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rheinische ART 11/2017

LOUVRE ABU DHABI
Championat der Museen

 

Am Golf von Persien kann derzeit ein etwas ins Stocken geratener Wettbewerb der Superlative beobachten werden. Wer baut das größte, schönste, spektakulärste und teuerste Museum?

 

Jean Nouvels äußerlich fast schlichte wie auch spektakuläre Architektur: In 30 Metern Höhe überspannt eine riesige Kuppel die stadtähnliche Kubenansammlung. Foto © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi) 2017, Photography Mohamed Somji

 

Nach mehrfacher Verschiebung ist nun das erste von drei geplanten Mega-Museen im Wüstenemirat Abu Dhabi eröffnet worden. Der Louvre Abu Dhabi, ein Franchise-Ableger der berühmten Kulturstätte in Paris, ist ein bemerkenswertes Projekt. Es steht auf der „Kulturinsel Saadiyat“, mit der sich das Emirat Abu Dhabi - dass gleichzeitig Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist - beharrlich als Kulturmetropole von Weltrang positionieren will.

 

Promenadengänge mit Meerblick. Zahlreiche Kuben umgeben von Wasser vermitteln den Eindruck eines arabischen Fischerdorfes. Foto © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi) 2017, Photography Mohamed Somji

 

Ausstellungskuben unter der perforierten Kuppel. Foto © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi) 2017, Photography Mohamed Somji

 

Kunst aus aller Welt Der „Mini-Louvre“ versteht sich als Universalmuseum und stammt aus dem Planungsbüro des französische Stararchitekten Jean Nouvel (mehr).

     Der Mann ist für seine spektakulären Ideen bekannt und hat sie auch in Abu Dhabi ausgelebt. Keine Glaspyramide wie in Paris sondern eine perforierte Kuppel ist in Abu Dhabis neuem Museum optisches Highlight. Und: Der Pritzker-Preisträger Nouvel hat das Ausstellungshaus architektonisch an die alte arabische „Medina“, die Stadt also, angelehnt und so eine Kulturstadt unter (fast) freiem Himmel geschaffen.

     Denn das Haus ruht quasi unter dem gewaltigen silbernen Kuppeldach von 180 Metern Breite und gut 30 Metern Höhe. Die auffällige silberne Bedachung besteht aus fast 8.000 einzigartigen Metallsternen, angeordnet in einem komplexen geometrischen Muster, unter dem die Besucher durch Promenadengänge mit Meeresblick wandeln können.

     Das einfallende Sonnenlicht erzeugt dabei unter der Kuppel einen „Lichtregen“, der an die ineinander verschränkten Palmblätter in den arabischen Oasen erinnert. Das Innere der Louvre-Filiale ist architektonisch überwältigend: 23 Sammlungsräume stehen für permanente Ausstellungen zur Verfügung, ein Kindermuseum und ein Restaurant, dazu ein großer luftiger offener Platz unter der perforierten Kuppel.

 

Tourismus- und Kulturmagnet? Animation der Kulturinsel Saadiyat (Saadiyat Cultural District): Links Guggenheim-Museum (in Planung) rechts Kuppeldach des Louvre Abu Dhabi. Dazwischen die moderne Skyline der Stadt Abu Dhabi. Illustration und Foto © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi) 2017

 

Unvollendet oder lediglich in der Planung sind hingegen noch vier weitere Museumprojekte. Allen voran das Guggenheim-Museum für moderne Kunst (mehr), dass schon vor zwei Jahren eingeweiht werden sollte und dass im Bau befindliche futuristische Zayeh National Museum, das dritte spektakuläre Großprojekt im künftigen Kulturdistrikt auf der Insel.


Saadiyat Cultural District
, so die offizielle Bezeichnung, soll sich nach den ehrgeizigen Masterplänen des Emirats zu einer Art Kulturdrehscheibe zwischen Ost und West entwickeln. Alle dort geplanten Museen stammen von international namhaften Baumeistern und stehen auch programmatisch in Kontrast.

     Für das Guggenheim zeichnet planerisch Frank Gehry (mehr) verantwortlich, für das National Museum Norman Foster. Möglicherweise nie gebaut werden das geplante Performancecenter von Zaha Hadid (1950-2016) und Tadao Andos Meeresmuseum. Die Gründe für die Verzögerungen und Neubewertungen der ursprünglichen Planungen sind ökonomischer Natur. Denn die Ölpreisrückgänge und Finanzkrisen von 2012 beutelten auch die Wüstenemirate am Golf.

 

Für 30 Jahre vertraglich gesichert: Der Markenname Louvre Abu Dhabi, für ein Museum mit Wasser, Wind und Lichtspielen. Foto © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi) 2017, Photography Mohamed Somji

 

Als Universalmuseum ist der Louvre Abu Dhabi das erste Haus dieser Art im Nahen Osten. Der Ausstellungsfokus ist auf die Menschheitsgeschichte ausgerichtet, ohne Bevorzugung einzelner Religionen oder Weltanschauungen. Ausgestellt werden über 600 Exponate, chronologisch in zwölf Kapiteln geordnet. Neben beachtlichen eigenen Kunstbeständen stammt über die Hälfte der Kunstwerke, Artefakte und Leihgaben aus 13 führenden französischen Museen.

