rheinische ART
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rheinische ART 04/2014

Archiv 2014

OSCAR TROPLOWITZ 
Zwischen Nivea und Picasso

 

Braucht eine Weltmarke eine Ausstellung? Vielleicht, - gerade weil es eine Weltmarke ist. Und vielleicht, weil man erfahren kann, wer wann die Idee hatte, Wasser mit dem Schafswollfett-Emulgator „Eucerit“ und einigen anderen teils wohlriechenden Stoffen zu mischen, das Ganze später blau zu verpacken und Nivea zu nennen, abgeleitet vom lateinischen Wort „niveus“, die Schneeweiße.

 

Erste NIVEA Creme Dose aus dem Jahre 1911 ©Foto Archiv Beiersdorf AG

 

Das ist alles 103 Jahre her, denn 2011 feierte die Beiersdorf AG in Hamburg, Produzent der Hautpflegecreme Nivea, das 100-jährige Bestehen ihres weltberühmten Produkts.

     Nivea ist seit ihrer Markteinführung ein nahezu unverändertes Produkt und die Creme das bekannteste Erzeugnis einer breiten Kosmetik- und Pflegemittel umfassenden Dachmarke selben Namens. Ihr „Erfinder“ war der Apotheker Oscar Troplowitz (1863-1918). Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten widmet sich derzeit dem gebürtigen Oberschlesier aus Gleiwitz.

 

Oskar Troplowitz Foto: Archiv Beiersdorf AG

 

Erfinder Oscar Troplowitz war als ehrgeiziger, aber mittelloser Dr. phil. und Pharmazeut in die Hansestadt an der Elbe gekommen. Er kaufte 1890 mit Finanzhilfe seines Onkels die kleine „Fabrik dermotherapeutischer Präparate“ des Apothekers Paul C. Beiersdorf in Hamburg-Altona und entwickelte den Pflasterhersteller mit Elan weiter.
     Einem seiner Mitarbeiter, dem Chemiker Isaak Lifschütz, gelang mit dem Emulgator „Eucerit“ eine bahnbrechende Neuerung: das Öl-Wasser-Gemisch ermöglichte die Herstellung einer neuartigen Creme - eben jener schneeweißen Nivea - die sich zu einem Welterfolg entwickelte. Bereits vor der Nivea-Creme brachte der innovative Troplowitz, der die betriebswirtschaftliche Klaviatur - heute würde man sagen das Marketing - bestens beherrschte und zahlreiche Patente hielt, andere Produkte auf den Markt. Darunter den medizinischen Klebeverband Leukoplast (1901) und den Lippenpflegestift Labello (1909) mit dem Drehhülsengehäuse. Bereits 1896 war in seinem Labor ein transparenter Kautschuk-Klebefilm entwickelt worden, der als Tesa-Film 30 Jahre später in den Fachhandel kam und bis heute praktisch in jedem Haushalt zu finden ist.

Erste Labello Lippenpomade, 1922 © Foto Archiv Beiersdorf AG

 

Gesellschaftliches Engagement Die bürgersinnliche Seite des Apothekers und Kaufmanns: Er engagierte sich stark im sozialen, ehrenamtlichen und kulturellen Bereich. Während seine Marken weltweit bekannt wurden und es auch blieben, gerieten er selbst und seine sozialen Leistungen fast in Vergessenheit. Troplowitz führte in seinem Betrieb die 48-Stunden-Woche ein, den bezahlten Urlaub, Weihnachtsgeld und kostenloses Mittagessen, richtete eine Stillstube ein und einen Rentenfonds.


Kunstmäzen Seine wahre Passion war die Kunst. Oscar Troplowitz´ Privatsammlung umfasste deutsche und französische Impressionisten, darunter Werke von Camille Corot, Auguste Renoir, Max Liebermann, Max Slevogt und Alfred Sisley (Die Seine bei Billancourt, mehr) Als Mäzen spendete er für Kunst und für Künstler, förderte junge Kreative und vermachte der Hamburger Kunsthalle (mehr) eine bedeutende Gemäldekollektion mit 26 Werken.

 

Pablo Picasso, Die Eingeschlafene Trinkerin, 1902: «Buveuse assoupie» gehörte zu den Werken der «entarteten Kunst». Das Gemälde ist heute in Bern beheimatet. ©Foto zvg/Kunstmuseum Bern

 

Sammler Über den Galeristen Kahnweiler erwarb Troplowitz 1914 aus dem Bestand der amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein einen frühen Picasso: Die Eingeschlafene Trinkerin (Buveuse assoupie, 1902); der Titel des Werkes änderte sich allerdings mehrfach. Abgesehen von den professionellen Galeristen und Sammlern wie etwa dem Düsseldorfer Alfred Flechtheim (mehr) gehörte Troplowitz damit zu den ersten Privatsammlern in Deutschland, die Picasso-Werke schätzten. Das dunkeltonige Gemälde aus Picassos blauer Periode, sein Lieblingsbild, hing sich der Unternehmer zum Entsetzen vieler, vor allem seiner Frau Gertrud, über den Schreibtisch. Nach seinem Tod übergab die Gattin das Bild der Hamburger Kunsthalle und 1937, nach NS-Beschlagnahme als „entartete Kunst“, gelangte es per Zwangsverkauf devisenbringend in die Schweiz, wo es heute im Kunstmuseum Bern als eines der Spitzenwerke hängt.

K2M


Die Ausstellung "Oscar Troplowitz - Sozialer Unternehmer und Kunstmäzen" wird bis zum 17. August 2014 gezeigt. Sie erfolgt in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Rendsburg und der Beiersdorf AG Hamburg.
Jüdisches Museum Westfalen
Julius-Ambrunn-Straße 1
46282 Dorsten
Tel. 02362 / 45279

Öffnungszeiten
DI – FR 10 – 12.30 Uhr und 15 – 18 Uhr
SA, SO und an Feiertagen 14 – 17 Uhr


 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

  

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