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rheinische ART 11/2018

THE FAMILY OF MAN

Ein Foto-Erlebnis

 

Vor 15 Jahren wurde eine der legendärsten Foto-Ausstellungen mit dem Status des UNESCO-Weltdokumentenerbes geadelt. Die von dem US-Museumsfachmann Edward Steichen 1955 für das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zusammengestellte Schau ist bis heute die erfolgreichste Foto-Ausstellung aller Zeiten.

 

Eugene V. Harris Piper Flötenspieler, Pisac, Peru 1954, Foto © Eugene V. Harris The Family of Man Ausstellung, Clervaux, CNA Luxembourg

  

Seit über 20 Jahren sind die Fotografien unter dem Titel The Family of Man im Schloss Clervaux im Großherzogtum Luxemburg zu sehen. Es ist die letzte vollständige und restaurierte Version der einstigen Wanderausstellung. Jährlich werden bis zu 20.000 Besucher in den Räumen des Schlosses gezählt, wie die Kuratorin und Leiterin der Sammlung, Anke Reitz, feststellt.

 

 

Nina Leen Four Generations of Farmers in Ozark Family Posing in Front of Portraits of Their Fifth Generation 1950 © Nina Leen, Time & Life, Getty Images; Fotoquelle The Family of Man Ausstellung, Clervaux, CNA Luxembourg

 

 

Jack Delano Laughing Couple Mr. and Mrs. Andrew Lyman, Polish tobacco farmers near Windsor Locks, Connecticut, 1940 Foto © Jack Delano, Farm Security Administration, Library of Congress; Fotoquelle The Family of Man Ausstellung, Clervaux, CNA Luxembourg

 

Man könnte annehmen, die Kollektion mit ihren ausschließlichen Schwarz-Weiß-Fotografien sei in die Jahre gekommen. Denn immerhin sind seit der ersten Präsentation über sechs Jahrzehnte vergangen. Doch dies trifft nicht zu!

     Konzeption und Inszenierung sind nach wie vor höchst populär. Nach der Premiere im MoMA 1955 ging dieses „kollektive Weltportrait“ der Fotografie, wie es einmal betitelt wurde, auf Welttournee – in 150 Museen in 38 Ländern wurde es gezeigt und über zehn Millionen Besucher sind untersten Berechnungen zufolge in diese Ausstellung geströmt.


Nach Steichens Konzept – und dies dürfte entscheidend für den Erfolg gewesen sein – sollten nach den traumatischen Leidensjahren des Zweiten Weltkrieges die Gemeinsamkeiten der Menschheit betont werden.

     Die Fotografien zeigen daher Menschen aller Herkunft, aller Kontinente, Altersgruppen und sozialen Schichten. Und dies in Lebenssituationen, die universell Gültigkeit haben, in denen sich also jeder wiederfinden kann: Menschen bei der Arbeit, in der Familie, bei Hochzeiten, bei Geburt und Tod. Junges und Altes, Krieg und Frieden, Glück und Unglück, Hell und Dunkel stehen gleichberechtigt nebeneinander.

     Die Aufnahmen, thematisch gruppiert, tragen außer dem Namen des jeweiligen Fotografen keine Texte und sollen ohne Worte auf der ganzen Welt verstanden werden.

 

Alfred Eisenstaedt Ode to Joy, Drum major of the University of Michigan rehearsing, Ann Arbor, Michigan 1950 © Alfred Eisenstaedt, Getty Images; Fotoquelle The Family of Man Ausstellung, Clervaux, CNA Luxembourg

 

Die Stationen dieser einzigartigen Weltschau, die auch heute noch so sehr berührt, erstreckten sich seinerzeit über vier Kontinente und reichten von Berlin über Bombay, Moskau und Tokio bis nach Chicago. Die mythenschwere Sammlung, in der Luxemburger Ausstellung mit Originalen und in ebensolcher Hängung präsentiert, besteht aus 503 Fotografien, aufgenommen von 273 Fotografen aus 68 Ländern. Steichens „Menschheitsfamilie" wurde von Anfang an als humanistische Fotografie-Kollektion verstanden, als Manifest für den Frieden und die grundsätzliche Gleichheit der Menschen.

