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rheinische ART 02/2013

 

ARCHIV 2013
Frühe Werke von Heinrich M. Davringhausen

 

Bohémien und Meisterkolorist

 

 

Heinrich M. Davringhausen, Die Sehnsucht, um 1912, Öl auf Leinwand, 118 x 118 cm, Privatbesitz  

 

Heinrich M. Davringhausen, Der Krieg, 1914, Öl auf Leinwand, 96 x 74 cm, LVR Rheinisches Landesmuseum, Bonn

 

Heinrich M. Davringhausen, Die Windmühle, 1916, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm, Privatbesitz

 

 

Zeitgenossen waren von ihm begeistert, setzten ihm literarische Denkmale oder portraitierten ihn. Heinrich Maria Davringhausen (1894-1970), gutbürgerlicher Spross aus Aachen, war ein ebenso eigenwilliger wie eleganter, auch schillernder Künstler, ein enfant terrible in den Berliner und Münchener Kreisen der Expressionisten, Dadaisten und Avantgardisten. Und ohne Zweifel einer der großen Meister der Neuen Sachlichkeit und des Magischen Realismus.

 

DER ETWAS in Vergessenheit geratene und wenig gezeigte Maler wird mit einer bemerkenswerten Schau im August-Macke-Haus in Bonn gewürdigt. Zu sehen sind 40 repräsentative, teils großformatige Arbeiten. Die Ausstellung konzentriert sich auf die frühe Schaffensphase des Künstlers, die stilistisch vom rheinischen Expressionismus geprägt war und seinen Übergang zur Neuen Sachlichkeit markierte.

   Wenn auch viele Werke als verschollen gelten, gelingt es dem Macke-Haus doch, das bestechende Frühwerk des später surrealistisch und abstrakt arbeitenden Malers beeindruckend zu präsentieren und wichtige Entwicklungsschritte nachzuzeichnen. Bislang wurden die Werke nur selten in Ausstellungen gezeigt.

 

Rheinischer Expressionismus

 

Dass die Anfänge Davringhausens im rheinischen Expressionismus wurzeln und er 1914 in der ursprünglich von August Macke konzipierten „Ausstellung Rheinischer Expressionisten“ erstmals als Künstler debütierte, ist wenig bekannt. 1911, da ist er gerade siebzehn Jahren alt, entschließt sich der junge Aachener, Maler zu werden. Und dies, obwohl er als Kind durch eine Waffenspielerei sein linkes Auge verloren hatte. 1912 sieht er die Kölner Sonderbundausstellung (mehr) und ist von der modernen Malerei begeistert. Er verbringt zwei Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf. Jener Zeit entstammen symbolistisch, fauvistisch und kubo-futuristisch beeinflusste Arbeiten, meist Landschaften und Portraits. 1914 kann er sich in einer Gruppenausstellung in der Galerie Flechtheim (mehr) präsentieren.

 

Berlin und München

 

Ein Jahr später zieht Davringhausen nach Berlin. Dort entwickelt er eine neue gegenstandsbetonte Malweise, die stilprägend auf die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre wirkt. In der Kunstmetropole ist er mit Künstlern wie George Grosz und dem Kreis um die Brüder Herzfelde befreundet. Seine Ausstrahlung und sein selbstbewusstes, smartes Auftreten sind offenbar äußerst wirkungsvoll, denn die Wuppertaler Schriftstellerin und Malerin Else Lasker-Schüler (mehr) ist von ihm etwas mehr als nur beeindruckt. Sie preist seinen „Mahagonikopf“, verpackt ihre Emotionen in Gedichtzeilen und schwärmt, dass aus seinen Bildern „allfarbig der Schöpfer“ blicke. Davringhausen, zwischenzeitlich auch in München wohnhaft, zeigt dort in Einzelausstellungen 1919 und 1922 in der „Galerie Neue Kunst Hans Goltz“ und tritt dem „Jungen Rheinland“ in Düsseldorf bei.
 

Heinrich M. Davringhausen, Porträt Dr. Döhmann, 1915, Öl auf Leinwand, 90,7 x 69,6 cm, Museum Wiesbaden

 

Heinrich M. Davringhausen, Selbstporträt mit Lampion, 1913/14, Öl auf Leinwand, 66 x 66 cm, Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren

   Ab 1918 schafft der Maler jenes psychologisch feine neusachliche Werk, mit dem er in die Kunstgeschichte eingehen sollte. Seine gesellschaftskritischen Arbeiten aus dieser Phase, darunter ikonografisch inszenierte Portraits und Typendarstellungen von Träumern, Irren, Mördern, Dirnen, Morphinisten oder Schiebern, sind bester Bürgerschreck. In den künstlerisch-politischen Bohème-Kreisen Münchens lernt er die Maler Carlo Mense, Georg Schrimpf und Alexander Kanoldt kennen und gründet mit ihnen die Malergruppe Neue Sachlichkeit. Gemeinsam werden sie zu Hauptvertretern des Magischen Realismus.

   Mit dem Nationalsozialismus kommt für Davringhausen ein Ausstellungs- und Malverbot. Als „entarteter Künstler“ flieht er 1932 mit seiner aus Köln stammenden jüdischen Frau Lore Auerbach ins Exil. Zunächst nach Mallorca, nach Beginn des spanischen Bürgerkrieges 1936 ins schweizerische Ascona und 1939 schließlich nach Südfrankreich. Dort wird er in Aix-en-Provence im Internierungslager „Les Milles“ festgesetzt, gemeinsam mit anderen Kreativen, darunter die Maler Max Ernst und Anton Räderscheidt und die Schriftsteller Walter Hasenklever, Lion Feuchtwanger und Golo Mann. Ab 1945 lebt er an der Côte d´Azur in Cagnes-sur-mer, wo er unter sehr bescheidenen Bedingungen sein umfangreiches surrealistisches und abstraktes Spätwerk schafft, das in Deutschland nur wenig bekannt ist. An seine früheren Erfolge kann er allerding nie wieder anknüpfen. Er stirbt am 13. Dezember 1970 in Nizza.

Klaus M. Martinetz


Die Ausstellung „Heinrich M. Davringhausen – Vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit“ wird bis zum 2. Juni 2013 gezeigt.
August Macke Haus e.V.
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Tel. 0228 – 65 55 31
Fax 0228 – 69 15 50
Öffnungszeiten:
DI-FR 14.30 - 18.00 Uhr SA, SO & Feiertage 11.00 - 17.00 Uhr
MO geschlossen


Der Kunst-Nachlass Davringhausens wurde 1989 bis 2009 am Dürener Leopold-Hoesch-Museum von der Museumsdirektorin Dorothea Eimert betreut. Die Kunsthistorikerin hatte maßgeblichen Anteil an der Wiederentdeckung des Malers und an der ersten Retrospektive 1995. Von Dorothea Eimert stammen eine Monografie und das Werkverzeichnis.

 

 

 

©Fotos (5) August-Macke Haus, Bonn

 

 

 

 

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