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rheinische ART 08/2021

 LE CORBUSIER 
Der Farbenversteher


Nie mehr weiß streichen? Wer die Wirkung der Architekturfarben von Le Corbusier und die möglichen Farbabstimmungen einmal gesehen hat, könnte auf den Gedanken kommen.

 

Der Weltbaumeister Le Corbusier vor dem Paravent in der Halle des Wohnhauses Immeuble Molitor, 1959, Foto © Willy Rizzo, Bildquelle © Zürcher Hochschule der Künste/ ZHdK.ch Ausstellung Le Corbusier und die Farben 2021

 

Der Universalkünstler und einflussreiche Architekt des 20. Jahrhunderts, hat sich sein Leben lang mit Farbe, ihrer räumlichen Eigenschaft, Wirkung und ihrer assoziativen Kraft beschäftigt. Für den gebürtigen Schweizer war klar: „Die Farbe ist in der Architektur ein ebenso kräftiges Mittel wie der Grundriss und der Schnitt. Oder besser: die Polychromie, ein Bestandteil des Grundrisses und des Schnittes selbst.“

 

Der gebürtige Schweizer Charles-Édouard Jeanneret-Gris, genannt Le Corbusier. Foto © Wikipedia gemeinfrei

 

Le Corbusier machte Vielfarbigkeit zum integralen Bestandteil seiner architektonischen Konzeptionen und entwickelte eine abgestimmte Farbklaviatur.

     Angewendet gipfelte schließlich alles in seinem Zürcher Ausstellungspavillon, heute ein museales Baudenkmal und das letzte Gebäude, das der Großmeister vor seinem Tode 1965 entwarf (mehr).

     Und genau dort zeigt derzeit die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) eine Ausstellung zur Farbenlehre des Architekturstars unter dem schlichten Titel: Le Corbusier und die Farbe.


Die Exposition zeichnet mit rund 100 Fotografien, Originalen und Plänen die wichtigsten Stationen von Le Corbusiers „Polychromie architecturale“ nach – also den Architekturfarben, wie er sie nannte. Die Schau verdeutlicht, dass diese genialen wie einzigartigen Kompositionen nichts an Aktualität und Faszination eingebüßt haben. Drei großformatige Installationen bieten darüber hinaus ein sinnliches Farberlebnis.

 

Verhalten und elegant Maison La Roche in Paris von Le Corbusier, Baujahr 1928. Blick in die Wohnräume des Eigentümers Raoul La Roche. Der Bankier schenkte das Haus, heute ein Museum und seit 2016 UNESCO-Weltkulturerbe, der benachbarten Foundation Le Corbusier. Foto © rheinische ART 2021

 

Diese Ausstellung läßt keinen Zweifel aufkommen: Hier wird nicht dem Baumeister, Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Möbeldesigner und Buchautor gehuldigt, sondern dem Künstler, dem Maler Le Corbusier (1887–1965), der er schließlich auch immer war.

     Aus dieser Rolle heraus entwickelte der geschulte Graveur und Ziseleur bereits 1931 seine erste Farbskala, bestehend aus 43 Architektur-bezogenen Farben in zwölf Stimmungen. Die versah er mit eingängigen, fast romantisch wirkenden Bezeichnungen wie Himmel, Raum, Samt und Sand.

 

Individuelle Ästhetik und originelle Farbgestaltung. Hotelzimmer Miramonte Bad Gastein, designet mit „Polychromie architecturale“ durch den Farbproduzenten Keimfarben GmbH, Foto © Keimfarben GmbH, Dierdorf

 

Sein Farbfächer war ein Kind jener Zwischenkriegsjahre, die weder neumodern schneeweiß noch farblos daherkamen, sondern starke „Colori“ kannten und forderten.

     Denn die lange gültige hierarchische Farbstufung des 19. Jahrhunderts war längst überwunden. Statt der vielerorts praktizierten Farbregeln - für öffentliche Bauten und Kirchen reinweiss, Bürgerhäuser gefällig pastellig und der Rest in Erdtönen - galt bunt und kontrastreich als angesagt.

     1959 ergänzte der Meister der Farbverwendung sein normiertes System um 20 weitere, tiefe, dynamische Farbtöne: leuchtende Buntnuancen kamen hinzu, erdige, kraftvolle Farbwerte und sattes Schwarz. „Farbe ist ein Auslöser starker Wirkung. Farbe ist ein Faktor unserer Existenz“, ließ er verlauten.

