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rheinische ART 12/2014

Archiv 2014

ZWEIMAL GEHRY IN PARIS
An den Glasklippen

 

Der Kunststar in Paris ist zum Jahresende einmal kein Maler sondern der Spitzenarchitekt Frank Gehry. Erstmals wird in Europa eine Retrospektive auf den US-kanadischen Baumeister gezeigt. Ort: das Centre Pompidou - besuchenswert! Und wer sein jüngstes Bauwerk bewundern will, kann einen Blick auf die spektakuläre Fondation Louis Vuitton werfen. Eine gigantische, lichtdurchflutete „Wolke aus Stahl und Glas“ – sehenswert!

 

Die Fondation Louis Vuitton in Paris. Ein grandioses Bauwerk aus Glas und Stahl mit der unzweifelhaften "Handschrift" seines Architekten Frank Gehry. Es verfügt über ein Auditorium, einen abgestuften Wasserfall, ein Restaurant in einem Glas-Tipi als "Raum im Raum" und Kunstgalerien für Dauer- und Wechselausstellungen. Sein Standort: Der Park Bois de Boulogne. Foto ©Fondation Louis Vuitton

 

Was da seit Oktober 2014 zwischen den Bäumen des Stadtparks Bois de Boulogne erlebbar steht, nötigt Ingenieuren Respekt ab und lässt Ästheten jubeln. Es ist ein luxuriöses Privatmuseum, ein Museumstraum, komponiert aus 3584 Paneelen leicht opakem Glas und 15.000 Tonnen Stahl. Das Architektur-Gebilde - einander überlappenden Glasklippen, einer Wolke oder einem Schiff mit zwölf mächtigen Segeln nicht unähnlich - bleibt jedoch irgendwie ein perspektivisches Rätsel. Wand, Dach, hinten, vorne, was ist was?

 

Model of Guggenheim Abu Dhabi, 2006 – (in progress), United Arab Emirates ©Gehry Partners, LLP

 

Gleichzeitig ist es ein konstruktionstechnischer Albtraum, eine Riesenplastik, realisiert mit gewaltigem Aufwand und, wie berichtet wird, mit dem Know-How von weit über 100 Ingenieuren und Technikern unter Einsatz hochentwickelter Computerprogramme. Über dreißig Innovationen sollen die Spezialisten, verantwortlich für die Materialwahl bis zu den Tragfähigkeitsberechnungen, beim Patentamt eingereicht haben. „Eine Formensprache, die an die äußersten Grenzen des technisch Machbaren geht und eine urbane Vision, die das Projekt erst erfolgreich macht", so Frédéric Migayrou, der die parallel laufende Retrospektive im Centre Pompidou kuratiert.

 

Neue Ikone Der Betrachter kann zu dem bautechnischen Wunderwerk - und vor allem zu seinem Finanzier Bernard Arnault - stehen wie er will, unzweifelhaft ist: Was der 85-jährige Frank Gehry da für die Vuitton-Unternehmensstiftung geschaffen hat, ist eine jener fließenden, schwebend-leicht wirkenden Gebäude-Ikonen, mit denen er berühmt wurde. Neue aufregende Formen, fast experimentelle Konstruktionen mit einer atemberaubenden Statik sind typisch für ihn. Frank Gehry (*1929), eine der bedeutendsten Figuren in der zeitgenössischen Architekturwelt, hat sie unterschiedlich prominent weltweit aufgestellt: von Los Angeles bis Düsseldorf, von Berlin bis Chicago, von Bilbao bis Minneapolis, demnächst unter anderem auch in Abu Dhabi (mehr).

 

Gehrys Glashaus, auch Eisberg genannt, wird als Symbol für die künstlerische Vitalität von Paris gefeiert. Die Glaspaneelen wurden speziell in einem Saint-Gobain-Werk in Italien gebrannt, schwere Holzbalken stammen aus dem Schwarzwald. Foto © Fondation Louis Vuitton

Museum und Modemarke Bernard Arnault, französischer Multi-Milliardär, passionierter Kunstsammler und Mäzen sowie Chef des weltgrößten Luxuskonzerns Louis Vuitton – Moët Hennessy (LVMH) hat sich mit dem beeindruckenden Kulturtempel, der schon als neues Wahrzeichen von Paris gefeiert wird, nach eigenen Aussagen einen Lebenstraum erfüllt. Geschätzte 100 Millionen Euro - manche rechnen noch vierzig Prozent auf - investierte Arnault, gibt sich selbst aber zu den Kosten bedeckt. Der 65-jährige Luxus-Unternehmer vermerkte lediglich, dass man Träume nicht in Zahlen fassen könne.

