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rheinische ART 11/2016

Archiv 2016

LYONEL FEININGER
Zwischen den Welten


Von den heutigen Zeichnern „schätze ich Sie ganz besonders“. Das Kompliment an den Künstlerfreund Lyonel Feininger schrieb der österreichische Grafiker, Schriftsteller und Buchillustrator Alfred Kubin am 25. November 1912. Beide verband so etwas wie eine Seelenverwandtschaft, trotz unterschiedlicher künstlerischer Richtungen.

 

Lyonel Feininger Souvenir de "Siemst", 1937, Tusche, Aquarell, Privatsammlung, Düsseldorf, Foto: Horst Kolberg, Neuss, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Feiningers Richtung: Das war vor allem ein ausgeprägter Hang zu Grafiken. Es sind fast 80 grafische Werke und Arbeiten auf Papier des deutsch-amerikanischen Künstlers, die unter dem Titel „Lyonel Feininger – Zwischen den Welten“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast gezeigt werden, darunter zahlreiche Frühwerke.

     „Wir freuen uns, den Besuchern einen repräsentativen Überblick über Feiningers gesamtes grafisches Spektrum zu geben, über seine Karikaturen, Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen und Holzschnitte“, erklärte Generaldirektor Beat Wismer.

 

Lyonel Feininger Beleuchtete Häuser, 1921. Feder, Aquarell, 20,5 x 30 cm; Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Inv.-Nr. K 1964-47. © Foto: Horst Kolberg, Neuss; © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Lyonel Feininger Scheunen, 1915, Kohle, Fettkreide, 31,2 x 24,5 cm, Foto: Horst Kolberg, Neuss, © Lyonel Feininger/ VG Bild-Kunst Bonn, 2016

 

Lyonel Feininger The Gate (Das Tor), 1912. Radierung und Kaltnadel, 27,2 x 20 cm; Museum Kunstpalast, Düsseldorf. © VG Bild-Kunst, Bonn, 2016; Foto: Horst Kolberg, Neuss

  

Charakteristisches Es ist in der Tat eine bestechende Gesamtschau. Und da Lyonel Feininger (1871-1956) dafür bekannt war, nie von Lieblingsthemen zu lassen, sondern sie immer wieder neu zu interpretieren - man denke da etwa an die bekannten Motive aus Architektur oder Schifffahrt - zeige das Museum Kunstpalast sein grafisches Schaffen nicht streng chronologisch geordnet, sondern nach Motiven gruppiert, wie Kuratorin Gunda Luyken hervorhob.

     Feininger war ein Wanderer in den Welten der Kunst. Denn kontinuierlich bewegte er sich „...zwischen Linie und Fläche, zwischen harten Schwarz-Weiß-Kontrasten und luziden Farben, zwischen gegenständlicher und beinahe abstrakter Wiedergabe der Wirklichkeit, zwischen Karikatur und Kristallinem“, so Luyken über das Charakteristische in Feiningers Grafikarbeiten und den Bezug zum Titel der Schau.

     Den Farbdruck nutzte er je nach den gegebenen technischen Möglichkeiten. Gelegentlich verzichtete er auch gänzlich auf Linien und entwickelte seine Darstellungen ausschließlich aus farbigen Flächen. Das Changieren zwischen Linie und Fläche sollte er auch in seinen freien Arbeiten beibehalten. Feininger, so informiert das Haus, fügte seine Kompositionen ähnlich wie Collagen aus verschiedenen Einzelstudien zusammen und wählte dafür als Motive häufig Architekturen oder technische Sujets, für die er immer neue Darstellungsmöglichkeiten fand.

     Dass er sich auch auf Kunsthandwerkliches in Form von Spielzeugbauten verstand, zeigen die kleinen, geschnitzten mehrstöckigen Holzhäuser für seine Söhne, ein eher amüsantes Detail in der Ausstellung.

 

"Bauhäuser" á la Feininger – Exponate in der Ausstellung. „Ein kurzer Exkurs in den Bereich Kunsthandwerk anhand von Spielzeughäuschen für die Söhne unterstreicht Feiningers Talent, sich in völlig unterschiedlichen Gattungen auszudrücken.“ Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast über die ausgestellten Spielzeug-Häuser Feiningers, die dieser vorweihnachtlich für seinen Nachwuchs anfertigte. Foto © rART 2016


Anfangsjahre Der in New York geborene und auch dort verstorbene Künstler, der deutschstämmige Eltern hatte, ist eine prägende Gestalt in der Klassischen Moderne Deutschlands.

