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rheinische ART 01/2018

Archiv 2017

AXEL HÜTTE

Zwischen Realität und kaltblütiger Romantik


Es sind die leisen Zwischentöne, die den Betrachter dieser Fotografien innehalten lassen. Ihrem Schöpfer, dem Meister der zeitgenössischen Landschaftsfotografie Axel Hütte, werden aktuell gleich zwei Schauen gewidmet. Eine fällige Würdigung.

 

Axel Hütte Rio Negro-2, Brazil, 1998, C-Print, 187 x 237 cm © Axel Hütte

 

Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast zeigt unter dem Titel Night and Day eine 70 Werke umfassende Sammlung von Tag- und Nachtbildern, die Axel Hütte (*1951) in den letzten zwei Jahrzehnten schuf.

 

Axel Hütte Cayo-1, Belize, 2007, Ditone Print, 255 x 155 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf © Axel Hütte

 

Axel Hütte Rheingau/Nebel-2, Germany, 2009, Ditone Print, 115 x 145 cm, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg © Axel Hütte

 

Es ist eine mächtige Schau mit vielen Großformaten, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Sind sie doch – vor allem, was die Landschaften anbelangt - perspektivisch ungewöhnlich, atmosphärisch dicht und erinnern an monochrome Malerei oder fernöstliche Bildsprache.

     Korrespondierend befasst sich das Josef Albers Museum, Quadrat Bottrop in Frühwerk mit Hüttes künstlerischer Produktion der Siebziger- und Achtzigerjahre. Beide Ausstellungen bilden zusammen de facto eine Retrospektive auf den ehemaligen Akademie-Absolventen und frühen Becher-Schüler, wie sie bislang noch nicht zu sehen war.


Der Irritierer Es sind durchaus überraschende Bilder, die im Museum Kunstpalast ausgestellt werden. Wasserspiegelungen, Gegenlicht oder aufziehende Wolken und Dunstglocken über Flussauen und Tälern produzieren ein unscharfes Licht und lassen Landschaften schemenhaft wie Traumbilder erscheinen.

     Die Motive faszinieren, erlauben keinen Blick in die Tiefe und bieten keinen Anfang und kein Ende. Damit wird ein Merkmal von Hüttes Fotokunst deutlich: die Irritation.

     Selbst bei intensivster Suche findet der Betrachter in den wunderbaren Landschaften weit und breit kein Haus, keinen Menschen und kein Tier, Dinge, die es ihm sonst ermöglichen, die Dimensionen einer Eiswüste oder die Tiefe einer Schlucht ermessen oder gar den Standort des Fotografen bestimmen zu können. Alles unmöglich!

 

Axel Hütte San Fernando de Atabapo, Venezuela, 2007, C-Print, 172 x 237 cmCourtesy Galería Helga de Alvear, Madrid © Axel Hütte

 
Wohlgemerkt, es handelt sich nicht um digital erzeugte Täuschungen. Beat Wismer, vormaliger Generaldirektor des Hauses, brachte es in der Pressekonferenz auf den Punkt. „Hütte spielt in seinen Fotografien mit den Erwartungen und dem (Schau-)Begehren der Betrachter, indem er verbirgt, verschleiert, verstellt, was wir – wären wir selbst vor Ort – vermutlich neugierig erkunden würden.“ Und der Betrachter lässt sich auf das Spiel ein und kann vieles in die Bilder hineininterpretieren - und hat irgendwie immer Recht.

 

Axel Hütte Lemaire Channel-1, Antarctic, 2017, C-Print, 135 x 165 cm © Axel Hütte

 

Axel Hütte Kuala Lumpur-1, Malaysia, 2008, Duratrans-Print, 207 x 157 cm Courtesy Galería Helga de Alvear, Madrid © Axel Hütte

 

Zum Beispiel: Finden sich bei Hütte nicht reichlich Parallelen zu den großen Meistern der Kunstgeschichte? Die Naturaufnahmen wie etwa die der kühl-sachlichen Antarktika-Serie oder jene aus dem fast zarten Rheingau-Zyklus, ähneln sie nicht der romantischen Landschaftsmalerei von Caspar David Friedrich und William Turner (mehr)?

     Und so manche schimmernde und spiegelnde Nachtfotografie aus den illuminierten Metropolen dieser Welt – kennen wir sie nicht von der Malerei des Alex Katz?

     Mit Fantasie mag der eine oder andere weitere kunsthistorische Bezüge anführen; die kahlen Bäume vor weißgrauem Winterhimmel mit den Drop-Paintings von Jackson Pollock in Verbindung bringen und verschwommene grüne Flussufer von Altrheinarmen mit Werken von Gerhard Richter.


Zweifellos
sind derartige Fotowerke keine Produkte der Schnappschuss-Kultur. Es sind Ergebnisse aufwändiger Arbeiten unter teils extremen Bedingungen.

