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rheinische ART 09/2015

Archiv 2015

NANNUCCIS NEONS
Leicht, leuchtend, schwebend


Konzeptuelle Kunst mit Gas? Ist möglich! Der Werkstoff heißt konkret Neon und ist seit 1912 in der Werbebranche weit verbreitet. Er sorgt in Leuchtstoffröhren für klare, glänzende und wie mit einer besonderen Aura versehene Illuminationen. Kunst mit Neon-Installationen ist eine Spezialität des italienischen "Lichtmagiers" Maurizio Nannucci.

 

Maurizio Nannucci The missing poem ist the poem (Das fehlende Gedicht ist das Gedicht), Licht-Installation in der Schau „Where to Start From“. In drei aneinandergrenzenden Räumen leuchtet der Schriftzug harmonisch mit dem roten, gelben oder blauen Raumlicht und kann jeweils unterschiedlich wahrgenommen werden. Foto © MAXXI Rom, Musacchio & Ianniello 2015

 

Seit Mitte der Sechzigerjahre Jahre nutzt Maurizio Nannucci (*1939), der zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern Italiens gerechnet wird, Neonlicht und produziert Licht-Installationen mit Texten.

     Mit einer großen Retrospektive feiert derzeit in Rom das Nationale Museum der Künste des 21. Jahrhunderts (MAXXI) den Wort- und Lichtakteur. Die Ausstellung trägt den Titel „Where to Start From“ und fasst über dreißig Arbeiten, darunter drei Neuinstallationen, aus allen Schaffenssperioden des Experimentalkünstlers zusammen.

 

Wörter in Licht Nannucci bezog in seiner Frühphase zunächst seine Impulse aus der modernen Leuchtreklame der Städte, vor allem in Form des Plakativen und Schrillfarbigen. Weiteren Einfluss übte ferner der "Vater der Konzeptkunst", der US-amerikanische Minimalismus-Künstler Sol LeWitt, aus. Seine reine Lichtkunst erweiterte Nannucci später um die sprachliche Komponente, er fasste vieldeutige Sätze oder Wortgruppen in Neonröhren-Montagen zusammen. Diese Licht-Arbeiten mit Texten aus Neon-Schriftzügen zählen heute weltweit zu den herausragenden Beispielen in der konzeptuellen Kunst.

 

Maurizio Nannucci Installation in der Ausstellung „Where to Start From“ Foto © MAXXI Rom, Musacchio & Ianniello 2015

 

Lichtkunst mit Kunstlicht Im Zentrum von Nannuccis Arbeit stehen Schriften, meist mehrdeutige Sätze, realisiert mit farbigen Neonröhren. In der Regel findet italienisches Murano-Colorglas Verwendung, das mit speziellen Techniken in italienischen Glasereien gefertigt wird und sich durch eine besondere Brillanz auszeichnet.

     In seinen bunten „Leuchtwerken“ setzt Nannucci, der auch Fotograf und Videoproduzent ist, Wort-Bilder in fließende Neon-Schriftzüge um und sorgt somit für eine Kombination von Farbe, Zeichen und Bedeutung. Die gefärbten Glasröhren und das Neonlicht verschärfen für den Betrachter die visuelle Wahrnehmung. Neben der Sprache ist für Nannucci vor allem die Farbe von Bedeutung, da sie innerhalb seines künstlerischen Konzeptes durch das grell-fluoreszierenden Neonlicht verstärkt und somit „integraler Bestandteil der Schrift“ wird. Die fluorezierenden Lettern werden teils von Klangwellen begleitet, die aus der Sound-Installation "Sample Sounds" stammen und je nach Standort des Betrachters den Wortklang ändern.

