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rheinische ART 05/2015

Archiv 2015

ZU GÉRARD CORBOUDS 90. GEBURTSTAG

Die Seine am Rhein

 

Der Impressionismus und das Wasser – das ist ein (fast) unendliches Thema. Bekanntlich waren alle Maler dieser Stilrichtung zeitlebens nicht nur stets von Licht und Himmel fasziniert, sondern auch vom blauen Element. Entsprechend häufig ist es eines ihrer Leitmotive gewesen, ob als Meer, See oder Fluss.

 

Paul Signac Die Seine bei Courbevoie, 1883, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Den Meistern des flüchtigen Augenblicks, der Spontaneität und Momentaneität, werden regelmäßig große Schauen gewidmet. So etwa in der Normandie, wo der Impressionismus seinen Ursprung hat, mit den großartigen Impressionisten-Festivals.

     Die letzten großen konzertierten Ausstellungen dort zogen 2013 annähernd eine Millionen Besucher in die Museen, unter anderem auch in die Häuser von Rouen und Le Havre. Sie wurden unter dem Generalthema „Impressionisten und Wasser“ bespielt (mehr).

 

Gustave Caillebotte Boote und Schuppen am Ufer der Seine, 1891, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Claude Monet Die Seine bei Asnières, 1873, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Die Seine am Rhein Wer im Rheinland in diesem Sommer impressionistische Kunst mit Schwerpunkt Wasser sehen möchte, muss nicht weit fahren – nämlich nur nach Köln.

     Denn dort hat anlässlich des 90. Geburtstages seines Stifters Gérard J. Corboud das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud Räumlichkeiten seiner "Ständigen Sammlung" in eine kunsthistorische Flusslandschaft verwandelt und lädt gefühlt zu einem traumhaften, farbenfrohen Sommerausflug an die Seine, Frankreichs berühmtesten Fluss, zu einer "Reise durch die eigene Sammlung", wie das Haus betont.

 

Malerisch "Ein Bilderstrom führt die Besucher entlang der Seine. Gustave Caillebottes Ruderboote liegen startklar am Ufer der Seine: Einsteigen, ablegen und im milden Sommerlicht geht es durch eine wilde Auenlandschaft von Renoir. Mächtige Lastkähne von Signac und Monet schieben sich stromaufwärts oder liegen voll beladen am Ufer. Etwas später passiert der Betrachter ein pittoreskes Städtchen von der Hand Morisots, um schließlich durch das galante Paris von Luce und Hayet zu treiben..."

     Das Besondere: die Exposition besteht ausschließlich aus Gemälden der Corboud-Sammlung, die französische Werke des Impressionismus, Spätimpressionismus und Pointillismus umfasst und zu den größten Kollektionen dieser Stilepoche außerhalb Frankreichs gerechnet wird.

 

Berthe Morisot Boote auf der Seine, 1879/80, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Stiftung Corboud  Schon seit seinen Anfängen hat das Wallraf-Richartz-Museum die Malerei des 19. Jahrhunderts gesammelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dann der Grundstock für eine kleine, aber erstklassige und vielseitige Sammlung französischer Gemälde gelegt, die vor allem in den 1960er Jahren noch ausgebaut werden konnte.

     Dank der „Ewigen Leihgabe“ von mehr als 170 Kunstwerken durch die Fondation Corboud 2001 wurde der Sammlungsbereich des Impressionismus und Neo-Impressionismus markant ergänzt. Der jetzt zu sehende außergewöhnliche Parcours im Herzen der „Abteilung 19. Jahrhundert“ versammelt zahlreiche impressionistische Meisterwerke und verdeutlicht dabei, wie sich die Künstler von der Seine, ihrer Nebenflüsse und deren Umgebung inspirieren ließen.

 

Auguste Renoir  Die Ufer der Seine bei Rueil, 1879, Öl auf Holz, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Neue Kunstbewegung Der Protagonist der impressionistischen Malerei ist Claude Monet (1840-1926), von dem das Wallraf-Richartz-Museum mehrere Gemälde zeigt. Seine Bilderserien und die poetischen Seerosenbilder sind weltweit enorm populäre Werke. Doch die neue Kunstrichtung war in ihren Anfängen, also ab den 1860er Jahren, alles andere als gefragt. Im Gegenteil: Das Publikum war entsetzt. Die etablierten Kritiker schrien auf, tobten und mit ihrem spöttischen Hinweis „das sind ja bloße Impressionen“ gaben sie dem neuen Stil ungewollt seinen Namen: Impressionismus.

