rheinische ART
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rheinische ART 03/2011

 Archiv 2011: aus "Kunst erleben"

Liliens Jugendstilkunst

 

 

Der Buchschmücker

 

Ausstellungen mit seinen Werken sind vergleichsweise selten, der Künstler selber kaum der breiten Öffentlichkeit bekannt. Seine Zeichnungen, Ex libris, Illustrationen und Lithografien gelten zunehmend als begehrte Sammelobjekte. Ephraim Moses Lilien (1874-1925) begann seine Karriere als Zeichner, Radierer und Graphiker bei der Münchener Kulturzeitschrift „Jugend“. Die Illustrierte forcierte eine neue Kunstrichtung und gab ihr schließlich den deutschen Namen Jugendstil.

 

DAS WESELER Preußen-Museum hat sich unter dem Titel „E.M. Lilien – ein jüdischer Jugendstilkünstler in Preußen“ des ungewöhnlichen und gleichwohl interessanten Themas angenommen. Immerhin handelt es sich bei Ephraim Moses Lilien um einen der bekanntesten Buchillustratoren des frühen 20. Jahrhundert. So betrachtet ist die Ausstellung ein High-Light und kaum in dieser Kompaktheit so schnell noch einmal an anderer Stelle zu sehen.

   Dass die Kuratoren einen Focus auf Liliens Schaffen in Preußen legen ist angebracht, denn erst nach seiner Übersiedlung in die Metropole Berlin 1899 erreichte der talentierte Galizier hier seinen wahren künstlerischen Durchbruch. Wer war der Mann, der sich nach mageren Jahren in München schnell künstlerisch in Berlin integrierte, Mitglied des Künstlervereins „Die Kommenden“ wurde und in der lokalen Bohème verkehrte; der Bekanntschaft u.a. mit Theodor Herzl, Rudolf Steiner, Stefan Zweig und mit der Dichterin Else Lasker-Schüler pflegte?

 

Darstellung der „Vertreibung aus dem Paradies“. Der Erzengel, links im Bild, trägt die Gesichtszüge des zionistischen Führers Herzl, aus: Die Bücher der Bibel.

 

Hungerjahre

 

Lilien wurde 1874 in der seinerzeit zu Österreich gehörenden galizischen Kleinstadt Drohobycz (heute Ukraine) geboren. Er absolvierte eine Lehre bei einem Schildermaler in Lemberg, musste aber mangels Finanzen die nachfolgende Kunstschule in Krakau vorzeitig verlassen. Auch ein Studium an der Kunstakademie in Wien scheiterte wegen fehlender Mittel. Mit 20 Jahren fasste der so gut wie mittellose Lilien in München Fuß, gleichwohl in äußerst bescheidenen Verhältnissen. Der Dichter Stefan Zweig zitiert in seiner 1903 verfassten Lilien-Monografie Erinnerungen des Künstlers an diese Zeit: „(…) Die 10 Mark monatlich, die meine Verwandten mir ´regelmäßig´ schickten, waren zum Leben zu wenig, aber auch zum Verhungern zu viel. (…) Aber mit 22 Jahren verhungert man nicht so leicht.“

 

Berliner Jahre

 

In Berlin brachte die Bekanntschaft mit dem Dichter Börries von Münchhausen Ruhm und finanzielle Stabilität. Von Münchhausen verfasste im Jahre 1900 eine Sammlung jüdischer Balladen, die Lilien gestaltete und illustrierte. Das Balladenbuch „Juda. Gesänge“ machte den brillanten Zeichner weit bekannt und zu einem Protagonisten der modernen Buchschmuckbewegung, die mit einer rein ornamentalen Kunst nichts gemein hatte.

Selbstbildnis, Im Hintergrund dominiert das von Lilien entworfene Widmungsblatt für den 5. Zionistenkongress 1901

Zwei Jahre später illustrierte Lilien die berühmten jüdischen „Lieder aus dem Ghetto“ des amerikanischen Lyrikers Morris Rosenfeld. Liliens grafische und zeichnerische Arbeiten in der Tradition des Jugendstils, den er weniger leicht und beschwingt interpretierte, galten als richtungsweisend und stilbestimmend. So allerlei Prominenz ließ sich in diesem Stil ihre „Ex libris“ von dem engagierten Zionisten gestalten, so etwa Maxim Gorki und Martin Buber.

   In den folgenden Jahren stellte Lilien, der auch Aktivist der „demokratisch-zionistischen Bewegung“ um Martin Buber war, seine Arbeit überwiegend in den Dienst der jüdischen Idee. Niederschlag fand diese politische Orientierung in seinen charakteristischen Palästinabildern sowie in Bibelillustrationen mit neuen künstlerischen Motiven, die er auf mehreren Reisen nach Palästina gewonnen hatte. Mit Beginn dieser Reisen ab 1906 arbeitete Lilien verstärkt mit der revolutionären Fototechnik. Seine Arbeiten als „Lichtzeichner“, ein Terminus, der ihn als kreativen Fotografen mit einem eigenen künstlerischen Stil ausweist, wurden später ähnlich berühmt wie seine Radierungen und Zeichnungen. Als fotografische Ikone gilt Liliens Herzl-Porträt (1901) auf dem Balkon des Hotels „Drei Könige“ in Basel.

Klaus M. Martinetz 

 

Ausstellung E.M.Lilien – Ein jüdischer Jugendstilkünstler in Preußen

Ausstellungsdauer: bis 08. Mai 2011

Preußen Museum NRW
An der Zitadelle 6
46483 Wesel
Tel. 0281 – 33 996-0


Öffnungszeiten:
MI - SO 11.00 - 17.00 Uhr
MO, DI geschlossen

 

Fotos (3) Preußen Museum, Bild oben: Titelbild der ersten Lilienmonografie von Stefan Zweig 1903