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rheinische ART 04/2017

Archiv 2017

MEISTERZEICHNUNGEN 
Als Paris erwachte


Allgemein ist nur wenig bekannt, dass es ein junger deutscher Architekt aus Köln war, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit seinen Bauplänen die Place de la Concorde in Paris neu erfand und in ein bis heute urbanes Juwel verwandelte. Sein Name: Jakob Ignaz Hittorff.

 

Jakob Ignaz Hittorff Blick vom Place de la Concorde auf den Palais Bourbon, 1833, Aquarellierte Federzeichnung, Foto © Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln 

 

Der Platz im Zentrum der Seine-Metropole steht wie kein anderer Ort in Frankreich für die bewegte Geschichte einer ganzen Nation.

     Über ihn tobte das Wüten der französischen Revolution, da war er prominenter Standort der Guillotine und wurde auch "Place de la Revolution" genannt. Er überstand schadlos die Wirren zweier hochtechnisierter Weltkriege, erlebte Massenjubel und Volkstrauer und ist alljährliche Bühne für die pompösen Staatsfeierlichkeiten anlässlich des Nationalfeiertages.

 

Aktueller Blick auf die Place de la Concorde mit Obelisk und Rostrasäulen. Das heutige Aussehen des Platzes geht auf den Architekten Jakob Ignaz Hittorff zurück. Er entwarf Statuen und legte Pavillons und Brunnen an, die an die Bernini-Brunnen auf dem Petersplatz in Rom erinnern. Für die Rostrasäulen griff er auf die Triumpfsäulen-Tradition der alten Römer zurück. Foto © rheinische ART 2017

 

Das Kölner Museum Wallraf Richartz widmet der Neuerfindung des weltberühmten und geschichtsträchtigen Ortes derzeit eine große Sonderausstellung. Paris erwacht! – Hittorffs Erfindung der Place de la Concorde heißt die Schau. Sie bietet meisterhafte Architektur-Zeichnungen vom Reißbrett des Kölner Künstlers und Architekten Jakob Ignaz Hittorff (1792-1867), rund 200 Jahre nach dem Beginn der radikalen Umgestaltung der Pariser Innenstadt.

     Wieso Neuerfindung? Gemeint ist die umfassende architektonische Neugestaltung von Paris unter Napoleon III, mit der sich die französische Kapitale anschickte, zu einer Weltstadt zu werden. Eine Zeit des Wandels, der Auflösung traditioneller Wohn- und Lebensformen und der einsetzenden Industrialisierung. Sie setzte in den 1820er Jahren ein, der damals knapp Dreißigjährige Hittorff wurde mit der Neugestaltung des Platzes beauftragt und lieferte erste Skizzen.

 

Carl Joseph Begas (1794–1854), Bildnis von Jakob Ignaz Hittorff, 1821, Foto © Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln

 

Jakob Ignaz Hittorff Die Place de la Concorde mit dem Obelisk von Luxor und Fontänen, 1835, Aquarellierte Federzeichnung, Foto © Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln 

 

Jakob Ignaz Hittorff Entwürfe für die Möblierung der Place de la Concorde mit Skulptur und Rostrasäule, 1833, Aquarellierte Federzeichnung, Foto © Graphische Sammlung, WallrafRichartz-Museum & Fondation Corboud, Köln

 

Die Änderungen im Stadtbild von Paris gipfelten letztlich in der sogenannten „Haussmannisierung“ ein halbes Jahrhundert später. Der ebenfalls deutschstämmige Stadtplaner und Pariser Präfekt Georges-Eugène Haussmann (1809-1891), fast zwei Jahrzehnte jünger als Hittorff und diesem in offenbar tiefer Abneigung verbunden, gab durch seine radikalen Regularien der Kommune jenes Gepräge, das den Besucher noch heute empfängt: klassizistischer Baustil, monumentale Sichtachsen, weitläufige Grünanlagen nach englischem Vorbild.

     Ohne Zweifel aber steht fest: Hittorff war neben dem konkurrierenden Haussmann der Architekt und Stadtplaner, der das städtebauliche Bild von Paris am nachhaltigsten prägte. Die Aversionen der beiden Baufachleute sind allerdings ein Thema für sich.