 

Maurizio Nannucci Installation Something happend Foto © MAXXI Rom, Musacchio & Ianniello 2015

 

Der Inhalt seiner Schriftarbeiten beschränkt sich aber nicht auf eine begriffliche Analyse der Wirklichkeit. Vielmehr verbindet er auf poetische Weise Sprache, Vorstellungsvermögen und Reales, zum Beispiel in der Aussage „Light and beauty are two unquestionable facts“ oder verdreht allgemeingültige Auffassungen so, dass ein Widerspruch zwischen Text und Realität entsteht: Mit Sätzen wie “You can imagine the opposite”, “All has to be done” oder “Listen to your eyes” zwingt der Künstler den Betrachter, das visuell Wahrgenommene durch die eigene Vorstellungskraft zu ergänzen.

 

Maurizio Nannuccis vieldeutig Botschaft: Kunst ist More than meets the eye. Installation des Licht-Künstlers mit großen Leuchtbuchstaben an der Außenseite des MAXXI im Rahmen der Schau "Where to Start From". Foto © MAXXI Rom, Musacchio & Ianniello 2015

 

Entwicklungsschritte  Der gebürtige Florentiner gilt als einer der großen noch lebenden Neon-Lichtkünstler und als einer der experimentierfreudigsten. In den 1970er Jahren begann er, seine großräumigen Lichtinstallationen an öffentlichen urbanen Gebäuden und in der Landschaft zu etablieren. Ab 1990 kombinierte Maurizio Nannucci seine Kunst mit der Arbeit internationaler Architekten, darunter Mario Botto, Stephan Braunfels und Renzo Piano, die seine Neon-Installationen in Innen- und Außenbereichen von Gebäuden einsetzten.

     In Berlin wurden Nannucci-Neons zweimal montiert. Einmal über dem Hauptportal des Alten Museums und einmal als Licht-Installation „Blauer Ring“ in der Bibliotheksrotunde des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Deutschen Bundestages.

 


Maurizio Nannucci Neontext-Installation All art has been contemporary im Alten Museum in Berlin. Foto © Wikipedia, Jorge Láscar 2009

 

Lichtbrücke In nur einem Fall, in Magdeburg 2007, baute Nannucci „über Wasser“. Im Rahmen des Projektes „Die Elbe (in)between“ wählte er dort eine stillgelegte Eisenbahnbrücke, die historische Magdeburger Hubbrücke von 1847, zum Träger seiner kontextbezogenen Neon-Arbeit. Er schuf mit dem zweifarbigem Textbild „Von soweit her bis hierhin“ (Sicht nach Norden blau) und „Von hieraus noch viel weiter“ (Sicht nach Süden rot) eine weithin sichtbare Licht-Brücke über den Fluss.

     Mit seinen Arbeiten war Nannucci bereits mehrfach auf der Biennale in Venedig und auf der documenta in Kassel vertreten, ferner auf den Biennalen von São Paulo, Sydney, Istanbul und Valencia. Neon-Kunst von ihm ist weltweit in über 300 Museen und Galerien ausgestellt und in zahlreichen Sammlungen vertreten, unter anderen in der Fondazione Guggenheim Venedig, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München, den Berliner Museen, der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages oder dem Museum of Fine Arts, Boston.
Klaus M. Martinetz

 

Das MAXXI-Museum, in dem ausschließlich zeitgenössische Kunst gezeigt wird, wurde von der Stararchitektin Zaha Hadid entworfen und stellt an sich - allerdings umstritten - schon ein Kunstwerk dar. Der unkonventionelle Bau mit einer Schaufläche von über 20.000 Quadratmetern gilt als eines des größten Museumshäuser der Welt. Es wurde nach zehnjähriger Bauzeit am 30. Mai 2010 in Roms Viertel Flaminio eröffnet.

 

Die Ausstellung „Maurizio Nannucci - Where to Start From“ wird bis zum 18. Oktober 2015 gezeigt.

MAXXI

Museo nazionale delle arti del XXI secolo

Via Guido Reni 44

00196 Roma

Tel. (+39) 06 320 1954

Öffnungszeiten

DI-FR, SO 11-19 Uhr

SA 11-23 Uhr

 

 

 

 


 

 

  

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