     Er kam 1887 als Sechszehnjähriger im Rahmen einer Musiktournee seiner Eltern nach Deutschland und sollte ein Violinen-Studium in Leipzig aufnehmen. Doch entgegen der väterlichen Direktive blieb der junge Feininger in Hamburg und schrieb sich an der Gewerbeschule als Kunstschüler ein. Ein Jahr darauf nahm er ein Studium an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin auf und profilierte sich als Karikaturist mit Comicstrip-Serien für deutsche, französische und amerikanische Zeitungen. Zu den Auftraggebern gehörten auch humoristische Blätter.

     Aus diesen zeichnerischen Aktivitäten heraus entwickelte sich eine eigenständige, figürliche Bildsprache, die Feininger letzlich den Weg in die Malerei eröffnete. Er verlegte 1906 für einige Zeit seine Tätigkeit nach Paris und macht Bekanntschaft mit den Avantgardisten Robert Delaunay und Henri Matisse. In Berlin stellte er 1913 mit den Künstlern des Blauen Reiter (mehr) in der Kunstausstellung „Erster Deutscher Herbstsalon“ des Galeristen Herwarth Walden (mehr) aus. Vier Jahre später konnte er seine erste Einzelausstellung in Waldens Berliner Galerie Der Sturm präsentieren.

 

Lyonel Feininger Zwei Radfahrer mit Narrenkappen, 1898, Farblithografie 
Privatsammlung, Foto: Unbekannt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Waren seine Karikaturen aus reproduktionstechnischen Gründen bis zu diesem Zeitpunkt noch auf klare Strichzeichnungen beschränkt, erweiterte der Farbdruck seine künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten. Feininger übersetzte seine Bildthemen in unterschiedlichen Medien und verstand es, die jeweils spezifischen Besonderheiten der Gattungen zu nutzen, um einmal gefundene Sujets weiterzuentwickeln.

 

Bauhaus-Jahre Der Deutsch-Amerikaner, der nie seinen US-Pass abgegeben hatte, verkörperte in hohem Maße eine der grundlegenden Zielsetzungen des 1919 gegründeten Staatlichen Bauhauses in Weimar, nämlich die Verknüpfung von Handwerk und Kunst.

     Daher wurde er noch im Gründungsjahr als erster Meister an die berühmte Gestaltungsschule berufen. Er war dort als Leiter der Druckwerkstätten tätig und arbeitete mit Paul Klee, Wassiliy Kandinsky und Alexej von Jawlenksky zusammen. 1926, nach der Neugründung des Bauhauses in Dessau, wurde er auf eigenen Wunsch Meister ohne Lehrverpflichtung und bewohnte gemeinsam mit László Moholy-Nagy eines der legendären Meisterhäuser nahe der Schule (mehr).

     In der NS-Zeit galten seine Arbeiten als „entartet“, 1937 siedelte das Ehepaar Feininger in die USA über. Seinen Durchbruch als Künstler hatte er dort 1944 mit einer großen Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA). Im Nackriegsdeutschland zeigte die Kestner-Gesellschaft in Hannover 1950 die erste Einzelausstellung Feiningers. Es folgten Präsentationen unter anderem in Hamburg und Düsseldorf.

 

Emil Orlik (mehrPortrait von Lyonel Feininger 1906. (Das Portrait ist nicht Teil der Ausstellung.) Published by Verlag Neue Kunsthandlung © Center for Jewish History NYC

 

Den Ausgangspunkt der Schau, die in Kooperation mit der städtischen Galerie Stihl Waiblingen konzipiert wurde, bilden 25 Werke aus der eigenen Sammlung des Museum Kunstpalast. Weitere Arbeiten stammen aus der Grafischen Sammlung des Museum Folkwang in Essen sowie aus Beständen zweier herausragender privater Kollektionen.

     Die Düsseldorfer Schau setzt mit den Karikaturen ein, die Feininger bereits im 19. Jahrhundert fertigte und die sich auf die besagten klaren Strichzeichnungen konzentrierten.     Berühmt sind Feiningers Holzschnitte mit expressionistischen Ansichten etwa der Stadt Halle und anderer thüringischen Orte sowie Architekturkompositionen von Kirchen, Scheunen und Türmen, die er in seiner typisch abstrakten und gestalterisch überhöhten Optik darstellt.
cpw


Die Ausstellung „Lyonel Feininger. Zwischen den Welten“ wird bis zum 22. Januar 2017 gezeigt.
Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof

Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel 0211 56642100
Öffnungszeiten
DI-SO 11 – 18 Uhr
DO bis 21 Uhr

 

 


 (Foto Ausschnitt)

 

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