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rheinische ART 06/2018

GOWLAND´S PIN-UP-WELT
Zwischen Sex-Appeal und Kunst

Das Ganzfigurenbild mit einem erzählerischen Element, das sich so trefflich überall – bekanntlich gerne im Spind – anheften lässt, hat als Fotografie oder Illustration vermutlich ewig Konjunktur. Einer der populärsten Schöpfer dieses Genres war der amerikanische Fotograf Peter Gowland.

 

Peter Gowland Venetia Stevenson, Colordia, 6 x 6 cm, ca. 1957, Foto © Peter Gowland, MAKK 2018

 

Er startete seine Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur gut acht Jahre brauchte Gowland, bis ihn die „New York Times“ schon 1954 als „America´s No. 1 Pin-Up-Photographer“ feierte.

  

Peter Gowland Candace Thayer, Silbergelatineprint, 20 x 25 cm, 1968, Foto © Peter Gowland, MAKK 2018

 

Peter Gowland Rosemarie Bowe, Silbergelatineprint, 20 x 25 cm, 1955, Foto © Peter Gowland, MAKK 2018

 

In den Glamourzeiten der Fünfziger– und Sechzigerjahre hatte er so gut wie alle weiblichen Größen aus Film und Theater vor der Kamera und lichtete sie so ab, dass es alle gut fanden und die moralische Keule ihn nie traf. Später wurde sein Schaffen „irgendwo zwischen Verführung und Kunst“ angesiedelt.

     Auf keinen Fall waren seine Arbeiten je anstößig, denn der Fotograf Peter Gowland (1916–2010) spielte zwar gerne mit braven Mädchen in kecken Posen, aber Sex und Fotos für die unterste Schublade des Verkaufstresens, so heißt es bis heute, seien nie seine Sache gewesen.

 

Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK), bekannt für außergewöhnliche Präsentationen, zeigt nun sein Werk in Sachen Pin-Up. Die Schau mit dem Titel „Peter Gowland’s Girls" umfasst rund 200 Werke, die aus seinem Nachlass ausgewählt wurden.

     Dieser besteht aus Zehntausenden von Prints und Dias, darunter – wie das MAKK betont – die aufregendsten, elegantesten und gewagtesten Bilder seiner beispiellosen Pin-Up-Fotografenkarriere: Mit Stars wie Joan Collins oder Jayne Mansfield, mit Arbeiten für Playboy oder Rolling Stone sowie seine Bilder für ungezählte Kalender und Zeitschriften der 1940er bis 1970er Jahre.

     Die Liste seiner Starlets, Stars und Vertragspartner lässt leicht erahnen, wo er sich seine Motive suchte und sie natürlich auch reichlich fand. Gowland war so etwas wie ein Stammgast an den Filmsets in Hollywood, bei Agenturen oder Schönheitswettbewerben.
     Er inszenierte und fotografierte seine Girls im Studio oder an den Stränden von Los Angeles bis Malibu. So trug er wesentlich zur Entstehung des Mythos Kaliforniens als ewig sonniges Nachkriegs-Paradies der Moderne bei und wurde selbst zum gefragten Dokumentaristen dieser Glitzerwelt.

 

Peter Gowland Jane Mansfield, Mickey Hagarty, Colordia, 6 x 6 cm, 1955, Foto © Peter Gowland, MAKK 2018

 

Dabei war sein Start in die Berufswelt alles andere als erfolgsversprechend. Als Sohn eines Schauspielerpaares in Los Angeles geboren, erreichte er die Profession seiner Eltern auf diesem Gebiet nie.
     Der Film wollte ihn nicht so recht, und wenn einmal doch, dann reichte es nur zum Komparsen oder stummen Lichtdouble. Selbst als Ersatzmann für den eher zweitklassigen Mimen Ronald Reagan, den späteren US-Präsidenten, gab es keine Anerkennung. Hinter der Kamera, in Requisite, bei Beleuchtung und Lichtkunst gab es hingegen einiges zu lernen. Und zwar so viel, dass sich der junge Gowland als selbstständiger Fotograf etablieren konnte.
     Hauptprodukt: Portraits und andere Schönbilder für Bewerbungsmappen. Dies war im Kalifornien jener Jahre ein Auftragsreservoire ohne Ende und schnell wurden Printmedien aufmerksam. Gowland verkaufte seine raffinierten Fotografien an namhafte Illustrierte „sowie an Herren, denen das handwerkliche Geschick oder die entsprechende Freundin fehlten, um dergleichen Motive selbst aufzunehmen“, wie die Frankfurter Allgemeine einmal über den Meister des Pin-Up-Bildes schrieb.

Peter Gowland wurde schließlich ein Unternehmer und eine Marke, wie sie bis heute von Berufskollegen wie dem im Rheinland aufgewachsenen Peter Lindbergh (mehr) verkörpert werden. Es gibt von Gowland nicht nur Pin-Ups mit leichtbekleideten Schauspiel- und Mannequinschönheiten. Er porträtierte durchaus klassisch den Regiealtmeister Alfred Hitchcock und den Schauspieler Rock Hudson, bewegte sich im Milieu um den britisch-amerikanischen Schriftsteller Christopher Isherwood sowie im Umfeld des Malers und Kunstsammlers Don Bachardy. Mit dem Literaten und Maler Henry Miller war er befreundet.

 

Alice und Peter Gowland, Silbergelatineprint, 20 x 25 cm, o.J., Foto © Peter Gowland, MAKK 2018

 

Selbst vollzog Peter Gowland den finalen Sprung auf die Künstlerbühne gleichwohl nie. Er blieb eher so etwas wie ein Künstler-Unternehmer. Mehr als zwei Dutzend Fotopublikationen brachte er heraus, teilweise in Kooperation mit seiner Ehefrau Alice.
     Darunter viel gelesene und gefragte Fotoratgeber für den Hausgebrauch mit züchtig verhaltenen Titeln wie „Classic Nude Photography“. Die Marketing-Klaviatur beherrschte er vorzüglich. 1957 entwickelte er zwecks Selbstvermarktung einen Katalog mit dem Namen „Peter Gowland´s Girls“ – im Kölner MAKK jetzt Ausstellungstitel – der annähernd 800 Bilder der Kategorie Pin-Up enthielt, auf 14 Ausgaben kam und vorzugsweise an Verlage und Magazine ging.
     Sein Talent erstreckte sich ferner auf die Fototechnik. Gowland entwickelt die Fotokamera Gowlandflex, eine 4“ x 5“ Doppelobjektiv-Kamera für Profis, von der er mehr als 600 Exemplare verkaufte. Die berühmte US-amerikanische Porträtistin Annie Leibowitz (*1949) sowie der kanadische Starfotograf Yousuf Karsh (1908–2002) arbeiteten damit.
rART

Die Ausstellung „Peter Gowland's Girls“ wird bis zum 9. September 2018 gezeigt.
Museum für Angewandte Kunst Köln
MAKK

An der Rechtschule
50667 Köln
Tel +49 221.221 267 14
Öffnungszeiten
DI – SO 10 - 18 Uhr


Zitierquelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 1.2.2017 „Schwupps, weg war die Bluse“ von Freddy Langer

 

 

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