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rheinische ART 02/2018

Archiv 2017

RUSSISCHE KUNST  
Legales und Illegales


Kunst kann bekanntlich ein Spiegel der Gesellschaft sein. Sie offenbart, wie sich Künstler den Realitäten ihrer Lebenswelten stellen. Besonders interessant: ideologisch geprägte Welten.

 

Alexander Besel Rain of Dogs, 2014, Öl auf Leinwand, 140 x 180 cm, © Sammlung Joseph Kiblitsky, Fotoquelle Osthaus Museum Hagen

 

Mit einer ungewöhnlichen Schau erinnert das Osthaus Museum in Hagen an den rasanten gesellschaftlichen Wandel in Russland.

 

Igor Baskakov Gaultier, 2004, Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm, © Sammlung Joseph Kiblitsky, Fotoquelle Osthaus Museum Hagen

 

Das Haus stellt als erstes deutsches Institut die Sammlung des russischen Kunstkenners, Kurators und Fotografen Joseph Kiblitsky (*1946) aus.

     Insgesamt ist die Schau „Russische Kunst heute. Malerei - Skulptur - Fotografie“ ein interessanter Dialog von dokumentarischen Aufnahmen und Gemälden aus dem Riesenreich der „Union der sozialistischen Sowjetrepubliken“ (UdSSR) aus den Siebziger- und Achtzigerjahren mit der seinerzeit teilweise illegalen Kunst, und dem Leben im heutigen Russland. Sie ist damit quasi ein Rundumschlag über mehr als sechs Jahrzehnte russischer beziehungsweise sowjetischer Kunst.

     Etwa 180 Gemälde und Fotografien, fast ein Dutzend Skulpturen sowie ein Videowerk dieser eher seltenen Thematik werden gezeigt. Von besonderer Bedeutung dürften darunter jene Werke sein, die der Kategorie „Dissidentenkunst“ und russischer „Untergrundkultur“ zugerechnet werden und die vielfach unter dem Begriff „Sozialistische Kunst“ oder kurz „Soz Art“ (mehr) namhaft wurden.

 

Igor Baskakov Vogue, 1999, Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm, © Sammlung Joseph Kiblitsky, Fotoquelle Osthaus Museum Hagen

 

Diese Kunst war nichts anderes als die Reaktion der non-konformen Kreativen - der Literaten, Maler, Bildhauer oder Konzeptkünstler - auf die verordnete ästhetische Staatslehre, die stets glückliche und dynamische Arbeiter und Bauern zeigte, wohlversorgt in ihren Kommunen zwischen Moskau und Wladiwostok.

     Ihr besonderes Merkmal war der ironische und verfremdende Umgang mit den Sozialismussymbolen jener Jahre.


Der Sammler Joseph Kiblitsky konnte 1982 aus der damaligen Sowjetunion, in der er einige Jahre als Dissident lebte, nach Deutschland ausreisen. Schon Jahre zuvor hatte er begonnen, eine Sammlung anzulegen, die sich zunächst aus geschenkter Kunst seiner kreativen Freunde speiste.

     Was die Werke aus dieser ersten Kollektion heute so bemerkenswert macht, ist ihre Zeitverbundenheit, wie das Osthaus Museum betont. Die meisten Künstler konnten Anfang der Siebzigerjahre nur illegal in Wohnungen präsentieren, in privaten Zirkeln für vertrauenswürdige Besucher, und dies in der Regel nur kurzzeitig - einen Tag, vielleicht ein Wochenende. Für den offiziellen staatlichen Kunstbetrieb existierten diese Künstler nicht, ihre „Soz Art“, ein östliches Pendant zur Pop-Art der westlichen Hemisphäre, war tabu oder unterlag wegen Subversionsverdachts staatlichen Kontrollen.

     Die geförderte und gebilligte Kunstausrichtung hinter dem Eisernen Vorhang „sah den sozialistischen Menschen als Hauptfigur in seiner Umgebung als darstellungswürdig“ an, wie es in Hagen heißt. Abstrakte oder gar konzeptuelle Kunst wurden weder in den Akademien gelehrt noch dort oder in Museen ausgestellt.

 

Joseph Kiblitsky Jaroslawl, 1977 © Fotografie Joseph Kiblitsky, Fotoquelle Osthaus Museum Hagen

 

In die Sammlung Kiblitsky gingen zahlreiche Werke dieser regime- und gesellschaftskritischen Kunst ein. Sie sind heute Zeugnisse einer „Untergrundkultur“ in der Sowjetunion, deren Bedeutung zunächst nur von wenigen Sammlern im Westen, wie etwa dem Aachener Ehepaar Irene und Peter Ludwig, erfasst und gewürdigt wurde (mehr).

     In der Kollektion befinden sich namhafte Vertreter der inoffiziellen Kunst der ehemaligen UdSSR. Einige Protagonisten jener wichtigen Kunstphase werden heute sowohl in der Neuen Tretjakow-Galerie in Moskau wie auch im Russischen Museum St. Petersburg ausgestellt.

     Zu ihnen gehört der Nonkonformist und Maler Oscar Rabin (*1928), der 1978 nach Paris emigrierte und als „Solschenizyn der Malerei“ bezeichnet wird. Ferner sind Arbeiten des renommierten Malers Mikhail Shvartman (1926-1997) zu sehen, der als „Guru der russischen Kunst“ (Kiblitsky) gilt und dem das Aachener Ludwig Forum 2009 eine Retrospektive ausrichtete. Vertreten sind daneben Werke des Post-Suprematisten Eduard A. Steinberg (1937-2012) und des Malers und Konzeptkünstlers Ilya Kabakov (*1933), des Immendorff-Schülers Alexander Besel sowie Igor Baskakov, einem Meister der Ironie. Ebenfalls hat Kiblitsky konzeptuell arbeitende Künstler wie Leonis Sokov oder Grisha Bruskin in seiner Kollektion.
bra

 

Die Ausstellung „Russische Kunst heute. Malerei – Skulptur – Fotografie. Sammlung Joseph Kiblitsky“ wird bis zum 25. Februar 2018 gezeigt.

Osthaus Museum Hagen
Museumsplatz 1
Navigationsinfo
Hochstr. 73
58095 Hagen
Tel. 02331 / 207 3138
Öffnungszeiten
DI - SO 11 – 18 Uhr
Ab 1. März 2018
MI - SO 11 – 18 Uhr

 

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