     Die Schöpfungen hatten im Übrigen auch einen ökonomischen Hintergrund. Alle Entwürfe fertigte Le Corbusier für die renommierte Tapetenfabrik Salubra. Die produzierte Corbusiers Farbensymphonie auf Tapete rund sieben Jahrzehnte lang.

 

Betörende Farbigkeit gekonnter Stilmix und hipper Retrochic: Designhotel Miramonte in Bad Gastein/ Österreich mit Farbgestaltung durch „Polychromie architecturale“ der Firma Keimfarben GmbH, Foto © Keimfarben GmbH, Dierdorf

 

Farbauswahl und -kombinationen zur „Polychromie architecturale“ traf Le Corbusier rein subjektiv, aufgrund von Inspirationen aus der Natur und seinen Erfahrungen als Maler und Architekt. Er war bekanntlich begeistert von den ausgeglichenen Couleurs der Natur.

     Seine Farbkonzepte stellte er emotional und mit künstlerischem Auge auf der Basis von natürlichen Pigmenten zusammen. Diese Pigmentfarben sind bis heute Ausdruck der Ursprünglichkeit und Natürlichkeit, ein ewig gültiges Farbsystem mit einer einzigartigen Ästhetik. Alles ist in von großer Schönheit, Kraft, Klarheit und Aktualität, zusammengefasst in einer Skalierung, deren einzelne Töne harmonisch miteinander kombinierbar sind.

     Le Corbusiers „Polychromie architecturale“ beansprucht für sich nichts weniger als zwei Funktionen: sie ist Kunstwerk und praktisches Werkzeug in einem.

 

Von der harmonischen Vielfarbigkeit und den unterschiedlichen Helligkeitswerten haben sich Künstler, Designer, Innenarchitekten, Baumeister und Bauherren immer wieder fasziniert gezeigt. Weltweit wurden und werden sie genutzt. In Hotels, Verwaltungs- oder Firmensitzen, in den Wohnräumen von Kunstsammlern, -mäzenen und Managern wie etwa dem Pariser Bankier Raoul La Roche sowie in Fabrikanlagen. Und in jenen extravaganten Villen indischer Industrieller, die sich diese vom Franko-Schweizer in den Fünfzigerjahren errichten ließen (mehr).

 

Der Pavillon in Zürich ist das letzte von Le Corbusier entworfene Gebäude. Es ist Ort der Ausstellung Le Corbusier und die Farbe und Beispiel für sein polychromes Gestaltungskonzept. Die Konstruktion besticht außen durch leuchtende Emailpaneele in kräftigen Grundfarben, innen dominieren ruhigere Eigenfarben von verwendeten Materialien wie Schiefer und Holz. Foto © Zürcher Hochschule der Künste 2021

 

Es gibt nur wenige Orte, die die Kraft, Dynamik und Zeitlosigkeit der 63 pigmentreichen Corbusier-Couleurs überzeugend verdeutlichen. Einer ist der Corbusier-Pavillon in Zürich; ein einzigartiges Farberlebnis und ein Beispiel für gebaute Lebensfreude. Es ist das begehbare architektonische Vermächtnis des Meisters. Das Gebäude reflektiert die harmonische Einheit von Le Corbusiers Architektur, seinen Skulpturen, Gemälden, Möbeln, Farbwahlen und Schriften und kann als ein Gesamtkunstwerk gesehen werden.

rART/cpw


Die zweijährige Restaurierung und Instandsetzung des heutigen Museums erfolgte nach erhaltenen Befunden und Plänen und wurde in Regie von Les Couleurs® Le Corbusier, dem weltweit exklusiven Lizenzgeber der originalen Le Corbusier Farben, mit mehreren Fachunternehmen durchgeführt.
 

Die Ausstellung Le Corbusier und die Farbe endet am  28.November 2021.

Pavillon Le Corbusier
Museum für Gestaltung Zürich

Höschgasse 8
8008 Zürich /
 CH
Tel +41 43 446 67 17
Öffnungszeiten
DI–SO 12–18 Uhr
DO 12–20 Uhr

 

Pandemiebedingte Regelungen sind zu erfragen.

 

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