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rheinische ART 07/2013

Archiv 2013

MARTIN PARR IN ZÜRICH: SATIRIKER DES ZEITGENÖSSISCHEN LEBENS 

Faszination Alltag

 

Der Brite Martin Parr (* 1952) ist mit seinem scharfen Blick auf die Welt einer der bedeutendsten Dokumentarfotografen unserer Zeit. Wie kein Zweiter hält er den Mitmenschen fast schamlos und gleichwohl liebevoll einen Spiegel vor. Er zeigt sie im Alltag: komisch, lächerlich, dekadent oder skurril, ja manchmal fast intim.

 

Martin Parr, Belgien, Knokke, 2000, aus der Serie Knokke le Zoute, © Parr / Magnum

 

"Wenn die Leute beim Betrachten meiner Bilder gleichzeitig weinen und lachen, dann ist das genau die Reaktion, die die Bilder auch bei mir hervorrufen", sagt er. In seinen Arbeiten präsentiert er die gesellschaftliche Realität: Phänomene wie Konsum, Tourismus oder nationale Identitäten beleuchtet er aus einer unterhaltsamen Perspektive, die das Banale, Extreme und manchmal auch Abgründige im Alltäglichen sichtbar macht.

Martin Parr, Vereinigte Arabische Emirate,

Dubai, DIFC, 2007, aus der Serie

Luxury © Parr / Magnum

 

Martin Parr, Schweiz, St. Moritz, 2011,

aus der Serie Think of Switzerland

© Parr / Magnum

 

Martin Parr, Margaret Thatcher Teekanne, © Sammlung Martin Parr

   Der vielfach ausgezeichnete Fotograf, dessen Arbeiten auf zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt wurden, ist seit 1994 Vollmitglied der legendären und renommierten Fotoagentur Magnum. Das war allerdings längst nicht selbstverständlich. Denn Martin Parrs erste Bewerbung als Magnum-Mitglied wurde abgelehnt. Einflussreiche Agenturvertreter wie der für seine perfekten Bildkompositionen berühmte Henri Cartier-Bresson (1908-2004) (mehr) oder der britische Fotojournalist und Vietnamkrieg-Chronist Philip Jones Griffiths (1936-2008) fanden Parr offensichtlich stilistisch nicht passend. Schließlich war dessen Interesse an der sogenannten profan-provozierenden Lebensrealität nicht das, was Magnum-Größen eindrucksvoll in den Slums der Dritten Welt oder auf Kriegsschauplätzen in Schwarz-Weiss dokumentierten.

 

„Ich greife gerne Klischees auf, mache sie zum Ausgangspunkt meiner Arbeit und gebe ihnen eine neue Wendung.“

 

Parrs Aufnahmen aus allen Gesellschaftsschichten seines Heimatlandes - ob Arbeiterklasse oder High Society - waren zunächst nur Eyecatcher: Grell in den Farben, verschroben in der Motivwahl und ungewöhnlich verdichtet in den Perspektiven, gleichwohl jedoch humorvoll und originell. Er selbst sieht die Dinge des Lebens weder als schlecht noch als gut und er sei, wie er einmal betonte, stets daran interessiert, beide Extreme darzustellen.

   Medien und Ausstellungshäuser schätzten zunehmend Martin Parrs Fotografierkunst, ergötzten sich an seinem als typisch britisch geltenden Humor, seiner optisch verarbeiteten Ironie und der Präzision, mit der er - anfänglich ebenfalls Schwarz-Weiss und später in Farbe sowie digital - die Gesellschaft und ihre Auswüchse schonungs- und gnadenlos portraitierte. Heute ist Parr gerade wegen seines untrüglichen Blicks auf die Spezies Mensch längst weltberühmt, stilprägend und damit einer der Großen in der Dokumentarfotografie.

 

Als „Großbritanniens einflussreichster Fotograf“ bezeichnete ihn einmal das Magazin Wirtschaftswoche.

 

 

Martin Parr, Schweiz, Das Matterhorn, 2012,

aus der Serie Autoportraits © Parr / Magnum

 

Mit der Fotografie begann Parr in den 1970er Jahren, und zwar zu der Zeit, als in Düsseldorf das Künstler-Ehepaar Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie ihre bahnbrechenden Typologie-Fotoarbeiten (mehr) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machten und die Fotografie als eigene Kunstform etablierten. Im ZEITMagazin äußerte sich Parr vor zwei Jahren zu Fragen der Fotografie und zu den Bechers. Parr: „Ich liebe die ästhetische Strenge der Bechers, sie haben auch sonst alles verändert. Sie haben die Tür zum Kunstmarkt geöffnet, davon profitieren wir Fotografen bis heute.“ Ab 1980 wandte sich der Brite verstärkt der Farbfotografie zu und änderte seinen Stil. „Vorher hatte ich den Alltag gefeiert, dann wurden die Arbeiten kritischer“ zitiert ihn das ZEITMagazin. Maßgeblich war seine Fotoserie The Last Resort, in der er britische Strandurlaubsszenen zeigt. Schön oder schön hässlich? Die Bildserie markierte auf jeden Fall den Zeitpunkt, an dem Parr internationales Renommee erlangte und seinen Durchbruch auf dem Kunstmarkt schaffte.

   „Souvenir“ heißt die nun angelaufene umfassende Retrospektive zu Martin Parr im Züricher Museum für Gestaltung. Es ist die erste große Schau von Parr in der Schweiz, sie vereint verschiedene Aspekte seines Werks als Fotograf, Filmemacher und Sammler.

 

► Die Ausstellung bietet zwölf Fotoserien, die einen umfassenden Überblick von Parrs Arbeit ermöglichen. Darunter die Serien The Last Resort, Bored Couples, Think of England oder Luxury. Letztere ist eine Bestandsaufnahme, wie Menschen ihren Reichtum und ihr ganzes Repertoire von Statussymbolen auf Kunstmessen oder Pferderennen demonstrativ zur Schau stellen.

 

► Neben den Fotoserien ist die neue Arbeit Think of Switzerland zu sehen, ein humorvolles Porträt der eidgenössischen Lande mit ihren Besonderheiten und Klischees. Ergänzt werden die fotografischen Werke durch Filme von und über Martin Parr sowie einer Auswahl aus seiner Sammlung von skurrilen Objekten – alles Souvenirs, Erinnerungsstücke.

K2M


Die Ausstellung „Souvenirs“ wird bis zum 05. Januar 2014 gezeigt.
Museum für Gestaltung
Ausstellungsstraße 60
CH-8005 Zürich
Tel. 0041 / 43 446 67 67

Öffnungszeiten

DI - SO 10 -17 Uhr

MI 10 -20 Uhr

 

 

 

 

 

 

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