rheinische ART
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rheinische ART 08/2021

FONDATION MAEGHT
Les Giacometti


Das hat es noch nicht gegeben. Die private Stiftung Maeght in Südfrankreich zeigt erstmals die Giacometti-Familie als schöpferischen Clan. Eine Ausstellung über eine regelrechte Maler- und Künstlerdynastie.

 

Das markante Gebäude der Fondation Maeght nahe des mittelalterlichen Dorfs Saint-Paul de Vence. Die moderne Architektur verbindet sich genial mit der Natur. Sie stammt vom Reißbrett des Katalanen und Corbusier-Schüler Josep Lluis Sert. Dominate Skulptur am Eingang ist „Les Renforts“ (Die Verstärkungen) von Alexander Calder. Foto © rheinische ART 2021

 

Noch nie zuvor hätte man die fünf kreativen Giacometti-Männer solcherweise vereint gesehen. So jedenfalls bemerkt es die Neue Zürcher Zeitung, die der aus der Schweiz stammenden Familie und dem Ideengeber der Schau, dem Schweizer Kunstfotografen und Giacometti-Kenner Peter Knopp, eine ausführliche Besprechung widmet.

     Es geht um fünf sehr unterschiedlich begabte, aber durchweg erfolgreiche Herren, die in der Schau „Giacometti - une famille de créateurs“ in den fantastischen Ausstellungsräumen der Fondation Maeght in Saint-Paul de Vence versammelt sind: Alberto, Giovanni, Diego, Bruno und Augusto. Alle stammen aus dem kleinen Straßendorf Stampa am Fluss Maira in der Region Maloja im Kanton Graubünden, heute auch Sitz des Centro Giacometti.

 

Alberto Giacometti Le Chat (Die Katze) Bronze, 1951. 33 x 80 x 28,5 cm. Collecction Fondation Maeght, Saint-Paul de Vence. Foto © rheinische ART 2021

 

Alberto Giacometti L´Objet invisible, Bronze, 1934-1935. 155 x 32 x 29 cm. Collection Fondation Maeght, Saint-Paul de Vence. Foto © rheinische ART 2021

Die Verwandtschaftsverhältnisse bedürfen einer Klarstellung. Der ohne Zweifel bekannteste in dieser Künstlertruppe ist der Bildhauer, Maler und Grafiker Alberto Giacometti (1901-1966), von dem die Maeght-Stiftung einen großen Werkbestand ihr Eigen nennt. Mit seinen Skulpturen, Zeichnungen und Malereien gelangte er zu Weltruhm. Sein Vater war der Schweizer post-impressionistische Maler Giovanni (1868-1933).

     Sohn Alberto hatte zwei jüngere Brüder, die ebenfalls ins Künstlerische schlugen. Diego (1902-1985) machte sich als Designer einen Namen und Bruno (1907-2012) wurde ein international bekannter Architekt. Er entwarf unter anderem für die Eidgenossenschaft den Pavillon auf der Venedig-Biennale 1952 und galt als bedeutendster Vertreter der Nachkriegsmoderne in seinem Heimatland.

 

Augusto Giacometti Le marche aux oranges à Marseille, 1933 , Bünder Kunstmuseum Chur. Foto © Fondation Maeght Saint-Paul de Vence 2021

Letztlich ist da noch der Onkel Augusto Giacometti (1877-1947), also ein Cousin vom Senior Giovanni, der sich vor allem als Glas-, Wand- und Plakatmaler betätigte und mit dem Dadaisten Tristan Tzara (mehr) bekannt war. Von ihm stammen zahlreiche berühmte kirchliche Glasfenster in der Schweiz.


In Summe bietet die Ausstellung an der Côte d´Azur einen Überblick über eine Malerdynastie, die ihres gleichen sucht. Rund 300 Werke werden dem Besucher präsentiert. Jeder der fünf Giacomettis hat einen eigenen Raum, in den sich je nach künstlerischer Bedeutung allerlei Kunst in Form von Gemälden, Skulpturen, Architekturzeichnungen und -modellen, Möbel und Lampen oder schlicht nur Zeichnungen befinden. Eine eher gewöhnungsbedürftige Präsentationsform ohne chronologische Abfolge, aber reizvoll und faszinierend. Was jeder aus der Künstlerfamilie konnte, präferierte oder erreichte spricht anhand der Exponate für sich und sorgt für einen kurzweiligen Rundgang.

 

Diego Giacometti Lustre, Bronze doré, 1968. 56,5 x 29,2 cm. Collection privée, Paris. Paire d´appliques Oiseau et coupe. Bronze doré, 1968. 31,5 x 29,5 x 20,5 cm. Collection privée, Paris. Coiffeuse avec oiseau et coupe et Tabouret au souriceau. Bronze et marbre, c. 1960. 130 x 98,5 x 49,5 cm et 59 x 38 cm. Collection Isabelle Maeght, Paris. Foto © rheinische ART 2021

 

Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist die Reihe der neun stehenden Frauen aus Alberto Giacomettis Serie „Femmes de Venise“, wirkungsvoll und schattenlos präsentiert in einer Art White Cube.
     Dass die Kunst der Giacometti-Dynastie heute in Frankreich ausgestellt wird, kommt nicht von ungefähr, heißt es. Denn für die kreative Entwicklung der Familienmitglieder spielte Frankreich stets eine Schlüsselrolle.

     So lebten und arbeiteten Giovanni, Augusto, Alberto und Diego Giacometti in Paris, „wenn auch für eine unterschiedlich lange Zeit und für unterschiedliche Momente ihrer Karrieren“, wie das Centro Giacometti im schweizerischen Stampa betont. Vor allem waren es die Brüder Alberto und Diego, die lange in Paris quasi Tür an Tür ihre Kunstwerke schufen. Zentraler Treffpunkt der Familie war gleichwohl ihr Heimatdorf Stampa, das Alberto einst als „Hort des Glücks“ beschrieben hatte.
cpw

 

Die Ausstellung „Giacometti – Giovanni, Augusto, Alberto, Diego, Bruno, une famille de créateurs“ wird bis zum 14. November 2021 gezeigt

Fondation Maeght
623, Chemin des Gardettes
06570 Saint-Paul de Vence, Frankreich
Tel +33 (0) 4 93 32 81 63
Öffnungszeiten
Oktober bis Juni 10 – 18 Uhr
Juli bis September 10 – 19 Uhr

 

Mehr zur Fondation Maeght als Kunsthotspot: Das Haus im Pinienwald hier


Literaturhinweis
Beat Stutzer, Peter Knopp Les Cinq Giacometti de Stampa, Edition du Chêne, Paris

 

 

 

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