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rheinische ART 09/2011

 

Archiv 2011: aus "Kunst erleben"

Neue Sachlichkeit: George Grosz-Retrospektive in Brühl

 

DER SCHONUNGSLOSE 

SEZIERER 

 

Er war der wichtigste Zeichner und politische Karikaturist in der Weimarer Republik, ein Meister der aggressiven, plakativen Überzeichnung und der satirischen Bilder, ein gesellschaftskritischer Künstler durch und durch: Der Berliner Maler, Dichter und Grafiker Georg Ehrenfried Gross (1893-1959), der ab 1916 seinen Geburtsnamen amerikanisierte und fortan mit George Grosz signierte. Das Brühler Max Ernst Museum zeigt unter dem Titel „George Grosz – Deutschland, ein Wintermärchen“ eine großartige Retrospektive mit Zeichnungen, Aquarellen und Collagen aus fünf Jahrzehnten seines Schaffens. Unter den 100 hochkarätigen Werken des Provokateurs befinden sich noch nie gezeigte oder publizierte Arbeiten.


Verschollenes Hauptwerk

 

Der Titel der Ausstellung „Deutschland - Ein Wintermärchen“ zitiert nicht nur das berühmte, 1844 entstandene Gedicht des Düsseldorfer Poeten und Schriftstellers Heinrich Heine, sondern nimmt auch Bezug auf ein verschollenes Grosz-Hauptwerk von 1918.

   Wie der rheinische Dichter verzweifelte auch Grosz an seinem Land, geht es ihm um die Entlarvung der Gesellschaftsverhältnisse, um die Demaskierung des kleinbürgerlichen Egoismus. Zu dem verlorenen Gemälde ist jüngst eine bedeutende Vorstudie in Aquarelltechnik aufgetaucht, die derzeit in Schweizer Privatbesitz ist. Bereits in dieser Arbeit sind alle im späteren Hauptwerk verarbeiteten Kernmotive angelegt. Das Aquarell wird nun erstmals in einem Museum der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Gegen überkommende Werte und geistige Unmündigkeit

 

George Grosz gehörte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zu den führenden Vertretern der Berliner Dada-Bewegung und der späteren Neuen Sachlichkeit (mehr). Seine politischen und sozialkritisch beißenden Satiren prägten die visuelle Kultur der Weimarer Republik entscheidend mit. Schonungslos nahm Grosz mit ihnen die existenziellen Brüche der Kriegs- und Nachkriegszeit in den Blick, sezierte die Schattenseiten des großstädtischen Treibens mit ihrer ungezügelten Triebhaftigkeit und entlarvte nichts verschonend die gesellschaftliche Doppelmoral der herrschenden Klasse. Seine Bilder sind vehemente Kritik an den sog. „Stützen der Gesellschaft“ mit Bürgertum, Kirche, Militär, Justiz, Parlament und Presse.

    Anfang 1933 - noch vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten - emigrierte George Grosz in die USA. In New York entstanden weiterhin sozialkritische Zeichnungen, Buchillustrationen und Aktbilder, jedoch kamen zunehmend Werke mit apokalyptischen Themen hinzu, die das Grauen des bevorstehenden Zweiten Weltkriegs vorwegnahmen und unter dem Eindruck der Atombombenabwürfe später gar pessimistisch eine hoffnungslose und sinnentleerte Existenz heraufbeschworen.

 

Zwischen den Kriegen

 

Die produktivsten Jahre des politischen Künstlers Grosz waren die der Weimarer Republik. Seine erste Einzelausstellung bei Hans Goltz in München datiert aus dem Jahr 1920. Im selben Jahr erschien die antimilitärische Mappe „Gott mit uns“, die ihm und dem Berliner Malik-Verlag einen Prozess wegen Reichswehr-Beleidigung einbrachte. 1923 wurden Blätter der Bildermappe „Ecce homo“ als „unzüchtige Darstellungen“ beschlagnahmt. Der westfälisch-rheinische Galerist, Sammler und Kunsthändler Alfred Flechtheim (1878-1937) begann als persönlicher Vertreter, Werke des strickten Kriegsgegners Grosz zu vermarkten. Die Preußische Akademie der Künste würdigte George Grosz 1927 mit einer Sonderausstellung und ein Jahr später wurde ihm die Goldmedaille „Deutsche Kunst“ in Düsseldorf verliehen.

