rheinische ART
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rheinische ART 10/2013

Archiv 2013

PRIVATRESTITUTION IN WIEN

Klimts Wasserschlangen II nach Katar

 

Selbst in des Künstlers Jubiläumsjahr 2012, als Österreich den 150. Geburtstag seines größten Malers feierte, blieb ein Meisterwerk außen vor. Gustav Klimts legendäres Gemälde Wasserschlangen II, in seiner Goldenen Phase 1907 vollendet, ist seit fast 50 Jahre der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die letzte Schau des Bildes gab es 1964 im Rahmen der Ausstellung „Wien um 1900“. Möglicher Grund der jahrzehntelangen Zurückhaltung durch die bisherige Privatbesitzerin: Das Bild galt seit langem nachweislich als NS-Raubgut.

 

Gustav Klimt, Wasserschlangen II (Ausschnitt), 1907, 80 x 145 cm, Quelle Belvedere

 

Nun wurde das Gemälde im Zuge einer sogenannten Privatrestitution vom englischen Auktionshaus Sotheby´s zum Kauf vermittelt. Die hochbetagte österreichische Besitzerin des Gemäldes, Ursula Ucicky und die amerikanischen Erben der ursprünglichen Eigentümerin Jenny Steiner hatten sich verständigt. Mindestens 112 Millionen US-Dollar (USD), so die fachmännischen Schätzungen, hat der Verkauf netto gebracht.

 

Katars Kulturkönigin

 

Eine zeitlang war völlig unklar, wer das Geld auf den Tisch gelegt hatte. Als neue Eigentümerin verorten jetzt die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ und die Schweizer „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) gleichlautend die Tochter des Emirs von Katar, Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani (*1983), Vorsitzende des Kuratoriums der Qatar Museums Authority in der Hauptstadt Doha. Sie gilt als mächtigste Frau in der Kunstwelt und erwarb für den Wüstenstaat bereits zahlreiche extrem hochpreisige Kunstwerke, darunter 2011 Paul Cézannes „Kartenspieler“ (250 Mio USD) und ebenfalls zu Rekordpreisen die besten Arbeiten von Francis Bacon, Mark Rothko, Andy Warhol und Damien Hirst.

   Der Kaufpreis für die Wasserschlangen II ist der zweithöchste, der für einen Klimt gezahlt wurde. Vor sieben Jahre erstand der US-Milliardär Ronald Lauder für den absoluten Spitzenpreis von 135 Millionen USD Klimts Goldene Adele (Adele Bloch-Bauer I). Das Klimt-Bild Adele Bloch-Bauer II ging im selben Jahr für stattliche rund 88 Millionen USD weg. Beide Werke waren vorher nach langjährigem Rechtsstreit von Österreich an Erben in den USA restituiert worden.

   Das verkaufte Wasserschlangen II-Gemälde hat eine unrühmliche Vergangenheit. Die jüdische Seidenfabrikantin und Kunstsammlerin Jenny Steiner aus Wien kaufte es 1911 von Gustav Klimt. 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, wurde ihr Vermögen und damit auch das Gemälde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Am 5. März 1940 sollte es im Wiener Dorotheum versteigert werden, doch Reichstatthalter Baldur von Schirach ließ die Wasserschlangen II aus der Auktion nehmen. Das Gemälde wurde an den bekannten NS-Filmregisseur Gustav Ucicky (1899-1961) vermittelt. Bekanntlich hatte der Jugendstil-Künstler Gustav Klimt (mehr) zahlreiche Amouren – mit und ohne Folgen. Von den 14 nachweislich unehelichen Kindern des Meisters war Gustav Ucicky eines. Der Mann war somit nicht irgendwer, sondern Spross aus der Liaison des Malergenies mit seiner tschechischen Haushaltshilfe Maria Ucicka, die für ihn auch Modell gestanden hatte.

   Gustav Ucicky war ambitionierter Kunstsammler. Seine respektable Kollektion einschließlich der Wasserschlangen II blieb nach seinem Tod im Besitz seiner Witwe Ursula Ucicky. Die heute 91-Jährige entschloss sich erst jüngst, das wertvolle Stück zu verkaufen, nachdem sie sich mit den rechtmäßigen Steiner-Erben auf einen Vergleich verständigt hatte. Offenbar war der Kern der Vereinbarung eine A-Meta-Regelung, denn jede der Parteien soll 56 Millionen USD aus dem Erlös erhalten haben. Von den restlichen im Besitz der Witwe befindlichen Klimt-Bildern, die in eine Stiftung eingebracht wurden, gilt das Portrait Bildnis Gertrud Loew von 1902 ebenfalls als NS-Raubkunst. Über eine Rückgabe dieses Gemäldes ist derzeit noch nichts bekannt, die Provenienzrecherchen sind noch im Gange.

 

 Gustav Ucicky führte unter anderem 1927 Regie bei dem Filmdrama Café Elektric mit Marlene Dietrich und Willi Forst in den Hauptrollen; 1933 brachte ihm sein U-Boot-Verherrlichungsfilm Morgenrot den eigentlichen Durchbruch. Als einer der führenden NS-Regisseure etablierte er sich 1941 mit dem antipolnischen Propagandafilm Heimkehr. Für ihr Mitwirken an dem Film erhielten sowohl Gustav Ucicky wie auch die Hauptdarstellerin Paula Wessely nach Kriegsende zeitweise Arbeits- bzw. Auftrittsverbot.
cpw

 


 

 

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