     Der Bau war 2007 zwischen Frankreich und dem Golfstaat vereinbart worden. Ein Teil der Vereinbarung sieht die namentliche Anlehnung an das Pariser „Mutterhaus“ Musée du Louvre über einen Zeitraum von 30 Jahren und 6 Monaten vor, die Organisation von Wechselausstellungen über 15 Jahre hinweg sowie die Leihgabe von Kunstwerken für 10 Jahre.

     Dafür hat das Emirat tief ins Portemonnaie gegriffen – es geht um mehr als eine Milliarde Euro. Allein die Namensrechte kosten das Scheichtum etwa 440 Millionen Euro. Hinzu kommen die Baukosten für das Museum selbst, die mit annähernd 590 Millionen Euro beziffert werden.

 

Bauherr HE Mohamed Al Mubarak, Chairman TCA Abu Dhabi and TDIC, Foto © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi) 2017

 

Stararchitekt und Pritzker-Preisträger Jean Nouvel Foto © Gaston Bergeret. Fotoquelle Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi) 2017

 

Das Museum sei ein Element der Kulturstrategie seines Landes, erklärte S.E. Mohamed Khalifa Al Mubarak, Chairman der Abu Dhabi Tourism & Culture Authority (TCA Abu Dhabi). Es solle das reiche Vermächtnis des Stadtstaats schützen und Kreativität beflügeln. Als ein universelles Museum richte es, so der Leitgedanke, seinen Fokus auf gemeinschaftliche Erfahrungen der Menschheit über verschiedene Kulturen und Zivilisationen hinweg.

     „Der Louvre Abu Dhabi verkörpert unsere Überzeugung, dass die Länder der Welt durch Diversität und gegenseitige Akzeptanz florieren. Das kuratorische Leitthema zeigt daher, wie eng die Welt seit Anbeginn der Zeit miteinander verbunden ist.“ Das Kulturhaus, so Al Mubarak, stelle die jüngste Innovation in einer langjährigen Tradition dar, die bereits durch die Gründerväter der VAE zum Schutz des Kulturerbes gepflegt worden sei.


Wie lange Jean Nouvels spektakuläres Gebäude-Ensemble als Kunst- und Kulturort die Wüstenemirate überstrahlen wird, ist unklar. Das Nachbarland Katar mit der Hauptstadt Doha ist ehrgeiziger Mitbewerber im Museumswettlauf und dabei, alles zu toppen.

     Der Kleinstaat plant das flächenmäßig größte Museum der Welt. Der fast 84.000 Quadratmeter umfassenden Museumsklotz im Hafen der Stadt soll - so viel steht schon fest - den Namen „The Art Mill“ tragen und, in etwa vergleichbar dem Zeitz MOCAA in Kapstadt (mehr), umgebaute Getreidemühlen und Hafensilos nutzen.

     Der Kunstpalast wäre damit, sollte er realisiert werden, mehr als doppelt so groß wie der Louvre Abu Dhabi und stellt auch dessen Mutterhaus und andere Kunsttempel in den Schatten. Im Jahr 2022, somit rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft, will die gigantische „Kunstmühle“ seine ersten Besucher begrüßen.


Der Grund für den fast exzessiv wirkenden Bau-Wettstreit: Alle erwarten den berühmten „Guggenheim-Effekt“ wie ihn einst Bilbao erfuhr (mehr) und wollen mehr Handel, Verkehr und Tourismus. Und da ist das Geschäftsmodell der Museums-Kooperation, wie in Abu Dhabi praktiziert, ein probates Mittel.

     Warum gerade das Wüstenland Katar mit kaum 2,8 Millionen Einwohnern neben Tourismus und Sport nun noch in Konkurrenz zu Abu Dhabi viel Geld für eine gewaltige Museumsszenerie ausgibt, verortet die Neue Zürcher Zeitung auch in der Landesgeschichte. Die Großstadt Doha, die bereits über neun Museum verfügt und nicht mehr als 1,8 Millionen Einwohner zählt – davon ist nur jeder Siebte Inländer – sei in kurzer Zeit in das „Simulacrum“, also eine Art Traumwelt, einer Weltmetropole gewachsen, „die ganz neu und doch ohne Novum“ sei. Ein Ort ohne Identität, Beziehung und Geschichte – ein „Nicht-Ort“ (Non-Lieu). Da gelte es, Ausgleich zu schaffen, vor allem kulturell.
cpw


Die Sonderausstellung zur Eröffnung mit dem Titel „From One Louvre to Another: opening a museum for everyone“ ist ab dem 21. Dezember 2017 geöffnet und zeichnet die Geschichte des Pariser Musée du Louvre nach. Es werden etwa 145 bedeutsame Gemälde, Skulpturen, dekorative Kunstwerke und andere Stücke aus den Sammlungen des Musée du Louvre und des Château de Versailles ausgestellt.

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

Foto: Ausschnitt Flaschen,

Öl auf Leinwand, 2017

 

17.11.2017 - 13.01.2018

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