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rheinische ART 04/2015

Archiv 2015

MIT 106 JAHREN VERSTORBEN
Hans Erni

 

Er war der vermutlich älteste bildende Künstler der Welt, ein Methusalem unter den Malern. Einen Monat nach seinem 106. Geburtstag verstarb jetzt der namhafte Schweizer. Er hatte Picasso, Einstein und Käthe Kollwitz noch persönlich gekannt.

 

Hans Erni Teilbild für Die Schweiz, das Ferienland der Völker, 1939, Entwurf von 1938, „Vendages, paysage et loisirs“ (Weinernte, Landschaft und Erholung),Tempera auf Papier, 24,8 x 47,2 cm, Foto © Schweizerisches Landesmuseum/ Landesmuseum Zürich,   Bundesamt für Kultur (BAK)

 

Zu seinem 100. Geburtstag 2009 hatte das Kunstmuseum Luzern dem Jubilar noch eine große Retrospektive ausgerichtet, die letzte, die er erlebte. Der 1909 geborene Maler, Grafiker, Bildhauer und Illustrator arbeitete da noch fast täglich in seinem Atelier.

 

Hans Ernie Plakat für die Hygieneausstellung „Hyspa“ in Bern, 1931. Foto © Jacques D. Rouiller, Swissinfo.ch

 

Hans Erni hat ein umfangreiches Werk geschaffen. Dazu gehören Lithografien, über 300 Plakate und zahlreiche Wandbilder, unter anderem für Institutionen wie das Schweizerische Rote Kreuz, die UNO, UNESCO, das Internationale Olympische Comitté oder die Luftfahrtorganisation ICAO.

     Als Illustrator war er an mehr als 200 Sachbüchern und literarischen Werken beteiligt, ferner gestaltete Erni rund 90 Briefmarken, mehrere Medaillen und Banknoten, aber auch Weinetiketten.

 

Der Künstler entstammte einer kinderreichen Familie aus Luzern. Er absolvierte in seiner Heimatstadt eine Lehre als Landvermesser und verdingte sich als Bauzeichner. Nach dem Besuch der örtlichen Kunstgewerbeschule ging er nach Paris. Dort schloss er sich der Avantgarde an und lernte unter anderen Picasso, Braque, Arp und Calder kennen, setzte sich aktiv für die abstrakte Kunst ein und wurde Mitbegründer der kubistischen Pariser Künstler-Gruppe Abstraction-Création.

     In den Dreißigerjahren lebte er wechselnd in Paris und Luzern, zeitweise auch in Berlin. 1935 kuratierte Erni gemeinsam mit dem marxistischen Kulturphilosophen und Kunsthistoriker Konrad Farner (1903-1974) die Ausstellung These – Antithese – Synthese im Kunstmuseum Luzern. Eine Schau, die bis heute zu den wichtigsten modernen Expositionen in der Schweiz gerechnet wird. Zwei Jahre später war er Mitbegründer der Künstlervereinigung Allianz.

 

„Landi“-Wandbild Schlagartig bekannt wurde der junge Künstler 1939, als er für die Schweizerische Landesausstellung das fünf Meter hohe und 91 Meter lange Monumentalgemälde "Die Schweiz, das Ferienland der Völker" schuf. Ein aus 136 Sperrholztafeln zusammengesetztes realistisch-figuratives Kunstwerk, auch als „Landi“- Panorama bekannt, das heute restauriert im Landesmuseum Zürich beheimatet ist.

     Das ursprünglich rund 500 Quadratmeter umfassende Wandbild markierte seine Abkehr von der avantgardistischen Stilrichtung der Vorjahre. Es begann eine Entwicklung hin zum einem populären Schweizer Maler und Grafiker, die ihm aber gleichzeitig die Missachtung durch den etablierten Kunstbetrieb eintrug.

 

Hans Ernie Der Baum der Erkenntnis 1978, Acryl auf Pavatex. Foto © Jacques D. Rouiller, Swissinfo.ch

 

Kommunist und Bürgers Darling Und es gab einen zweiten markanten Lebenseinschnitt: Während des Zweiten Weltkriegs wandte sich Hans Erni dem Marxismus zu. Der Weltfriede lasse sich - so sein Credo damals - nur durch soziale Gerechtigkeit und diese nur durch den Kommunismus erreichen.
      Der junge Linke bezahlte seinen ideologischen Wegwechsel mit einer gesellschaftlichen Ächtung. In der offiziellen Schweiz galt er fortan als Landesverräter. Erst später revidierte Erni, unter dem Eindruck des Stalinismus der Nachkriegszeit, seine Ansichten. Dies machte ihm den Weg frei zu einer wachsenden Akzeptanz, zu lukrativen nationalen und internationalen Aufträgen und einer großen Popularität in der Bevölkerung.

 

Hans Erni Boutilimit (Mauretanien) 1950, Aquarell auf Papier. Foto © Museum für Ethnographie, Neuenburg, Jacques D. Rouiller

 

 

 Hans Erni 2010 in seinem Atelier. Foto Wikipedia © Barbara Hess / maiak.info

 

Künstlerisch blieb Hans Erni bis ins hohe Alter bei seinem Stil. Der galt als virtuos und als Zeichner mit leichter Hand war er über jede Sachkritik erhaben. Die Kunstkritker sahen es -obwohl Erni mittlerweile ein Star in der Schweizer Szene war- anders. Seine Werke wurden fast unisono als zu gefällig und dekorativ verrissen. Viele sahen in ihm nur einen unermüdlich produzierenden Illustrator und Plakatgestalter, der sein Handwerk bei allerlei sozialen und ökologischen Themen einzubringen verstand.

     Typisch waren seine wiederkehrenden Motive: Pferde, Mutter und Kind, Sport, Technik, Natur, Friede und Mythologie. Wirtschaftlich war der Schweizer äußerst erfolgreich und unterhielt Ateliers in Luzern und Saint-Paul de Vence, nahe der dortigen Fondation Maeght (mehr). In großen öffentlichen Museen war er allerdings so gut wie nicht zu sehen.


Hans Erni Museum Der umstrittene Künstler schuf selbst Abhilfe und eröffnete 1979 im Luzerner Verkehrshaus ein eigenes Museum, in dem heute Hunderte seiner Arbeiten zu sehen sind. Der Mann, der sagte, ohne sich im Zeichnen zu äußern, könne er nicht sein, arbeitete bis zu seinem Tode kontinuierlich.

     Die Kunstszene habe mit Hans Erni eine Ausnahmeerscheinung verloren, so die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) in einem Rückblick auf den Verstorbenen. Sein „Landi“-Wandbild wird kunsthistorisch bereits zum „herausragenden Bestand internationaler Zeugnisse monumentaler Wandmalerei im 20. Jahrhundert“ gerechnet. Eine späte Anerkennung.

CPW

 

Hans Erni Museum
c/o Verkehrshaus der Schweiz
Lidostrasse 5
CH-6006 Luzern

Tel.+41(0)41 370 4444                                                                                       Öffnungszeiten                                                                                                                 täglich 10-18 Uhr

 

 

 


  

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