rheinische ART
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rheinische ART 04/2022

LIMES TOTAL
Heimat „locus Bonna“

 

Wie lebte es sich eigentlich in dem kulturell so hoch entwickelten Römischen Reich, wenn man nicht südlich der Alpen stationiert war, sondern weit nördlich davon? Zum Beispiel im heutigen Bonn? Offenbar nicht schlecht!

 

Lebensbild des Bonner Legionslagers. Gestaltung: Mikko Kriek Foto © LVR Landesmuseum Bonn 2022

 

Dieser Frage geht derzeit eine umfassende Ausstellung nach und belegt mit großartigen Exponaten, dass Bonn ein „guter Platz“ war. Tatsächlicher Anlass dieses frischen Blicks auf neue Fundergebnisse und wissenschaftliche News ist die Ernennung der 400 Kilometer langen Grenzlinie „Niederrheinischer Limes“ zum UNESCO-Welterbe letztes Jahr. 44 archäologische Fundplätze zwischen Bad Breisig und Katwijk in den Niederlanden, davon 19 in NRW, wurden damit zu Welterbestätten gekürt.

     Daher bezieht die Schau auch ihren Titel: Leben am Limes. Es ist einer der Untertitel eines Ausstellungspakets zum Generalthema "Roms fließende Grenzen", die im Rahmen der 7. Archäologischen Landesausstellung NRW 2021/2022 im LVR-LandesMuseum Bonn gezeigt wird. Insgesamt widmen sich fünf Museumsorte in Nordrhein-Westfalen mit spezifischen Ausstellungen der Thematik (s. unten).

 

Seltene Glasgefäße aus einem römischen Brandgrab, 2. Jh. n. Chr. aus Zülpich, Foto © LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel 2022

 

Goldene Armringe und Goldmünzen aus dem Bonner Legionslager, Mitte 4. Jh. n. Chr., Foto © LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel 2022

 

Klappmesser mit Bernsteingriff in Form einer Herkulesfigur, aus einem Sarkophag, gefunden in Zülpich, 3. Jh., Foto © LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel 2022

 

Schon vor 2000 Jahren, das weiß der Landeskundige, war das Rheinland ein Schmelztiegel, in dem unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen aufeinandertrafen – und ein „Multikulti-Milieu“ der Antike schufen.

     Sie kamen aus allen Regionen des Imperium Romanum, aber auch aus den benachbarten Gebieten Gallien und Germanien an den Strom. Insbesondere in der Nähe der Legionen, die an vielen Orten und Grenzregionen des Reiches wie in Bonn, Köln, Neuss und Xanten stationiert waren, siedelten Menschen an.

     Was zog sie hierher? Wie wohnten, arbeiteten, wirtschafteten sie? Wie waren sie zu Land und zu Wasser und auch über die „nasse Grenze“ des Rheins hinweg miteinander verbunden?

 

Da ist der ehemalige Legionsstandort Bonn ein besonders interessantes Beispiel. Denn er hatte mit einer Nutzung vom ersten bis weit ins fünfte Jahrhundert hinein eine außergewöhnliche urbane Kontinuität über fast die gesamte Zeit römischer Präsenz am Rhein.
     Obwohl im Gegensatz zu anderen Römerorten in Bonn obertägig kaum noch etwas an die römische Zeit erinnert, stößt man unter Tage auf eines der am besten erhaltenen Legionslager nördlich der Alpen, betonen die Kuratoren des LVR-Landemuseums.

     Funde wie Schmuck, Waffen, Grabmonumente, Wandmalereien und Alltagsgegenstände berichten vom Leben der Menschen, die im „locus Bonna“ ihre Heimat fanden. Ergänzt wird die Präsentation durch ein Limesmodell, Filme und Medienstationen, die die antiken Schauplätze an der Grenze des Römischen Reiches anschaulich machen.


