rheinische ART
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rheinische ART 02/2011

Archiv 2011: aus "Kunst erleben"

Endlich in der Öffentlichkeit!

Alexej von Jawlensky, Russin, 1911, Öl auf Karton, Kunsthalle Bielefeld, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Foto: Marcus Schneider, 2004

 

 

Erlesenes aus

 

Ostwestfalen

 

 

Sie wäre immer eine Fahrt nach Bielefeld wert gewesen. Aber das Ziel, die großartige Kollektion umfassend zu sehen, hätte man nicht erreicht, denn in ihrer Heimat wurde sie nicht gezeigt: die Sammlung der Kunsthalle Bielefeld. Die erfolgreichen, aber Platz brauchenden Wechselausstellungen zwangen die Verantwortlichen dazu, sie ins Depot zu verbannen. In der Folge kamen die verborgenen Kunstschätze nur noch vereinzelt ans Tageslicht. Im kollektiven Gedächtnis der Kunstinteressierten war die Bielefelder Sammlung kaum mehr präsent.

 

Konrad Lueg, Dame und Tasche, 1965
Kunsthalle Bielefeld, Geschenk Egidio Marzona 1999 © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Foto: Axel Grünewald, Bielefeld

Karl Schmidt-Rottluff, Akt vor dem Vorhang, 1911
Farblithographie, Kunsthalle Bielefeld, Schenkung aus dem Nachlass Rosa Schapire 1958
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Doch jetzt lohnt ein Ausflug nach Bonn, denn die Kunstwerke aus Ostwestfalen-Lippe sind in einer konzertierten Aktion in der Bundeskunsthalle zu sehen. Unter dem etwas sperrigen Titel „ Arp, Beckmann, Munch, Kirchner, Warhol … Klassiker in Bonn - Die unbekannte Sammlung aus Bielefeld“ wird eine repräsentative Auswahl vorgestellt.

 

"Best of"

 

Wie ein „Best of“ liest sich die Namensliste der ausgestellten Künstler, von der klassischen Moderne über die Pop-Art bis zur internationalen Gegenwartskunst. Der Kurator Thomas Kellein, der das Grün des Teutoburger Waldes mit der Wüste Texas tauschte - Kellein steht seit Anfang 2011 an der Spitze der Chinati Foundation in Marfa -, legte noch als Direktor der Bielefelder Kunsthalle bei der Konzeption der Ausstellung Wert auf einen umfassenden Überblick, der die spezifischen Qualitäten der Bielefelder Sammlung herausstellt.

 

Ein Schwerpunkt: Expressionismus

 

Dementsprechend stark vertreten sind die deutschen Expressionisten, die einen Schwerpunkt der Sammlung bilden. Hier ragt Kirchners „Russische Tänzerin“ heraus, die der Mäzen Rudolf August Oetker dem Bielefelder Kunsthaus 1959 aus seinem Privatbesitz als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Künstler der Gruppe „Blauer Reiter“ sind u.a. mit Jawlensky und Macke vertreten, die „Brücke“ mit Nolde, Heckel und Schmitt-Rottluff.
   Der Surrealismus wurde erst spät in die Sammlung integriert, bildet heute jedoch mit Ernst, Arp und Man Ray einen festen Bestandteil der Kollektion. Besonders ungewöhnlich ist dabei Man Rays spätes Gemälde „La Rue Ferou“ (1952), ein kleinformatiges Ölgemälde in der typischen detailreichen Manier solcher Surrealisten wie Dali, Chirico oder Tanguy. Es ist eines der ungewöhnlichsten Werke dieses Künstlers, der heute vor allem wegen seiner Fotografien Weltruhm genießt.

 

Abstrakter Warhol

 

Ausstellungsansicht mit Blick auf die Garnbilder von Andy Warhol (Vordergrund). Im Hintergrund die Skulptur "Gelber Hund" von Thomas Schütte. Bild Mitte links ist "Ein Versperrter" von Georg Baselitz. © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn Foto: Mark Brandenburgh / Excellent-Photography.Com

Ebenso überraschend wirken Andy Warhols „Garnbilder“ von 1983: Hierbei handelt es sich um Siebdrucke, deren Motivik ursprünglich als Werbung für die italienische Garnspinnerei Filpucci in Prato gedacht war. Warhol, der sich zu Beginn seiner Karriere ausführlich mit Werbegrafik beschäftigt hat, verwandelte seine Entwürfe kurzerhand in eigenständige Kunstwerke. Mit Ausnahme zweier kleinformatiger Exemplare in Pittsburgh sind die „Yarn Paintings“ Unikate und weltweit nur in der Bielefelder Sammlung präsent.
   Zum Abschluss erwartet den Besucher ein ganz der Fotografie des Japaners Hiroshi Sugimoto gewidmeter Raum. Die Serien dieses Künstlers, der hauptsächlich mit Langzeitbelichtung arbeitet, gehören zu den jüngeren Erwerbungen der Kunsthalle und wurden 1996 durch einen sogenannten Restmittelbestand von ca. 85.000 € erstanden. Eine gute Entscheidung, denn, so schätzt Thomas Kellein, könnten heute für diesen Betrag vielleicht drei der Fotografien des Künstlers erstanden werden.

Robert Woitschützke

 

 Auch die Architektur der Kunsthalle Bielefeld lässt das Kunstmuseum zu den exklusivsten Museen Deutschlands gehören. Bei dem von Rudolf August Oetker gestifteten Haus, das er als Motivation für die Stadt verstanden wissen wollte, Kunst Raum zu geben, handelt es sich um den einzigen europäischen Museumsbau des amerikanischen Stararchitekten und Pritzker-Preisträgers Philip Johnson, eines Schülers von Mies van der Rohe und Walter Gropius.


Die Ausstellung ist bis zum 27. März 2011 zu sehen.
Bundeskunsthalle
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Tel. 0228 / 9171-204

Öffnungszeiten:
DI - MI 10 – 21 Uhr
DO - SO 10 bis 19 Uhr
FR für Gruppen ab 9 Uhr geöffnet


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