rheinische ART
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rheinische ART 08/2019

MASKENZAUBER
Kunst der Verwandlung


Das menschliche Gesicht und seine Verhüllung, Verschleierung und Veränderung mittels Masken ist ein schier unerschöpfliches Thema.

 

Gauri Gill Untitled (32), from Acts of Appearance 2015 – heute, Pigmentdruck, 41 x 61 cm, © Gauri Gill 2019

 

Erst jüngst endete in der Bonner Bundeskunsthalle die Michael Jackson-Schau, die auch – zwangsweise – das „zweite Gesicht“ des umstrittenen Künstlers zum Gegenstand hatte. Sein durch zahlreiche Schönheitsoperationen maskenhaftes Antlitz zeigt sich so, wie Masken immer wirken: verdeckend und täuschend (mehr).

 

Cindy Sherman ohne Titel #472, 2008, Farbfotografie, 169,9 x 127 cm (gerahmt), Courtesy die Künstlerin Sprüth Magers & Metro Pictures, New York, © Cindy Sherman

 

Nun ruft das Bonner Kunstmuseum zum Besuch eines regelrechten Maskenzaubers.
     „Maske. Kunst der Verwandlung“ titelt diese Ausstellung, die stark bestückt ist und Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten präsentiert.

     Das Interessante an dieser ewigen Thematik: Es werden mehrere Positionen gezeigt, die auf der letzten documenta in Kassel zu sehen waren. Ferner Arbeiten von Künstlern wie zum Beispiel der Inderin Gauri Gill (*1970), die aktuell in Venedig auf der Biennale mit Fotoarbeiten vertreten ist. In Summe nichts aus der Abteilung „Mummenschanz“, vielmehr – so die Kuratoren – Künstler aus Dadaismus, Expressionismus und Surrealismus mit Interesse an und Werken über afrikanische Masken sowie Gegenwartskreative aus Asien und Afrika, die das Sujet aufgegriffen haben.

 

Miriam Cahn misstrauisches tier, 1996, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm; G+W Collection, Courtesy Tlön Projects, © Miriam Cahn, Foto Katarina Dunst 

 

Martine Gutierrez Masking, Green-Grape Mask, p57 aus Indigenous Woman, 2018, C-Print auf Sintra montiert, 50,8 x 40,6 cm, Courtesy die Künstlerin und RYAN LEE Gallery New York © Martine Gutierrez

 

Wiebke Siem ohne Titel, 2001, Schaumstoff, Stoff, Abachiholz, Leinengarn, Sammlung Kerstin Hiller und Helmut Schmelzer, Leihgabe im Neuen Museum Nürnberg, Foto Stefan Alber
 

Das maskierte Individuum sowie der Akt des Tragens einer Maske stehen im Fokus dieser Ausstellung internationaler Kunst, wie es in Bonn heißt.

     Der Blick richtet sich gleichwohl auch auf den politischen und gesellschaftlichen Kontext der Maskierung. Und deshalb werden neben den erschreckenden, geheimnisvollen oder grotesken Masken eben auch Fragen nach Geschlechterrollen und Identitäten gestellt.

 

Bekanntlich kommen in allen Kulturen der Welt Masken in unterschiedlichsten Ausformungen und Funktionen zum Einsatz. Aufgesetzt auf ein Gesicht verwandelt eine „Larve“ die maskierte Person in etwas Neues und fungiert zugleich als Membran zwischen Individuum und Welt, Innen und Außen, Sichtbar und Verdeckt.

     Nach der Kunst der Moderne widme sich die Kunst der Gegenwart auffallend oft der Maske, wird in der Ausstellung hervorgehoben. So etwa, wenn Frauen als Projektionsfläche entweder in die Rolle eines Lustobjekts oder einer Leinwandikone gestellt werden, einer Maskierung also, die ihr von Männer übergestülpt werden.

     Die Objektkünstlerin Wiebke Siem (*1954) nutzt dies, um groteske Bilder von männlichen wie weiblichen Projektionsmythen und Geschlechter-Identitäten zu schaffen. Stoffpuppen mit babyrosa Brüsten und riesigen Penissen verdeutlichen den Besuchern: Masken auch hier.

 

Ist Identität nicht auch ein Phantasma? Mit dieser Frage beschäftigt sich die amerikanische Fotografin Cindy Sherman (*1954), bekannt für Kostümierungen und Selbstportraits, schon seit mehr als 40 Jahren. Sherman hat nahezu die gesamte Palette weiblicher Identifikationsmodelle durchleuchtet – Hausmütterchen, Dramaqueen, Girl Next Door, Businessfrau, Transgender oder Society Lady. Alles Fake – und alles wahr. 

     Es geht auch wesentlich zahmer. Die Amerikanerin Martine Gutierrez (*1989) kommt nicht mit ihren erotischen Pin-ups sondern mit einer Gemüse-Obst-Maske, wie man sie eher als Werbung für die Frischetheke eines Lebensmittel-Discounters verstehen könnte.
bra


Die Ausstellung zeigt Werke von Ed Atkins, Miriam Cahn, Claude Cahun, Eli Cortiñas, Max Ernst, Gauri Gill, Martine Gutierrez, Hannah Höch, Merit Oppenheim, Cindy Sherman, Wiebke Siem, Rosemarie Trockel, Gillian Wearing u.a.

 

Die Ausstellung „Maske. Kunst der Verwandlung“ wird bis zum 25. August 2019 gezeigt.
Kunstmuseum Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn
Tel 0228 / 776 260
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr
MI bis 21 Uhr

 

 
 

 

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