 

Edward Steichen Self-Portrait with Camera, 1917 © The Estate of Edward Steichen / Artists Rights Society (ARS), New York; Fotoquelle The Family of Man Ausstellung, Clervaux, CNA Luxembourg

 

 

Blick in die Ausstellung The Family of Man Schloss Clervaux Foto © CNA/centre national de l´audiovisuel, Clervaux; Romain Girtgen 2013

 

Schloss Clervaux / Luxembourg, Standort der Ausstellung The Family of Man, Foto © rheinische ART 2018

 

 

 

Katalog von 1955. Das Fotobuch wurde in 38 Sprachen übersetzt und gilt mit über vier Millionen Exemplaren als das erfolgreichste Buch seiner Art. Foto © Museum of Modern Art (MoMA) New York 

Es gab allerding auch Kritik. Wie nie eine andere Fotoschau wurde Family of Man zu der wohl am stärksten jemals analysierten und bewerteten Bilderschau. Als „sentimentales Spektakel“ und unerträglich flache Bilddarbietung bezeichneten Kritiker die Ausstellung. Einige sahen in ihr gar eine ideologische Aufladung, die die Schau damit zu einem mehr oder weniger verdeckten Polit-Werkzeug im Kalten Krieg jener Jahre gemacht habe.

 
Die Bildauswahl selbst blieb ebenfalls ein Stein des Anstoßes. Steichens MoMA-Team sichtete aus einer Million Fotografien rund 10.000 Kontaktabzüge, aus denen wiederum die 503 Exponate gewählt wurden.

     Edward Steichen (1879-1973), selbst berühmter Lichtbildner, war von Beginn an mit fünf eigenen Fotografien vertreten, jedoch ohne Namensnennung.

     Das Anstößige für manche Kunstrichter: Die Auswahl stammte überwiegend aus den Archiven der Library of Congress und der Sammlung der Farm Security Administration, die ab 1930 zahlreiche Berufsfotografen mit der Dokumentation der gesellschaftlichen Verhältnisse der Landbevölkerung in den USA beauftragt hatte.

     Viele Fotos kamen ferner aus den Nationalarchiven und vom Magazin Life, von National Geographic oder Fortune. Inhalt und Aussage der Schau, so die Gegner, seien durch die Monopolstellung der US-Medien und die führende Rolle des MoMA bestimmt.


Unbestreitbar bleibt, dass der gebürtige Luxemburger Steichen die Aufnahmen von Spitzen-Fotografen wie Ansel Adams, Robert Capa (mehr), Henri Cartier-Bresson (mehr), Walker Evans (mehr), Dorothea Lange, Robert Doisneau, dem Kölner August Sander oder dem Straßenfotografen Garry Winogrand (mehr) auf modernistische und spektakuläre Weise in Szene setzte.

     Und: The Family of Man war ein Produkt seiner Zeit und seines Schöpfers, seiner politischen und kulturellen Ausrichtung und Denkweise. Somit ist die Dauerausstellung in Luxemburg heute ein einzigartiges und überaus wichtiges Zeitzeugnis und zu Recht ein Weltdokumentenerbe.
Claus P. Woitschützke

 

Zum Zeitpunkt des Kuratierens war Edward Steichen 76 Jahre alt und er verstand die späte Foto-Sammlung als Krönung seiner Vita. Ein Blick auf seine berufliche Karriere verdeutlicht, dass der alleinige Fokus auf die Superschau The Family of Man seinen Leistungen und seinem Können nicht gerecht wird. Die reduzierte Sicht verdeckt heute schnell die Bedeutung und das breite fotografische Œuvre des Mannes, der als Kind in die USA kam und der zu einer der Schlüsselfiguren der Fotografie des 20. Jahrhunderts avancierte.

 

  Mehr zur Vita von Edward Steichen (hier)

 

The Family of Man
Château de Clervaux
B.P. 31
L-9701 Clervaux
Luxembourg
Tel +352 92 96 57
Öffnungszeiten
MI – SO 12 - 18 Uhr
Geschlossen im Januar und Februar 2019
Führungen außerhalb der Öffnungszeiten auf Anfrage.

 

 

 

 

                     

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