 

Claude Monet  Frühlingsstimmung, oberhalb von Vétheuil, 1880, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Claude Monet (mehr) gehörte auch zu ersten, den die vernichtende kollektive Kritik traf. Sie entzündete sich an seinem Seestück „Impression Sonnenaufgang“ (Impression soleil levant) von 1872, das den Hafen von Le Havre im frühen Dunst bei aufgehender Sonne zeigt. Auch etablierte Künstlerkollegen zweifelten an dem neuen Stil, denn was die „wilden Maler“ der nun „Impressionismus“ getauften Kunstrichtung den Käufern und Galerien boten, kam einer Revolution gleich.

 

Maximilien Luce Notre-Dame, Ansicht vom Quai Saint-Michel aus, 1901-1904, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Die Bildausschnitte waren zufällig, lehrbuchartige sorgfältige Kompositionen wurden ignoriert, das persönliche Empfinden des Künstlers bestimmte, was auf die Leinwand kam. Alles war farbig, die Couleur Schwarz existierte so gut wie nicht.
      Zudem war die Ateliermalerei den Impressionisten ein Gräuel, sie stellten die Staffelei in der freien Natur auf und malten, was sie gerade sahen: schnell, spontan, in skizzenhaftem Malduktus. Diese Freilichtmalerei, auch als en plein air bezeichnet, ist ein besonderes Merkmal sowohl des französischen Impressionismus als auch der Künstler der Schule von Barbizon.

     Mit der Erfindung der Tubenfarbe, die es den Malern ersparte, die Farben aufwändig selbst zu mischen, verstärkte sich der Trend. Immer mehr Künstler verließen ihre Arbeitsstuben, Salons und Ateliers und zogen mit Leinwand, Palette und verschließbaren, transportablen Farbtuben im Gepäck in die Natur.

     Ihre Motive fanden und malten sie gleich vor Ort unter freiem Himmel. Eines der beliebtesten Motivgebiete war die mäandrierende Seine mit ihren Ufern von Paris bis Rouen, wie die Kölner Ausstellung eindrucksvoll unter Beweis stellt.

 

Paul Gauguin Die Seine beim Pont de Grenelle, 1875, Öl auf Holz, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

 

Der gebürtige schweizerische Unternehmer Gérard J. Corboud (*1925) lebte mit seiner aus Köln stammenden Gattin Marisol jahrelang in der Domstadt und förderte das Wallraf-Richartz-Museum bereits sehr früh. Seine berühmte Impressionisten-Sammlung entstand in den Achtzigerjahren unter Assistenz des damaligen Wallraf-Direktors Rainer Budde. Die über 170 Werke umfassende Sammlung mit teils hochkarätigen Gemälden ging im März 2001 als „ewige Leihgabe“ zugunsten des Wallraf-Richartz-Museums in die Obhut der Stadt Köln. Das international renommierte Museum trägt seither zum Dank an das Stifter-Ehepaar Gérard und Marisol Corboud im Namen die Ergänzung „Fondation Corboud“. Corboud ist Mitglied des Stifterrates des Hauses, der den Erweiterungsbau des Museums maßgeblich fördert (mehr).


In der Sammlung Corboud finden sich reichlich große Namen: Vincent van Gogh (mehr), Claude Monet, Paul Gauguin, Alfred Sisley (mehr) oder Pierre-Auguste Renoir. Vertreten sind auch weniger bekannte Maler wie Maximilian Luce oder Armand Guillaumin. Zahlreiche Gemälde sind Frühwerke, sie stammen also aus der Zeit, als die Maler noch nicht den Rang hatten, den sie später innehatten. 

K2M
 

Die Ausstellung „Mit den Impressionisten entlang der Seine. Eine Reise durch die eigene Sammlung“ kann bis zum 27. September 2015 besucht werden.
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
Obenmarspforten 40,
Am Kölner Rathaus
50667 Köln
Tel. 0221 / 221 - 211 19
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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