rheinische ART
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rheinische ART 11/2012

 

ARCHIV 2012

Neuer Museumsteil / Eröffnung des erweiterten Museum Kurhaus Kleve

 

„Mein Rasierspiegel“

 

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Fritz Getlinger: Joseph Beuys in seinem Atelier im Friedrich-Wilhelms-Bad mit dem Kreuz des Büdericher Ehrenmahls, 1958

 

Auch wenn der gewählte Titel der Eröffnungsausstellung wenig Lockpotential hat – wenn das Klever Haus Museum Kurhaus seine Sammlungsbestände in neuen und erweiterten Räumen präsentiert, die zudem noch das ehedeme Atelier des großen Anregers Joseph Beuys umfassen, dann ist ein Besuch Pflicht.

 

DAS MUSEUM Kurhaus Kleve wurde vor 15 Jahren, im April 1997, eröffnet und hat sich seitdem zu einer der ersten Adressen für moderne und zeitgenössische Kunst in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Untergebracht ist es im ehemaligen Kurhaus der Stadt Kleve, einem klassizistischen Gebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert. Das Haus wurde mit sehr viel Sorgfalt saniert und verbreitet noch heute den ganz besonderen Charme des Besitz- und Bildungsbürgertums dieser Epoche. Mit der Wandlung des Kurhaus-Komplexes von „Bad Cleve“ in ein Museum wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Das Friedrich-Wilhelm-Bad, Postkarte, um 1900
Foto: Museum Kurhaus Kleve, Annegret Gossens

 

Unbemerkt blieb das Museum nicht. Zweimal wurde es von der deutschen Sektion der AICA (Internationaler Kunstkritikerverband) ausgezeichnet: 2004 als „Museum des Jahres“ und 2011 für die Ausstellung von Carl Andre 2011. Die jetzige Eröffnungsausstellung anlässlich der Erweiterung des Hauses - cirka 700 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind hinzugekommen - wurde vom früheren Leiter Guido de Werd kuratiert. Die Schau umfasst sämtliche alte und neue Säle des Hauses und zeigt den Facettenreichtum der Sammlung auf, beginnend mit den Skulpturen des Mittelalters über den Barock und die große Zeit der Gartenkunst in der niederrheinischen Stadt Kleve, das Kunsthandwerk, und reicht bis zur Kunst der Moderne und der Gegenwart mit den beiden Schlüsselfiguren Ewald Mataré und Joseph Beuys.

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Fritz Getlinger : Das Atelier von Joseph Beuys im Friedrich-Wilhelm-Bad 1958

 

Die Räume des Ateliers von Joseph Beuys heute. Foto: Museum Kurhaus Kleve 2012

 

Das Friedrich-Wilhelms-Bad heute.
Foto: Museum Kurhaus Kleve, Annegret Gossens

 

   Gerade für Joseph Beuys spielte das Atelier im alten Klever Kurhaus eine zentrale Rolle. Beuys, in Kleve aufgewachsen, mietete die Räume im Erdgeschoss des leerstehenden Friedrich-Wilhelms-Bad 1957 an. Er war nach dem Studium als Meisterschüler bei Mataré an der Düsseldorfer Kunstakademie an den Niederrhein zurückgekehrt. Der Künstler befand sich in dieser Zeit in einem Zustand erheblicher persönlicher Verunsicherungen und hielt sich viel bei seiner Familie und Freunden auf. Auch arbeitete er einige Wochen auf dem Hof der Familie van der Grinten in Kranenburg.

 

Die Krise überwinden


Acht Jahre lang sollten die Klever Atelierräume sein kreatives Rückzuggebiet sein. Beuys fand hier den Raum, den er brauchte, um sich zu finden und neu zu erfinden. Der kreative Unruhegeist realisierte hier das „Büdericher Ehrenmal“ (1958-59), das zu seinen bedeutendsten Werken zählt und eine Auftragsarbeit an den damals noch unbekannten jungen Künstler war. Im Frühjahr 1961 schließlich bewarb er sich erfolgreich um eine Stelle als „Professor für monumentale Bildhauerei“ an der Kunstakademie Düsseldorf – mit Fotografien seiner Werke, die Fritz Getlinger vor Ort in Kleve gemacht hatte. Nicht zuletzt gelangte Beuys während seiner Zeit am Niederrhein zu einer neuen Auffassung von Form und Material und entwickelte die Grundlagen des „Erweiterten Kunstbegriffs“, mit dem er Weltgeltung erlangte.
   Die Rekonstruktion der Beuysschen Atelierräume im Museum Kurhaus Kleve, bestückt mit Leihgaben der Witwe des Künstlers, Eva Beuys, kann sich leicht zu einem „Wallfahrtsort“ entwickeln. Das naheliegende Schloss Moyland wird davon ebenfalls profitieren, denn die Stiftung Museum Schloss Moyland besitzt mit annähernd 6.000 Arbeiten die weltweit größte Sammlung an Werken des Künstlers. 
    Für das Museum Kurhaus Kleve ist es ein Glücksfall, dass es jene Räume birgt, die Joseph Beuys in entscheidenden Phasen seines Lebens und Schaffens als Atelier dienten. Es ist damit das einzige Museum für moderne und zeitgenössische Kunst weltweit, das mit authentischen Atelierräumen einer für die Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblichen Persönlichkeit aufwarten kann.

 

In einem ersten Bauabschnitt wurden zwischen 1992 und 1996 das frühere Badhotel und die Wandelhalle (1871-73) des historischen Kurhaus museal nutzbar gemacht. Der zweite Bauabschnitt – er begann 2009 - integriert mit dem Friedrich-Wilhelms-Bad den ältesten, 1845-46 errichteten, Gebäudeteil und bedeutet im eigentlichen Sinn die Vollendung des Museums. Wesentliche Elemente der ursprünglichen Architektur konnten erhalten oder rekonstruiert werden.

Irmgard Ruhs-Woitschützke


Die Ausstellung „Mein Rasierspiegel“ mit der Eröffnung des Joseph Beuys-Ateliers ist bis zum 13.01.2013 zu sehen. (Verlängert bis zum 7. April 2013.)
Museum Kurhaus Kleve
Tiergartenstraße 41
47533 Kleve
Tel. 02821 / 75010
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 17 Uhr

 

 

 

Aus der Sammlung: Künstler in der Ausstellung (Auswahl)
Jan Andriesse, Stephan Balkenhol, Lothar Baumgarten, Joseph Beuys, Alan Charlton, Martin Creed, Ulrich Erben, Peter Fischli / David Weiss, Günther Förg, Katharina Fritsch, Franz Gertsch, Raimund Girke, Andreas Gursky, Axel Hütte, Alex Katz, Yves Klein, Jannis Kounellis, Richard Long, Ewald Mataré, Mario Merz, Giuseppe Penone, Gerhard Richter, Thomas Ruff, Thomas Schütte, Richard Serra, Dirk Skreber, Thomas Struth, Ettore Spalletti, Mark Tansey, David Thorpe, Niele Toroni, Günther Uecker, Jeff Wall, Paloma Varga Weisz, Günther Zins

 

 

© Fotos: Museum Kurhaus Kleve