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rheinische ART 01/2017

Archiv 2017

SKULPTUREN AUS DEM REICH DER MITTE
Marx, Engels und die Chinesen

 

Wenn im kommenden Jahr an den 200. Geburtstag von Karl Marx erinnert wird, dürfte seine Geburtsstadt Trier mit einer gewaltigen Skulptur glänzen. Das Besondere: Es wäre ein Geschenk der Volksrepublik China!

 

Wu Weishan Entwurf der Karl-Marx-Statue für Trier (Tonabguss). Geplant ist eine Bronzefigur mit einer Höhe von 4,90 Meter auf einem 1,40 Meter hohen Sockel. Foto © Presseamt Stadt Trier

 

Der Vordenker des Kommunismus, ein Buch in der linken Hand haltend und die Rechte am Revers des Gehrocks, schreitet mit Würde und Entschlossenheit im Blick voran.

     So jedenfalls lässt sich der Entwurf für die im Vorfeld viel diskutierte Marx-Skulptur des chinesischen Bildhauers Wu Weishan beschreiben. Beeindruckende 6,30 Meter hoch, davon 4,90 Meter Bronzefigur und der Rest Sockel, soll das Geschenk anlässlich des runden Geburtstages aus Peking messen.
     Für den Mega-Marx hat die Stadt Trier, so der derzeitige Sachstand, einen Standort am Simeonstiftplatz bei der Porta Nigra vorgesehen. Der Stadtrat wird Anfang März über die Annahme des Geschenkes entscheiden. Vorher können sich die Bürger anhand eines Schattenrisses am künftigen Standort ein Bild von Größe und Wirkung der Statue machen. Sowohl die ungewöhnliche Höhe der Skulptur als auch die Position im Stadtbild hatten teils heftige Kritik ausgelöst.

 

Das barocke Geburtshaus von Karl Marx in Trier. Es ist das einzige Museum in Deutschland zu Leben, Werk und Wirkung von Karl Marx und Teil der Friedrich-Ebert-Stiftung. Foto © Karl-Marx-Haus Trier

 

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren und verbrachte die ersten 17 Jahres seines Lebens in Deutschlands ältester Stadt (mehr). Für ihn war die französische Revolution 1789 eine Zeitenwende und eine ´Lokomotive der Geschichte´, der Motor für eine Revolution in Gesellschaft und Wissenschaft. Dies schlug sich schließlich auch in den Werken herausragender Künstler Frankreichs nieder. Das Geburthaus von Marx in der Mühlenstraße 10 ist heute Museum.
     Das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Trier planen anlässlich des Karl-Marx-Jahres eine große Ausstellung mit dem Titel „Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit“. Vom 5. Mai bis 21. Oktober 2018 sollen im Rheinischen Landesmuseum Trier und im Stadtmuseum Simeonstift schätzungsweise 500 Exponaten auf einer Gesamtfläche von rund 1600 Quadratmetern gezeigt werden.

 

Die Sache mit der Schenkung ist keine Trierer Spezialität. Ähnlich generös zeigte sich die Volksrepublik China schon 2014 in Wuppertal, der Geburtsstadt von Friedrich Engels (1820-1895).

     Die Volksrepublik schenkte der Kommune damals eine überlebensgroße Engels-Statue, ein Werk des chinesischen Bildhauers Zeng Chenggang. Der habilitierte Künstler ist gleichzeitig Direktor des chinesischen Skulptureninstituts. Die Bronze-Statue mit einer Höhe von immerhin 3,85 Metern bringt fast eine Tonne Gewicht aufs Podest. Sie steht im Wuppertaler Engelsgarten in der Nähe des Geburtshauses von Engels zwischen Oper und historischem Zentrum und zeigt den Gesellschaftstheoretiker und Philosophen in Denker-Pose.

 

Zeng Chenggang Skulptur Friedrich Engels im Engelsparks Wuppertal. Bronzefigur auf Stahlsockel, Foto Neumann © Stadt Wuppertal, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


Für die in Trier geplante Sonderausstellung im Jubiläumsjahr 2018 erwarten die Kuratoren über 150.000 Besucher. Einen beträchtlichen Teil davon dürften chinesische Touristen ausmachen. Bereits seit Jahren, Tendenz steigend, suchen sie zu Tausenden das Geburtshaus von Karl Marx in Trier auf.
     Hinter dieser bemerkenswerten Entwicklung verbirgt sich ein neuer chinesischer Reisetrend, wie das Düsseldorfer Handelsblatt feststellte. Das Wirtschaftsblatt zitiert den Sozialforscher und Direktor der Pekinger Chinese Academy of Social Sciences, Zhang Guangrui, der die neue Reisevorliebe seiner Landsleute „Roten Tourismus“ nennt. Im Visier der Nostalgiker aus China: Stätten und Sehenswürdigkeiten aus den Zeiten des ehemals real existierenden Kommunismus oder seiner Wurzeln - und zwar weltweit, so etwa in Russland, Kuba und Frankreich, aber eben auch in Deutschland.
     Zugpferde sind hier die Geburtshäuser der beiden in China verehrten Revolutionäre Marx und Engels, die dort so gut wie jedes Kind kennt. Ein Wachstumsgeschäft enormen Ausmaßes, wie betont wird. Nach Zhang, so das Handelsblatt, hätten im Jahr 2015 bereits 1,2 Millionen Chinesen derartige Erinnerungsreisen gebucht.
cpw


Wu Weishan (*1962) ist Kunstprofessor und unter anderem Leiter der Kunsthochschule der chinesischen Stadt Nanjing sowie Direktor des Nationalen Kunstmuseums Chinas in Peking. Wu ist für abstrakte Arbeiten bekannt. Bislang schuf der Künstler rund 500 Statuen historischer Persönlichkeiten. Seinen Stil bezeichnet er selbst als Freihand-Bildhauerei ("freehand sculpting"). Es ist ein stilistischer Mix aus realistischer Darstellung und abstrakter Kunst, bei dem traditionelle chinesische Elemente mit modernen, innovativen Kunstformen verknüpft werden.


Zeng Chenggang (*1960) ist einer der führenden Bildhauer in China, Kunstprofessor, Präsident des Chinesischen Bildhauerinstituts, Vizepräsident des Chinesischen Künstlerverbandes und Vorsitzender der Abteilung Bildhauerei der Akademie für Kunst und Design der Tsinghua Universität, Peking. Er war 2008 bei den Olympischen Sommerspielen in Peking für Kunst im öffentlichen Raum zuständig. Zeng ist vielfach ausgezeichnet worden. Darunter 2010 in Deutschland mit dem NordART-Preis.


Handelsblatt 16. Januar 2017, S. 16 „Marx und Engels locken Touristen“

 

 

 


  

LOST

IN 
NOTHINGNESS

 

SANDRA 

ACKERMANN

 

24.03. - 06.05.2017
 

GALERIE VOSS

 


 

 

 

 


 

 

 

 

 

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