rheinische ART
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rheinische ART 07/2021

Archiv 2021

JOSEPH BEUYS
Kleve – Quelle seines Schaffens


Was wäre Joseph Beuys ohne den Niederrhein und ganz besonders Kleve? Hier ist er zwar nicht geboren, hat aber seine Kindheit verbracht und fand als an Körper und Geist tief verletzter Mensch in den schweren Nachkriegsjahren wieder zu sich und – vielleicht darf man es so formulieren: auch seine künstlerische Bestimmung.

 

Joseph Beuys im Museum Kurhaus Kleve. Installationsansicht. © rheinische ART 2021

 

Und diese hat später so manche Künstlerbiografie verändert und mehr oder weniger, zumindest aber ein kleines bisschen, auch die Gesellschaft. Nicht von ungefähr wird der Künstler auch „Sozialplastiker“ genannt. Durch sein Schaffen bot er so viele Projektionsflächen, dass sich ein jeder - und das bis heute - darin selbst erkennen oder auch daran abarbeiten kann.

 

Joseph Beuys Portraitbüste, 1947, Bronze auf Marmorsockel nach Original in Gips. Die Büste zeigt ein Selbstportrait, einen androgyn erscheinenden Kopf, der sehr fragil und verletzlich erscheint. Leihgabe der Kunstsammlung NRW. Museum Kurhaus Kleve, ©Foto rheinische ART 2021

 

Anlässlich seines 100. Geburtstages nun zeigt das Museum Kurhaus Kleve im größten Saal des Hauses, der sogenannten Wandelhalle, eine repräsentative Auswahl seiner Beuys-Sammlungsbestände. Zu sehen sind etwa die monumentale Skulptur »Badewanne« (1961/1987), die vierteilige Arbeit »Ohne Titel« (Mein Kölner Dom, 1980), die fragile Wandarbeit »Seven Palms« (1974) sowie ein umfangreicher Block an Farblithografien aus den 1970er Jahren.

     Diese Präsentation versteht sich nach Aussage des Hauses als Ergänzung zur Ausstellung „Intuition! Dimensionen des Frühwerks von Joseph Beuys“, die seit Mitte Juni in allen Räumen des Joseph-Beuys-Westflügels rund um das ehemalige Atelier des Künstlers zu sehen ist.

 

Vom alten Glanz des ehemaligen Bad Cleve zeugt noch die an das Museum grenzende Parklandschaft. ©Foto rheinische ART 2021


Seit 2012 sind diese Räume saniert und stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Joseph Beuys hatte diese Räume im leer stehenden ehemaligen Kurhaus der Stadt von 1957 bis 1964 angemietet. In jenen Jahren gab es noch kein Museum Kurhaus Kleve, das wurde erst 1997 eröffnet. Wo Beuys einzog war ein Relikt aus einer vergangenen Ära, als Kleve noch Bad Cleve hieß und ein begehrter Kurort ab Mitte des 18. Jahrhundert bis 1914 für wohlhabende Preußen und Niederländer war.

 

Joseph Beuys Büdericher Ehrenmal, 1959, Ausschnitt mit Eichenkreuz, ©Foto rheinische ART 2021

 

In diesen historischen Räumen nun machte sich der Künstler sprichwörtlich an große Aufgaben. Zwei Dinge seien dazu besonders erwähnt:
     In den Atelierräumen entstand das »Büdericher Ehrenmal«. Das Haus hierzu: „Beim ´Büdericher Ehrenmal` handelt es sich um das einzige von Joseph Beuys zu Lebzeiten im öffentlichen Raum realisierte Monument. Es wurde von Beuys in einem romanischen Kirchturm im Meerbuscher Stadtteil Büderich, nicht unweit des Ateliers von Ewald Mataré, seines Professors an der Düsseldorfer Kunstakademie, installiert. Es besteht aus einem Eichenholztor mit zwei Flügeln, in die Beuys als Erinnerung an die Gefallenen die Namen der 222 Büdericher Kriegstoten geschnitzt hat, sowie aus einem Eichenholzkreuz, das – als Gegenpol zum Tor – ein Auferstehungs- und Erlösungssymbol darstellt.
     Joseph Beuys hatte 1955 bei einer öffentlichen Ausschreibung einen Entwurf für das Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege eingereicht. Im Mai 1957 erhielt er den Zuschlag – zu einem Zeitpunkt, als er sich auf dem Hof der Brüder van der Grinten von einer inneren Krise erholte.“ Laut Harald Kunde, Direktor am Museum Kurhaus Kleve, hatte sich Beuys unter anderen mit diesem Werk bei der Kunstakademie in Düsseldorf auf eine Professur für Bildhauerei beworben.

 

Joseph Beuys Kopf (Anacharsis Cloots) 1976, Gips, Museum Kurhaus Kleve, ©Foto rheinische ART 2021


Das andere Moment ist die Betrachtung der historischen Person Anacharsis Cloots. Dieser war 1755 auf Schloss Gnadenthal unweit des heutigen Museums geboren. Cloots ging im Umfeld der französischen Revolution nach Paris und profilierte sich dort als „Orateur du Genre Humain“ (Redner des Menschengeschlechts). Das Museum schreibt dazu: „Beuys empfand ihn als revolutionären Bruder im Geiste und nahm in seinem Werk immer wieder Bezug auf ihn…“ Cloots ging den Weg so vieler in den revolutionären Zeiten. Sein Leben endete 1794 unter der Guillotine. Beuys erklärte Cloots zu seinem Alter Ego und gab sich den Namen „Josephanacharsis Clootsbeuys“. Cloot´s abgeschlagener Kopf ist auch Teil der berühmten Installation »Straßenbahnhaltestelle«, die ihre Heimat im Kröller-Müller Museum in Otterlo hat. Das Haus dazu: „Beuys schuf die »Straßenbahnhaltestelle« für die Biennale in Venedig 1976. Sie wurde von dem Trophäenmal „Am Eisernen Mann“ (eigentlich „Cupido-Säule“) in Kleve inspiriert, an dem Beuys als Kind regelmäßig mit der Straßenbahn vorbeifuhr … Das dieser Installation zugrunde liegende Unikat des Kopfes befindet sich als Leihgabe der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Besitz des Museum Kurhaus Kleve ...“.

 

Diesen Küchentisch nutzte Joseph Beuys zur Ablage in seiner Werkstatt. Er blieb zeitlebens in seinem Besitz. Schenkung von Eva, Wenzel und Jessyka Beuys an die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. Museum Kurhaus Kleve, ©Foto rheinische ART 2021

 

1961 erhielt Beuys den Ruf der Kunstakademie und zog nach Düsseldorf. Damit endete sein aktives Wirken in Kleve, auch wenn er noch einige Jahre die Atelierräume behielt.

     Die Ausstellungen konzentrieren sich somit auf das Frühwerk des Künstlers und gehen der Frage nach „…welche Einflüsse und Anregungen, welche Abgrenzungen und Zäsuren sind zu benennen und sichtbar zu machen, die diese Entwicklung des Künstlers vom sensitiven Traditionalisten hin zum visionären Sozialplastiker ermöglicht haben?“
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

 

Joseph Beuys
Sammlungshighlights zum 100. Geburtstag bis 06.09.2021

und
Intuition! Dimensionen des Frühwerks von Joseph Beuys bis 03.10.2021


Museum Kurhaus Kleve - Ewald Mataré Sammlung
Tiergartenstraße 41
47533 Kleve
Tel. 02821 / 75010
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 17 Uhr

 

 

 

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