 

Der Besucher der Kölner Galerie taucht ab in jene bauliche Vorphase, als sich Paris auch Dank der klugen architektonischen Planung von Hittorff als europäische Metropole neu zu definieren begann und zwar in harter Konkurrenz zu Rom, London, St. Petersburg, Madrid und Wien.

     Die Sonderschau mit mehr als hundert detailverliebten Originalentwürfen Hittorffs ist auch eine gefühlvolle Hommage an einen Kölner Künstler, der in Frankreich zum Star wurde. Und sie ist attraktiv in Sachen Architektur-Meisterzeichnungen.


Zur graphischen Sammlung des Wallraf gehören rund 8.800 Arbeiten aus dem Nachlass von Hittorff, darunter mehr als 250 Zeichnungen, die er ab etwa 1820 im Auftrag der Stadt für die Neueinrichtung der Place de la Concorde anfertigte. Dabei ging es ihm nicht nur um die verkehrsstrategische Einbindung des Platzes in das urbane Gesamtgefüge, sondern auch um eine moderne „Möblierung“ mit Kandelabern, Brunnenanlagen, Wegesystemen und dem Obelisken von Luxor. In seinen Zeichnungen wird die bedeutende historische Planungsgeschichte des Pariser Ortes wieder sicht- und spürbar.

     Denn mit der neuen Place de la Concorde erwachte die moderne Metropole nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht, denn der Platz ist einer der ersten öffentlichen Orte in Europa, der in künstliches Licht getaucht wurde. Mit der Gas-Beleuchtung begann in Frankreich das Zeitalter der Industrialisierung und der „Platz der Eintracht“ war ihr architektonisches Aushängeschild. 


Jakob Ignaz Hittorff Innenansicht der Kirche St.-Vincent-de-Paul in Paris 1833, Feder über Bleistift, Aquarell auf Vergé, 60,3 x 83,8 cm. Erworben 1896 aus dem Nachlaß von Jakob Ignaz Hittorff WRM Z 2400 Foto © Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

 

Jakob Ignaz Hittorff wurde am Heumarkt in Köln geboren. Er legte während der französischen Besatzung das Abitur ab und trat eine Lehre als Maurer an. 1810 zog er mit seinem Schulkamerad Franz Christian Gau nach Paris. Beide waren durch die Rheinland-Annektierung französische Staatsbürger.

     Gau machte als Baumeister und Forschungsreisender Karriere (mehr). Hittorff wurde als Assistent des Pariser Architekten François-Joseph Bélanger bekannt. Die Freundschaft der beiden Kölner zerbrach, als sie gleichzeitig um die Hand der Architektentochter Rose Élisabeth Lepère warben - Hittorff war es, der das Herz der Dame gewann.

     Ab 1831 arbeitet er mit seinem Schwiegervater an dem bedeutenden Bau der Kirche St.-Vincent-de-Paul in Paris, die 1844 fertiggestellt wurde. Die Bauarbeiten an den Champs-Elysées und der Place de la Concorde wurden ihm 1834 übertragen. Hittorff plante monumentale Springbrunnen, Laternen und Säulen, und leitete am 25. Oktober 1836 die spektakuläre Aufrichtung des 22 Meter hohen und 3200 Jahre alten Luxor-Obelisken, ein Geschenk des Vizekönigs von Ägypten an Frankreich. Sein letztes Großprojekt war der riesige Kopfbahnhof Gare du Nord 1861, mit dem er einen bedeutenden Beitrag in der Technik der Eisenkonstruktion lieferte.


Während sein Baukontrahent Haussmann Namensgeber für den rund 2500 Meter langen Boulevard Haussmann wurde, reichte es bei Hittorff bis heute in Paris nur zu einer Kleinstraße: mit fehlerhafter Angabe zum Geburtsjahr und falscher Namensschreibung. Die Rue Hittorf im 10. Arrondissement ist lediglich zehn Meter breit und 66 Meter lang, ihr schließt sich die schmale Privatstraße Cité Hittorf mit 46 Meter Länge an.

rART/cpw


Die Ausstellung "Paris erwacht! – Hittorffs Erfindung der Place de la Concorde" wird bis zum 9. Juli 2017 gezeigt.
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
Obenmarspforten
Am Kölner Rathaus
50667 Köln
Tel 0221 / 221 – 211 19
Öffnungszeiten
DI - SO 10 - 18 Uhr
1. und 3. DO 10 - 22 Uhr
Feiertage 10 - 18 Uhr

 

 

 


  

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