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rheinische ART 03/2022

Archiv 2022

MÄRZ 1945
Als der Krieg hier war


Die aktuellen Bilder aus der Ukraine erinnern an Deutschland vor 77 Jahren. Im März 1945 rückten amerikanische Truppen in Köln ein. Die Stadt lag in Trümmern, ihre Bewohner lebten in Kellern, alles Wirtschaftliche und Kulturelle lag am Boden.

 

Köln, 4. April 1945: Cpl. Luther E. Boger, Concord, N.C., Skytrooper, 82. Luftlandedivision. verliest ein Warnschild auf der Straße, die zum Rhein führt und unter Beobachtung der Deutschen am Ostufer steht. Der deutsche Panzer ist ausgebrannt. Foto © US Army, Commons (gemeinfrei). Der Text des Schildes warnt Zuschauer oder Besucher (Sightseers): „Kein Zutritt. Über diesen Punkt hinaus ziehst du das Feuer auf unsere Kämpfer“, die 24 Stunden am Tag ihr Leben riskieren.

 

Seit zwei Jahren hat die Coronakrise alle und alles im Griff. Mit Kontaktsperren, Hamsterkäufen und Toten, mit ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen, wie sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr zu verzeichnen waren. Nun herrscht auch noch Krieg in Europa.

 

US-Soldaten beim Vorrücken in der Kölner Innenstadt. Foto © US Army, Commons (gemeinfrei).

 

Die apokalyptischen Filmberichte aus den belagerten Städten der Ukraine mögen eine Ahnung davon aufkommen lassen, wie das Leben zum Beispiel in der Metropole Köln über ein Dreivierteljahrhundert zuvor ausgesehen haben mag. Ein Leben in einer Trümmerwüste mit einer horrenden Wohnsituation.

     Zahlreiche Ausstellungen - hier ist insbesondere die Schau "Kriegsende in Köln" des NS-Dokumentationszentrums Köln zu nennen (mehr) -, sowie Publikationen, filmische und fotografische Dokumente dienen dazu, jene schweren Zeiten nach der Niederlage Deutschlands im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung zu halten.

     Die verheerenden Zustände in der Domstadt dokumentierten damals vor allem der bekannte "Trümmerfotograf" Hermann Claasen, ferner August Sander (mehr), der Architekturchronist Karl Hugo Schmölz (mehr) sowie der Fotojournalist Walter Dick.

 

Fotograf unbekannt Die Kölner Hohenzollernbrücke mit Blick auf den Dom, 1945. Foto © Bundesarchiv B 145 Bild-P008041/ CC BY-SA3.0 gemeinfrei

 

Buchcover Foto © Greven Verlag Köln 2020

 

Speziell für das Rheinland und insbesondere Köln sind die Veröffentlichungen des Greven Verlag interessant. So sei etwa der bereits 2013 erschienene Fotoband „Lee Miller: Köln im März 1945“ an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung gerufen.
     Bereits bei der seinerzeitigen Herausgabe wurde der Band als einzigartiges Werk gelobt: mit faszinierenden und spektakulären Dokumentarfotografien aus der völlig zerstörten Stadt, wie auch ergreifenden Bildern von politischen Gefangenen aus dem berüchtigten Klingelpütz, die an einem Massengrab ermordeter Kameraden gedenken. Dies alles in einer herausragenden Qualität, die bis dato nicht zu sehen war.

     Zahlreiche dieser unmittelbaren Nachkriegsfotos aus Köln wurden in der britischen Ausgabe der Zeitschrift „Vogue“ veröffentlicht und bestimmten seinerzeit maßgeblich das Bild von Deutschland und den Deutschen.

 

David E. Scherman, Lee Miller 1944, United States Army Signal Corps, , Foto © U.S.Military, Fotoquelle Wikipedia (gemeinfrei)

 

Hermann Claasen Köln Alter Markt und Groß St. Martin 1946. Foto © Nachlassverwalter WalterMüller, Brühl, gemeinfrei 

 

Aufgenommen wurden diese Fotodokumente innerhalb weniger Tage von der US-amerikanischen Bildjournalistin und Korrespondentin Lee Miller (1907–1977), die im Auftrag der Zeitschrift „Vogue“ befreite Städte und deren Menschen ablichtete.

     Miller war eine durchaus schillernde Persönlichkeit und zum Zeitpunkt des US-Einmarsches in das Rheinland 38 Jahre alt (mehr). Als Mitarbeiterin und Geliebte des amerikanischen Star-Fotografen Man Ray (mehr) schuf Miller mit diesem zusammen Ikonen der Fotogeschichte. Ihre Bilder aus den Kriegsjahren in Europa zählen heute zu den historisch wie künstlerisch spektakulärsten Foto-Dokumentationen.

 

Neben Miller begleiteten zahlreiche weitere Journalisten und Fotografen die Kampfhandlungen. Zu einer vielgedruckten Fotografie – allerdings nicht von Miller – gehört die Szene vor dem beschädigten Kölner Dom (siehe oben). Vor einem zerstörten deutschen Panzer wird von einem US-Korporal der 82nd Airborne Division ein Warnschild betrachtet. Vorangegangen war dieser Situation ein Panzergefecht in der Innenstadt, das auch in Filmen festgehalten wurde und quasi als „Medienereignis“ um die Welt ging.

 

Nachdem am 6. und 7. März 1945 die alliierten Truppen den westlichen Teil Kölns besetzten, hielt die deutsche Wehrmacht noch immer das Ostufer des Rheins und griff mit Artillerie an. Köln blieb im März 1945 eine geteilte Stadt. Der rechtsrheinische Teil, die „Schäl Sick“, wurde zwischen dem 12. und 15. April 1945 eingenommen und von der US-Militärverwaltung übernommen. Bis zum 16. April war ein linksrheinischer Uferstreifen von etwa 500 Meter Länge zum Sperrgebiet erklärt worden, Dom und Domplatte befanden sich genau in dieser Zone.
K2M   

 

Literaturhinweis: Lee Miller: Köln im März 1945. Mit Beiträgen von Kerstin Stremmel und Walter Filz. Herausgegeben von der Historischen Gesellschaft Köln e.V. und dem Zentral-Dombau-Verein zu Köln von 1842. Greven Verlag Köln 2013, 120 Seiten, gebunden, ISBN-13: 978-3774306189. Preis 24,90 EUR

 

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