     11.700 Quadratmeter Nutzfläche bietet der grandiose Bau, allerdings sind die elf Ausstellungsräume mit nur knapp 4.000 Quadratmetern bescheiden ausgestattet, was verwundert. Präsentiert werden Kunst aus dem 20. Jahrhundert und zeitgenössische Arbeiten, darunter die überlebensgroße Skulptur "Mann im Matsch" des Düsseldorfer Bildhauers Thomas Schütte (mehr), eine Video-Arbeit des Franzosen Christian Boltanski, mehrere Gerhard Richter-Werke in einem eigenen Saal und eine speziell für das Gehry-Museum geschaffene Auftragsarbeit, offenbar nicht die einzige, eine Art gigantisches Spiegel-Kaleidoskop des Isländers Ólafur Elíasson.
     Daneben hat der Mäzen die Historie seines Glasklippenhauses und seine Verbindung mit dem Baumeister Gehry zum Gegenstand einer Schau dortselbst gemacht, da hätte man sich doch eher etwas anderes gewünscht.

 

Walt Disney Concert Hall, 1989-2003 (built), Los Angeles, California ©Gehry Partners, LLP

 

Lebenswerk Denn der Rückblick auf Gehrys Schaffen, den das Centre Pompidou zusammen gestellt hat und zeitgleich präsentiert, ist bereits außerordentlich erschöpfend. Anhand von 225 Zeichnungen und 67 Modellen verdeutlicht das Haus die stufenweisen, langwierigen und experimentierlastigen Arbeitsprozesse, mit denen der Stararchitekt zu seinen einzigartigen Gebäudelösungen findet. Die Schau spiegelt Frank Gehrys Lebenswerk aus sechs Jahrzehnten. Dabei wird deutlich, dass Gehry nicht allein eine herausragende Rolle als Architekt einnimmt, sondern bis heute auch immer ein Urbanist und Stadtplaner geblieben ist. Die Ausstellung zeigt breit gestreut die frühen „Fingerübungen“ mit Billigmaterial, Assemblagen heterogener Elemente aus den Achtzigern wie auch die Entwicklung der organisch-skulpturalen Einheitlichkeit, die seit Entwürfen wie dem Vitra Design Museum in Weil am Rhein (1989) und dem dekonstruktivistischen Guggenheim-Museum Bilbao (1997) ein Markenzeichen des Baumeisters geworden ist.

 

Frederick R. Weisman Art and Teaching Museum, 1990-1993, 2000-2011 (built), Minneapolis, Minnesota. Foto: Centre Pompidou, Don F. Wong


 Alles begann mit Konstruktionen aus Kram und Krempel. Das Kind Frank Owen Goldberg, 1929 in Toronto/Kanada geboren, lernte spielerisch. Der Sohn jüdisch-polnischer Einwanderer nutzte Abfälle der großväterlichen Eisenwarenhandlung, um seine ersten Häuser und Stadtbilder mit kindlicher Phantasie zu bauen. Das Spielerische, so scheint es, war der Motor für die Profession. Es folgte ein Studium der Architektur in Los Angeles und ein zweites der Stadtplanung. 1954 tauschte der jung verheiratet Bauplaner und Designer auf Wunsch seiner Frau den Namen Goldberg in den weniger jüdisch klingenden Gehry um. Frank O. Gehry gründete 1962 sein eigenes Architekturbüro „Gehry Partners, LLP“ in Los Angeles.

 

Zu seinen in Deutschland realisierten Projekten gehören neben dem Vitra Design Museum in Weil a.R. das MARTA-Museum (2005) in Herford (s. oben), der Neue Zollhof 1999 mit den Gehry-Bauten am Düsseldorfer Medienhafen (s. unten), der Gehry-Tower Hannover und die DZ Bank Berlin, beide 2001. Fotos © Marta Herford (1) und rART (1)

 

 

Mit der Änderung seiner architektonischen Formensprache, die etwa Ende der Siebzigerjahre einsetzte, machte Gehry von sich reden. Er nutzte ungewöhnliche Materialien, bei Gebäuden etwa billiges Sperrholz und Wellblech, kippte Räume, winkelte Ebenen oder drehte Formen um; bei Möbeln verwandte er unter anderem Wellpappe. Seine „dekonstruktivistischen Gebäude“ standen konträr zu den konventionellen Formen der Zeit und kennzeichneten unverwechselbar seinen Architekturstil: gekrümmte Fassaden und gewellte fließende Oberflächen. 1989 wurde Frank Gehry mit dem Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet.

cpw

 

Die Ausstellung zu „Frank Gehry“ im neuen Museum wird bis zum 16. März 2015 gezeigt.
Fondation Louis Vuitton
8, avenue du Mahatma Gandhi
Bois de Boulogne,
75116 Paris
Métro : Linie1, Station Les Sablons,
Öffnungszeiten
MO, MI, DO 12-19 Uhr
FR 12 - 23 Uhr
SA, SO 11 - 20 Uhr


Die Ausstellung „Frank Gehry – First Major Retrospective in Europe“ wird bis zum 26. Januar 2015 gezeigt.
Centre Pompidou
Galery Sud, Level 1
75191 Paris cedex 04
Tel. 00 33 (0)1 44 78 12 33
Métro : Hôtel de Ville, Rambuteau
Öffnungszeiten
MI - MO 11 – 21 Uhr
DI geschlossen

 

 

 

 

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