass eine von der Industrie geförderte effektive Arbeitsbeziehung zwischen Künstlern und Ingenieuren zu neuen Möglichkeiten führen wird, die der Gesellschaft als ganzer zugute kommen werden.“

 

Jean Tinguely Homage to New York, 1960 (Hommage an New York) Kinetische Skulptur (verschiedene Materialien) und Performance The Museum of Modern Art, New York, US, Skulpturengarten, 17. März 1960 © Estate of David Gahr Foto: David Gahr

 

Andy Warhol Silver Clouds, 1966 (Silberwolken) Ingenieur: Billy Klüver
Polyethylen, Helium. Ausstellungsansicht E.A.T.–Experiments in Art and Technology, Museum der Moderne Salzburg, 2015 © 2015. The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./licensed by ARS/Bildrecht, Wien The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

 

Die Begegnung von bildenden Künstlern und experimentierfreudigen, kunstaffinen Ingenieuren, so hofften die EAT-Gründer, würde also Arbeiten hervorbringen, deren Entstehung ohne die Mitwirkung der Techniker mit ihrer besonderen Kompetenz nicht möglich wäre.

     So kam es in den Anfangsjahren zu Kunstwerken wie Homage to New York (1960) von Jean Tinguely (mehr), Rautenbergs kinetische Werke, Laser-Installationen und die Performance-Serie 5 New York Evenings (1964) von Whitman oder die berühmten Silver Clouds (1966) von Andy Warhol. Derartige Werke wiederum sollten die Ingenieure anregen, in neue Richtungen zu denken und so die technologische Entwicklung mitgestalten. Der Technologieschub mittels Elektronik, so zeigt ein Rückblick heute, stand damals noch bevor.


Das Salzburger
Museum der Moderne erinnert auch an eines der spektakulärsten EAT-Projekte: die Gestaltung des Pepsi-Cola-Pavillons für die Weltausstellung in Osaka/ Japan 1970. An dem Bau, vom Getränkekonzern gesponsert, waren 63 Künstler, Ingenieure und Wissenschaftler beteiligt.

     Außen umhüllte beispielsweise die japanische Künstlerin Fuijko Nakaya (*1933) den Pavillon mit einer Nebelwolke, während Floats - kinetische Skulpturen von Robert Breer (1926-2011) - den Vorplatz langsam umkreisten. Innen schuf Whitman Installationen und vier Türme trugen Forrest W. Myers´ (*1941) Skulptur Light Frame.

 

David Tudor & Composers Inside Electronics Rainforest V, 1973/2015 (Regenwald V) (Variation 2) Installation, Ensemble von Gegenständen, Geräuscharchiv. Ausstellungsansicht E.A.T.–Experiments in Art and Technology, Museum der Moderne Salzburg, 2015. David Tudor & Composers Inside Electronics Inc., Courtesy of BROADWAY 1602, New York, NY, US Foto: Rainer Iglar

 

Jean Dupuy Heart Beats Dust, 1968 (Herzschläge aus Staub) Ingenieur: Ralph Martel; Rubinpigment, Holz, Glas, Licht, Stethoskop, Verstärker. Ausstellungsansicht E.A.T.–Experiments in Art and Technology, Museum der Moderne Salzburg, 2015 Collection FRAC Bourgogne © ADAGP, Paris/Courtesy Galerie Loevenbruck, Paris. Foto: Rainer Iglar

 

Hans Haacke Ice Table, 1967 (Eistisch) Kühlaggregat, rostfreier Stahl. Courtesy Hans Haacke and Paula Cooper Gallery, New York Ausstellungsansicht E.A.T.–Experiments in Art and Technology, Museum der Moderne Salzburg, 2015 © 2015 Hans Haacke/Bildrecht, Wien Foto: Rainer Iglar

Moon Museum Wie war das nun mit der Mondaktion im Herbst 1969? Eine Art „Moon Museum“ - als das ging es nämlich in die Kunstgeschichte ein: eine kleine Keramik-Scheibe von weniger als zwei Zentimeter Kantenlänge barg sechs winzige Arbeiten der damals prominenten Künstler Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Forrest W. Myers, David Novros, Claes Oldenburg (mehr) und John Chamberlain.

     Ohne Sanktion der Raumfahrtbehörde NASA wurde die „Miniaturen-Kollektion“ an die Landefähre von Apollo 12 montiert und mit den Astronauten zum Mond geschossen. Das "Moon Museum" gilt bis heute als erstes Raum-Kunst-Projekt, die Performance als „das buchstäblich abgehobenste Projekt der EAT-Initiative“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung betont. Vermutlich waren es auch die kleinsten je von den beteiligten Künstlern gefertigten Arbeiten. Fast lupenhafte Werke, man könnte sagen in der Tradition der jahrhundertealten Miniatur-Kunst, nur eben auf einem Keramikplättchen für eine himmlische Schau.


Die Ausstellung bietet ferner Rückblicke auf zwei wegweisende Expositionen, die 1968 in New York gezeigt wurden, nachdem EAT einen Wettbewerb für Künstler und Techniker ausgelobt hatte: The Machine as Seen at the End of the Mechanical Age am MoMA und Some More Beginnings. Experiments in Art and Technology am Brooklyn Museum.

     Zu sehen sind die damals preisgekrönten Exponate des Franzosen Jean Dupuy und des gebürtigen Kölner Konzeptkünstlers Hans Haacke; letzteres wurde eigens für die österreichische Retrospektive restauriert.
K2M


Die Ausstellung "E.A.T. – Experiments in Art and Technology" ist bis zum 1. November 2015 geöffnet.

Museum der Moderne

Mönchsberg 32

5020 Salzburg

Tel +43 662 842220-601

Öffnungszeiten

DI-SO 10-18 Uhr

MI 10-20 Uhr


 

 

 

 

 


 


 

 

  

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