     Denn Hütte verwendet eine Plattenkamera, ein schweres Equipment, dessen Handling Geduld und Sorgfalt erfordert und starke Arme bei der Logistik. Kunstpalast-Kurator Ralph Goertz bemerkt im Katalog, dass Belichtungszeiten „von bis zu 40 Minuten“ keine Seltenheit seien.

     Der Fotografen-Künstler selbst stellt fest: „Ich reflektiere über die Romantik, aber ich arbeite kaltblütig.“ Dennoch, und dies ist das Großartige an dieser Kunst, haben seine Bilder eine hohe emotionale Ausstrahlung. „Das hängt mit dem Blick des Betrachters zusammen, der der Romantiker ist."

 

Seine Motive hat der gebürtige Essener auf allen Kontinenten der Erde gefunden. Reisen und Schauen, Welt-Erfahrung und Natur-Wahrnehmung, so die Ausstellungsmacher, seien für die künstlerische Arbeit des 66-Jährigen von wesentlicher Bedeutung.

     Seine bestechenden Fotografien aus den afrikanischen Wüsten, den Dschungeln und Flusssystemen Südamerikas, der Antarktis wie auch die Nachtbilder von Megacities reflektieren sein eigenes Innehalten, und der Betrachter darf daran teilhaben. Er wird eingeladen, genauer hinzuschauen.

 

Axel Hütte Furkablick, Switzerland, 1994, C-Print, 187 x 237 cm © Axel Hütte

 

Neben berühmten Bildkompositionen wie Rio Negro 2, 1998 aus Brasilien oder dem Furkablick, 1994 aus der Schweiz - das älteste Exponat in der Schau - sind in Düsseldorf erstmals neue Fotografien aus Japan, den USA und den eisigen Regionen der Südpolregion zu sehen.

     Eher ungewöhnlich ist daneben Hüttes Auseinandersetzung mit der Zentralperspektive oder den Ursprüngen der Fotografie, die sich in seinen „Daguerreotypien“ - die einen kleinen Teil der Schau bilden - widerspiegeln; sie zeichnen ihn als Kenner der Kunst- und Fotogeschichte aus.

     Axel Hütte habe, wie im Kunstpalast betont wird, eine Sonderposition im Rahmen der Düsseldorfer Fotoschule um Hilla und Bernd Becher (mehr) eingenommen. Er sei, wie Kurator Goertz ihn charakterisierte, „…kein Fotograf, er ist ein bildender Künstler, der die Methoden der Fotografie nutzt.“ Dies, so könnte man meinen, hat möglicherweise dazu geführte, dass der Künstler in der schwindelerregenden Fotoeuphorie um seine Ex-Kommilitonen Andreas Gursky, Thomas Struth und Thomas Ruff zeitweise etwas in den Hintergrund geriet.

 

Axel Hütte Museo Archeologico, Venedig, 1985-87. Exponat im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop © Axel Hütte

 

Axel Hütte San Miniato, Italien, 1990. Frühwerk, Exponat im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop © Axel Hütte 

 

Frühwerk Wenig Öffentlichkeit haben bislang seine Werke aus den Anfangsjahren ab 1978 sowie deren ästhetische Schwerpunkte erfahren. Dies holt die Ausstellung in Bottrop mit dem Titel Frühwerk nach.

     Neben Portraits von Kollegen in Düsseldorf und Köln, die das Albers Museum erstmals in größerem Umfang vorstellt, interessierten Hütte damals vor allem architektonische Formationen wie Treppenhäuser und Flure in Mietshäusern der Nachkriegszeit, U-Bahnhöfe in Berlin, Gebäude und Plätze in London, Venedig und Paris; schließlich Landschaften in Italien, denen „durch Fragmente von Architektur eine besondere Ordnungsdimension eingeschrieben wird“, so Albers-Direktor Heinz Liesbrock.

     Sie sind eine Konstante in Hüttes Schaffen, wie das Toskana-Motiv „San Miniato“ von 1990 zeigt, dass sich Jahre später im berühmten „Furkablick“ quasi wiederholt. Dem Fotokünstler ging es, so wird in Bottrop betont, in der Architekturfotografie um eine Sicherheit der Form. Seine Aufnahmen vermitteln daher einen eher ruhigen Ausdruck und vermeiden alle lauten sinnlichen Reize.
cpw


Die Ausstellung "Axel Hütte. Night and Day" wird bis zum 14. Januar 2018 gezeigt.
Stiftung Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel 0211 / 56642100
Öffnungszeiten
DI - SO 11 - 18 Uhr
DO 11 - 21 Uhr


Die Ausstellung "Axel Hütte. Frühwerk" kann bis zum 7. Januar 2018 besucht werden.
Josef Albers Museum Quadrat Bottrop
Im Stadtgarten 20
46236 Bottrop
Tel. 02041 / 29716

Öffnungszeiten
DI - SA 11 - 17 Uhr
SO 10 - 17 Uhr

 

 

 


 

 

                     

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