rheinische ART
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rheinische ART 12/2012

 

ARCHIV 2013

Bauen als Kunst – eine Werkschau Richard Meiers im Arp-Museum Rolandseck

 

Licht ist Leben

 

 

Treppenhaus, Arp Museum Bahnhof Rolandseck Foto: Roland Halbe

 

Seine Bauwerke sind markant und unverwechselbar: Stets reinweiß, in strengen geometrischen Formen, mit lichtdurchfluteten Innenräumen – selten einmal anders. Das Licht, so wird der amerikanische Bau-Künstler und Stararchitekt Richard Meier oft zitiert, sei das Wichtigste, eine Quelle des Lebens. Das Arp Museum, einziges deutsches Kunsthaus mit Gleisanschluss, feiert sich selbst zu seinem fünfjährigen Bestehen und gleichzeitig jenen Mann, der den spektakulären Museumsneubau 2007 regelrecht in das romantische Rheintal bei Bonn hinein komponierte.

 

„Unser Museumsneubau ist in dieser Ausstellung selbst das wichtigste Ausstellungsstück, das man durchstreifen und dabei die Kompositionsprinzipien Richard Meiers buchstäblich am eigenen Leib erfahren kann“, betont Museumsdirektor Dr. Oliver Kornhoff. Baumeister Richard Meier hatte bereits zur Eröffnung des Hauses seine Intention und seine Verbindung zum Namensgeber des Museums klar zum Ausdruck gebracht: „Meine offene und transparente Architektur schafft fließende Übergänge von innen nach außen und reflektiert dieselbe Verbindung zur Natur wie sie in den Werken von Hans Arp zum Ausdruck kommt.“

 

Parcours der Architekturkompositionen

 

Museums- und Ausstellungsbauten des Amerikaners bilden den Schwerpunkt der Schau im Arp-Museum. Die Präsentation zeigt exemplarisch den unverkennbaren Stil und Charakter der Meier´schen Architekturkompositionen. In Form eines Parcours entlang der fünf Themenbereiche Ort, Licht, Farbe, Weg und Proportion werden die vielfältigen Medien der Entwurfsprinzipien Meiers erkennbar. Hauptattraktion sind die aufwändigen, in großem Maßstab ausgeführten Holzmodelle, die im Arbeitsprozess des Architekturbüros eine wichtige Rolle spielen und die sonst nur in Meiers New Yorker Showroom für ausgewählte Personen zugänglich sind.

 

Ausstellungsansicht - Foto David Ertl

 

Das Kunstmuseum am Bahnhof Rolandseck war nicht Meiers erster Museumsbau in Deutschland. Zu vermuten ist aber, dass ihn die ungewöhnliche wie exponierte Lage des Neubaus faszinierte und herausforderte. Denn die Idee war, quasi einer Prozession gleich „… unter den Gleisen hindurch zu gehen, dann durch einen Tunnel, und schließlich auf den Berg hinauf“, in das Museum hinein. So beschrieb Meier später seine Planungen für den Gesamtkomplex. Architektur als Kunst an sich, komponiert wie ein Musikstück oder ein abstraktes Kunstwerk.

   Zu Meiers bereits früher realisierten Ausstellungshäusern im Lande gehören das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst (1985), das Ulmer Stadthaus am dortigen Münsterplatz (1994) und das Museum Frieder Burda in Baden-Baden (2004). Als seine bedeutenden Bauwerke in Deutschland gelten ferner das SiemesForum München (2000) und das Hamburg-Amerika-Center in Hamburg (2009).

 

Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2010
Foto: Laura Padgett

 

Jubilee Church, Rom - Foto: Scott Frances ESTO

 

Museum für Zeitgenössische Kunst, Barcelona
Foto: Scott Frances ESTO

 

New York Five

 

Seine Karriere begann der 1934 in Newark, New Jersey, geborene Richard Meier mit dem Bau privater Villen für wohlhabende Amerikaner. Stilistisch orientierte er sich an der Architektur der Klassischen Moderne, an Wohnhausentwürfen von Le Corbusier und weniger am Bauhausstil. Saltzman House (New York) und Douglas House (Michigan) sind frühe Zeugnisse seiner bis heute im Wesentlichen unveränderten Auffassung vom Bauen. Diese Orientierung verband ihn mit den vier anderen zeitgenössischen Großen der US-amerikanischen Baumeister-Gilde, die gemeinsam die Architektengruppe „New York Five“ bildeten: Peter Eisenman (Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin 2005), Michael Graves, John Hejduk und Charles Gwathmey.

   Meier realisierte zahlreiche öffentliche Bauprojekte wie Stadthallen und Gerichtsgebäude, daneben auch Firmenkomplexe und Wohnungen. Den internationalen Durchbruch erreichte er ab Mitte der 1970er Jahre als Museumsarchitekt. Dem Atheneum (1979) in New Harmony, Indiana, folgten zahlreiche andere Museumsgebäude, von denen das Getty Center in Kalifornien (1988) nicht nur das berühmteste ist, sondern wohl auch der größte Privatauftrag, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an einen Architekten vergeben wurde. Getty Center bedeutete für Richard Meier allerdings auch eine erstmalige Abkehr vom Grundsatz, nur in Weiß zu bauen. Die vom Bauherrn geforderte landschaftsadäquate Gebäudefarbe mündete in der Kompromisslösung „Getty White“, einem speziell kreierten hellen Ocker. 1984 wurde Meier mit dem Pritzker Architekturpreis ausgezeichnet, 2006 mit dem Honour Award des American Institute of Architects (AIA) für die Erweiterung der Kunsthalle Frieder Burda in Baden-Baden.

 

Ganzheitliches Denken

 

Weniger beachtet wird allgemein Meiers Rolle als Designer. Als ganzheitlich denkender Kreativer hat Meier stets auch die Innenausstattung seiner Objekte im Blick, und stimmt diese auf seine Architektur ab. Eine Denkschule für diese Auffassung von Bauen dürfte für Meier seine zeitweise Tätigkeit für den legendären deutsch-amerikanischen Architekten und Designer Marcel Breuer (1902-1981) gewesen sein. Zu Meiers Design- und Kunstobjekten gehören Möbel, Fenster, Türen, Uhren, Geschirr, die er für europäische und amerikanische Unternehmen wie u.a. Alessi, Reed & Barton oder Knoll International entworfen hat.

Klaus M. Martinetz


Die Ausstellung Richard Meier. Building as Art wird bis zum 3. März 2013 gezeigt.

Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
53424 Remagen
Tel. 02228 / 94 25 0
Öffnungszeiten:
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

 

 

©Fotos Arp-Museum

 

 

 

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