    Die von ihm angeprangerte Doppelmoral der Gesellschaft holte ihn selber ein, denn gleichzeitig begann ein dritter Prozess gegen ihn und Wieland Herzfelde, Autor und Gründer des Malik-Verlages, wegen Gotteslästerung. Zwischenzeitlich nahm Grosz´ Internationalität zu. 1930 war Grosz auf der Biennale in Venedig vertreten und als ein von Amerika Begeisterter übernahm er im Sommer 1932 an der „Art Students League“ in New York eine Gastdozentur. Es folgten Illustrationsaufträge für die Zeitschriften „The New Yorker“ und „Vanity Fair“. Nach seiner Übersiedlung in die USA 1933 illustrierte Grosz auch für den „Esquire“, 1936 erschien sein Mappenwerk „Interregnum“ mit 64 reproduzierten Zeichnungen.
    In Deutschland galten Werke des Berliners zu dieser Zeit bereits als entartete Kunst. Sie wurden in der gleichnamigen Wanderausstellung landesweit gezeigt, er selbst als „bolschewistischer Schmierer“ verunglimpft. George Grosz wurde 1938 amerikanischer Staatsbürger. Nur drei Jahre später präsentierte das New Yorker Museum of Modern Art die erste Grosz-Retrospektive, die anschließend im gesamten Land ausgestellt wurde.

   Ab 1951 bereiste Grosz mehrmals Europa und kehrte 1959 endgültig in seine Geburtsstadt Berlin zurück, wo er nach nur wenigen Wochen im Juli verstarb.

Klaus M. Martinetz

 

Der Dadaismus oder einfach Dada (frz. svw. Steckenpferd) lehnte radikal alle herkömmlichen künstlerischen und literarischen Formen ab und suchte sie durch willkürliche, zufallsgesteuerte Aktionen in Bild und Wort zu ersetzen. Der sog. „Berlin-Dada“ stellte um 1920 die extremste Ausprägung dieser maßgeblich aus Züricher Kreativkreisen stammenden Richtung dar. Grosz wechselte von dieser Kunstform in die Neue Sachlichkeit und wurde wie seine Zeitgenossen Dix, Radziwill, Beckmann u.a. einer ihrer Hauptvertreter. Innerhalb der Neuen Sachlichkeit griff die Stilrichtung des Verismus als politische Kunst kritisch die sozialen Missstände auf. Als „Berliner Veristen“ machten sich neben George Grosz v.a. Otto Dix und Conrad Felixmüller mit ihren sozialkritischen Darstellungen aus der Unterwelt, dem Rotlicht- und Hinterhof-Milieu sowie dem Arbeiterproletariat einen Namen.

 

In der Ausstellung wird täglich der einstündige Film „Das Menschenschwein im Visier - die Sehnsucht des George Grosz“ von Alexander Urban (2009) gezeigt.

 

Die Ausstellung George Grosz "Deutschland, ein Wintermärchen" mit Aquarellen, Zeichnungen und Collagen (1908-1958) ist bis zum 18. Dezember 2011 zu sehen.

Max Ernst Museum Brühl des LVR
Comesstraße 42/ Max-Ernst-Allee 1
D-50321 Brühl
Tel. 02232 / 57930

 

Öffnungszeiten:
DI – SO 11-18 Uhr
1. DO im Monat 11-21 Uhr


Weitere Ausstellung zum Thema

Auch die Staatliche Kunstsammlung Dresden widmet sich derzeit dem Thema. Unter dem Titel „Neue Sachlichkeit..“ wird die Kunststadt Dresden als gewichtiges Zentrum der Malerei der Neuen Sachlichkeit und des Verismus beleuchtet. Die gezeigten Werke von Dix, Grundig, Grosz u.a. zeigen in messerscharfer Präzision die gesellschaftlichen Veränderungen jener Zeit und Sozialkritisches, vorzugsweise aus dem Dresden der 1920er Jahre.

 

Neue Sachlichkeit in Dresden – Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner - bis 08. Januar 2012
Staatliche Kunstsammlung Dresden
Kunsthalle im Lipsiusbau
Postfach 12 05 51
01006 Dresden
Tel. 0351 / 4914 2643

DI - SO 10.00 – 18.00 Uhr

 

 

©rheinische-art.de - die Bilder wurden aus Copyright-Gründen gelöscht

 

                     

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