rheinische ART
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rheinische ART 02/2021

MAX BECKMANN
„…diese gespensterhafte Welt..“*

 

Ausgewählte Werke des in Leipzig geborenen und in New York City gestorbenen Malers und Grafikers, der zu den großen Künstlern der Moderne gehört, beleuchten wichtige Stationen, Personen und Themenkomplexe aus seinem Leben

 

 

Max Beckmann Selbstbildnis mit steifem Hut, 1921, Kaltnadelradierung, Privatbesitz Deutschland © Foto Alistair Overbruck, Köln. © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Max Beckmann Frauenbad, 1922, Kaltnadelradierung, aquarelliert auf Bütten, Privatbesitz Deutschland © Foto Alistair Overbruck, Köln.© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Es ist guter Brauch, dass ein 50. Geburtstag ordentlich gefeiert wird und ein Jubilar oder eine Jubilarin sich darüber freuen.

     Bei Max Beckmann (1884–1950) war das anders. Nur eine Würdigung in den Leipziger Neuesten Nachrichten war ihm 1934 gewidmet. Seit bereits rund vier Jahren sah sich der Maler, der in Frankfurt am Main lebte und arbeitete, zunehmend Angriffen der Nationalsozialisten ausgesetzt.

     Unter dem Druck der NS-Kulturpolitik hatte man ihm im Jahr zuvor fristlos die Stelle als Professor an der Frankfurter Kunstschule („Städelschule“) gekündigt, an der er fünf Jahre gewirkt hatte.
     Bei Hildebrand Gurlitt (mehr) in Hamburg fand trotz Ausstellungsverbots dann 1936 die letzte kleine Präsentation Beckmanns in Deutschland bis Kriegsende statt. Auch andere Kunstvertreter wie unter anderem der verfemte Ex-Düsseldorfer Galerist Alfred Flechtheim (mehr) konnten nicht mehr helfen.

     Und 1937 kam dann das völlige Aus! In den Museen beschlagnahmte das NS-Regime landesweit 28 Gemälde und über 500 grafische Werke Beckmanns. Auf der am 19. Juli 1937 in München eröffneten diffamierenden NS-Propagandaschau „Entartete Kunst“ waren davon zehn Gemälde und zwölf Grafiken ausgestellt.


Max Beckmann, der sich offenbar bereits seit 1933 mit Emigrationsgedanken befasste, zog die Konsequenzen. Er ging unmittelbar nach der Ächtungsschau mit seiner Frau für zehn Jahre ins Exil nach Amsterdam. Es sollte nicht die letzte Station des großen Malers sein. 1947 ließ sich das Ehepaar in New York nieder. Dort verstarb der große expressionistische Maler und Grafiker der Zwischenkriegszeit drei Jahre später an einem Herzinfarkt.

 

Max Beckmann Selbstbildnis mit Koffer (Titelumschlag der Mappe ‚Berliner Reise´), 1922, Karton mit lithografierter Vorderseite, © Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Foto Kai-Annett Becker © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Max Beckmann Nachtgarten bei Cap Martin, 1944, Öl auf Leinwand, © Privatbesitz, Süddeutschland, by courtesy of Grisebach GmbH Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Foto: Fotostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin

 

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt die bis zum 11. April verlängerte Beckmann- Ausstellung „Day and Dream. Eine Reise von Berlin nach New York“. Die rund 140 Arbeiten befassen sich schwerpunktmäßig mit dem grafischen Werk Beckmanns und sind gleichzeitig ein Blick auf die bewegte Biografie des Künstlers.
     Die steht im Zeichen des Ersten Weltkriegs, der den freiwilligen Sanitätshelfer Beckmann traumatisierte (mehr), der Flucht aus dem NS-Staat und des Exils während des Zweiten Weltkriegs in den Niederlanden und der wenigen Jahre an der US-Ostküste. Nicht zuletzt aber auch ist Beckmanns Vita von einer ungebrochen großen Reiselust gekennzeichnet.

     Auf dem Zenit seines Schaffens in Deutschland reiste Max Beckmann ab 1926 nicht nur regelmäßig nach Berlin, sondern auch nach Paris, Italien und in die Schweiz. 1930 war er mit sechs Gemälden im deutschen Pavillon der Biennale in Venedig vertreten und fuhr erstmals an die Côte d´Azur, wo er sich in Nizza und Roquebrune/ Cap Martin aufhielt.

 

In der Ausstellung wird der Bogen von frühen Arbeiten auf Papier über fünf große Mappenwerke, darunter die titelgebende Suite Day and Dream, Einzelblätter und Gemälde bis zu einer seiner seltenen Bronzeplastiken gespannt. Die Präsentation ermöglicht Einblicke in 50 Schaffensjahre, wenn auch der Fokus auf Beckmanns druckgrafischem und zeichnerischem Werk aus den Jahren 1911 bis 1924 liegt. 

     Erstmals in größerer Auswahl ausgestellt sind Handprobedrucke, die der junge Künstler seiner ersten Frau Minna Tube zwischen 1913 und 1923 schenkte und mit persönlichen Widmungen versah.
ruwoi


*Zitat Auszug aus: „Das Wichtigste ist jedenfalls, dass man lebt und weiter so intensiv wie möglich diese gespensterhafte Welt zu einer Realität des Bildes bringt. Die einzig wirkliche Realität, die es gibt.“ Max Beckmann (Paris, 17. März 1939)


Die NS-Propagandaschau „Entartete Kunst“ war der öffentlichkeitswirksame Teil der umfassenden Jagd auf alle Andersdenkenden und wurde zum Synonym der Zerstörung der Moderne durch das „braune Regime“. Beschlagnahme und Ausstellung organisierte der Präsident der „Reichskammer der bildenden Künste“ Adolf Ziegler. Der ehemalige Maler bei der Eröffnung der Schau: "Sie sehen um uns herum diese Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtkönnens und der Entartung.“ (mehr)


Die Ausstellung „Max Beckmann – Day and Dream. Eine Reise von Berlin nach New York“ ist bis zum 11. April 2021 verlängert worden.
Max Ernst Museum
des LVR in Brühl

Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1
50321 Brühl
Tel. 02232 / 5793-0
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

 

 

 

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