Der Grabstein des römischen Hauptmanns Marcus Caelius, nach 9 n. Chr., Foto © LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel 2022

 

Die Römer errichteten  spätestens unter Kaiser Claudius (reg. 41-54 n. Chr.) im heutigen Stadtteil Bonn-Castell ein Legionslager. Der Standort unmittelbar am Rhein war logistisch günstig gewählt, denn Baumaterial und Nachschub konnten über den Fluss schnell herangebracht werden.

     Zudem verlief hier die sog. Limesstraße (mehr). Sie verband Militärorte und Städte am Rhein miteinander. Die hochgerüsteten Heere  lockte Zivilisten an. Sie wohnten in der Lagervorstadt, den südlich des Lagers gelegenen canabae legionis. Dort lebten auch die Familien der Legionäre. Weiter im Süden, in etwa zwei Kilometer Entfernung zum Legionslager, lag eine zweite Siedlung, der vicus. Mit ungefähr 80 Hektar war er eine der größten Siedlungen im Rheinland.

     Vermutlich lebten im 2. Jahrhundert bis zu 10.000 Einwohner allein im vicus. Dazu kamen rund 6.000 Soldaten und ihren Familien sowie Menschen aus Handwerk, Handel und Gewerbe - also mindestens noch einmal so viele in den canabae legionis.

 

Maske des Flussgottes Rhenus aus Bonn, 2. Jh. n. Chr., LVR-LandesMuseum Bonn. Foto © LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel 2022

 

Als Zentralarchiv der archäologischen Bodenfunde im Rheinland verwahrt das LVR-LandesMuseum Bonn einen Großteil der Sachkultur aus den Militärstandorten und zivilen Siedlungen am Rhein und im Hinterland. Das umfassende Fundspektrum zeugt von einer bunten, multikulturell geprägten und überregional vernetzten Welt an der Grenze des Imperium Romanum.
     Die in Kooperation mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland entwickelte Ausstellung beinhaltet Funde, die ein Schlaglicht auf den Alltag werfen, also auf die antike Lebenswelt einer versunkenen Epoche. Aktuelle Themen, wie Mobilität, Migration und Gesellschaftsdynamik – so wird betont – werden im Spiegel der Vergangenheit greifbar und schärfen das Verständnis für die Jetztzeit.
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Die Archäologische Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL), dem Landesverband Lippe und der Stadt Köln.


Die Ausstellung "Roms fließende Grenzen. Leben am Limes" im Rahmen der 7. Archäologischen Landesausstellung NRW kann bis zum 29. Mai 2022 besucht werden.
LVR-LandesMuseum Bonn
Colmantstraße 14-16
53115 Bonn
Tel 0228 – 2070351
Öffnungszeiten
DI – SO 11.00 – 18.00 Uhr

 

Das Generalthema „Roms fließende Grenzen“ wird an fünf Standorten mit fünf unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt.
DETMOLD 24.09.2021—27.02.2022 Lippisches Landesmuseum Detmold
XANTEN 30.09.2021—16.10.2022 LVR-Archäologischen Park Xanten
BONN 25.11.2021—29.05.2022 LVR-LandesMuseum Bonn
HALTERN AM SEE 25.03.2022—30.10.2022 LWL-Römermuseum Haltern am See
KÖLN 29.04.2022—09.10.2022 Kulturzentrum am Neumarkt

 

  Literaturhinweis/ Katalog für alle fünf Ausstellungen:
Roms fließende Grenzen - Archäologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen 2021/2022; hrsg. von Claßen, Erich / Rind, Michael M./ Schürmann, Thomas / Trier, Marcus. Hardcover, 584 S. mit 410 farb. Abb., 22 x 29 cm, geb., Verlag wbg Theiss, Darmstadt.2021; Preis 40,00 €; Museumsausgabe 29,90 € (Nur in den Museumsshops erhältlich). ISBN 978-3-8062-4428-1

 

 

 

 

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