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rheinische ART 05/2015

Archiv 2015

JÖRG IMMENDORFF

Chapeau, Jörg!

 

Jetzt hat er es endlich auch in ein namhaftes französisches Ausstellungshaus geschafft. Jörg Immendorff, einer von Deutschlands wichtigsten Malern und Bildhauern der Nachkriegszeit, wird acht Jahre nach seinem Tod in der renommierten Fondation Maeght (mehr) nahe Nizza gezeigt.

 

Plakat zur Ausstellung in der Fondation Maeght, Saint Paul de Vence.

Jörg Immendorff Sans titre 2006, Huile sur toile, 180 x 150cm, Photo: Lothar Schnepf, Cologne © Courtesy of Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Cologne & New York

 

Erstaunlicherweise ist der hochpolitische deutsche Künstler im Nachbarland, außer natürlich in Kunstkreisen, nahezu unbekannt.

 

Kunst und Politik Ist es vielleicht wegen der verschachtelten, kraftvollen Darstellungen mit ihren Bezügen zur komplizierten deutsch-deutschen Geschichte? Das Trauma der Teilung und die „réunification allemande“, wie sie in dem großartigen „Cafe Deutschland“-Zyklus (mehr) par excellence zum Ausdruck kommen, sind vielleicht - zumindest in der Kunst - eine sehr deutsche Angelegenheit, die sich gerade auf internationalem Parkett nicht jedem Betrachter auf Anhieb erschließt.

     Immendorff selbst hatte zu Frankreich, vor allem zu dem pulsierenden und vitalen Künstlertreff Paris der Sechzigerjahre, eine enge romantische Verbindung. Der Künstler war Zeitzeuge der boomhaften deutsch-französische Freundschaft jener Jahre und verarbeitete dies mehr oder weniger verdeckt in seiner Serie „Café de Flore“.

 

Jörg Immendorff Dans Café de Flore (avec Max, Otto, Ernst) [détail], 1987. Huile sur toile, 300 x 260cm. Das Café als Bühne für die Selbstdarstellung. Immerdorff als Keller bedient Max Beckmann, Max Ernst und Otto Dix. © Fondation Maeght, Collection privée

 

Neue Bühne Nach Aussage des Fondation Maeght-Direktors Olivier Kaeppelin hat es in Frankreich bislang nicht mehr als zwei Immendorff-Ausstellungen gegeben. Sein Haus zeigt jetzt mit der Schau „Les théâtres de la peinture“ (etwa: Die Bühnen der Malerei) einen recht umfangreichen Rückblick. Mehr als 70 Arbeiten von Jörg Immendorff (1945-2007), der in Düsseldorf nach jahrelanger schwerer Krankheit verstorben war, präsentiert die Stiftung Maeght in der Exposition, davon rund 50 Gemälde und Zeichnungen und etwa 20 Skulpturen.

 

Jörg Immendorff So…Besuch bei einem Künstler / Voilá... visite chez un artiste (détail) 1976, Acrylique sur toile, 200 x 150cm. Fondation Maeght © Courtesy of Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Cologne & New York

 

Werke  Die meisten Arbeiten lieferte als Leihgabe der Kunsthandel Michael Werner in Köln. Diese „Ausleihe“ ist nicht anders zu erwarten, denn Immendorff-Werke sind in französischen Museen eher eine Rarität.

 

Blick in die Ausstellung. Foto ©rART

 

Die Retrospektive im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence stellt den Künstler selbst ins Zentrum der Betrachtung: Immendorff als wichtigste Bildfigur! Damit unterstreicht die Fondation Maeght den gewählten Ausstellungstitel, denn Immendorff hat seine Malerei zu einer Bühne der Welt gemacht, in der er selbst in unterschiedlichen Rollen auftritt.

     So serviert Immendorff, der Kellner, in einem Bild der Serie „Café de Flore“, die zwischen 1987 und 1992 entstand, Figuren der Kunstgeschichte wie Otto Dix und Max Beckmann Getränke. Der Künstler als Gaukler und als Affe, sein Alter Ego, ist eine Art ironischer Seitenhieb auf seine Zunft und die Szene.

 

Jörg Immendorff Café Deutschland XVI – Scholle, 1982, Huile sur toile, 282 x 400cm. Eiszeit: Die Scholle symbolisiert die Kälte zweier gegensätzlicher politischer Systeme im geteilten Deutschland. Foto ©rART

 

Schlüsselwerke  Auch aus seiner großartigen und monumentalen Serie "Café Deutschland", in der er die deutsche Teilung thematisiert, sind einige Werke in der Fondation Maeght zu sehen, darunter "Café Deutschland XVI - Scholle" von 1982. Auf dem großformatigen Ölbild ist eine raumausfüllende Eisscholle abgebildet, in der schemenhaft ein Maler mit einem Pinsel zu erkennen ist. Immendorffs Interpreatition des "Kalten Krieg" und der Eiszeit zwischen Deutschland Ost und West.

     Die Ausstellung bietet rätselhafte wie manchmal melancholische Bilder. Voll von Träumen und Symbolen der Geschichte, mit Anspielungen auf die deutsche Historie, persönlichen Erlebnissen, und das alles oft von großer Schönheit. Die Werke spiegeln die faszinierende wie wohl auch tragische Geschichte eines expressiv malenden, zeitgenössischen deutschen Künstlers, der, an seinem Lebensabend gelähmt, nie aufgehört hatte, Bilder in die Welt zu senden. Eine intensive Ausstellung, die offensichtlich viele Besucher in den Bann zieht. Denn erstaunlich lange verweilen immer wieder zahlreiche Betrachter vor den Bildern.

CPW

 

Hat Frankreich die zeitgenössischen deutschen Künstler entdeckt? Diese Frage steht im Raum. Denn die erste großen Immendorff-Ausstellung an der Côte d`Azur wird von einer weiteren Maler-Premiere begleitet. Seit dem 24. April 2015 ist im „Musée de l’Art Moderne de la Ville de Paris“ die erste umfassende Einzelausstellung von Markus Lüpertz (mehr) in Frankreich zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten aus den frühen 1960er Jahren bis zum aktuellen Arkadien-Zyklus.

 

Die Ausstellung „Jörg Immendorff – Les théâtres de la peinture“ ist bis zum 14. Juni 2015 geöffnet.

Fondation Maeght
623, Chemin des Gardettes
06570 Saint-Paul-de-Vence, Frankreich
Tel. : +33 (0) 4 93 32 81 63
Öffnungszeiten
Oktober bis Juni: 10 – 18 Uhr
Juli bis September: 10 – 19 Uhr

 

 

 


  

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