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rheinische ART 11/2010

Archiv 2010: aus "Kunst erleben in der Ausstellung"

Monumentale Präsentation 

Thomas Schütte

 

Die aktuelle Thomas Schütte-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle beeindruckt den Besucher zunächst durch die Monumentalität der Präsentation. In einem einzigen gewaltigen Ausstellungsraum warten Schüttes oftmals begehbare Installationen auf neugierige Besucher. Das Konzept der Ausstellung: Schüttes Werk unter dem Aspekt der Architektur vorzustellen.

 

Ferienhaus für Terroristen, 2009–2010, Innenansicht, Holz, Stoff, Höhe: ca. 400 cm, Foto: Nic Tenwiggenhorn

 

One Man House II 2007– 2009, Metall, Holz, Glas, diverse Materialien, Installationsansicht, Bundeskunsthalle 2010, Foto: David Ertl

 

Seit den 1980er Jahren setzt sich Schütte mit architektonischen Modellen und Skizzen auseinander und seitdem hat die Architektur in seiner Kunst eine immer bedeutendere Rolle eingenommen. In der Bundeskunsthalle kann sich der Besucher in detailgetreue und sterile Wohnhäuser aus Holz samt Inneneinrichtung begeben („Ferienhaus für Terroristen“) oder von der Plattform eines erhöhten Pavillons das Besuchertreiben von oben betrachten, so dass trotz der geschlossenen Räumlichkeit ein Eindruck von „Draußen“ entsteht.

  Die Mehrzahl der Ausstellungsstücke machen jedoch nicht diese lebensgroß realisierten Architekturphantasien aus, sondern die Modelle und Entwürfe in den angegliederten Seitengalerien. In diesen fühlt sich der Betrachter zunächst an ein Spielzeuggeschäft erinnert, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren viele der maßstabsgetreuen Holzmodelle eine perfide Abgründigkeit, etwa die skurril-monumentalen Treppenläufe ins Erdinnere, die keine Funktion zu erfüllen scheinen und den Blick des Betrachters in die Tiefe ziehen. Was ist der Zweck dieser Konstruktionen? Bisweilen fühlt man sich an die surrealen Kerkerdarstellungen des italienischen Kupferstechers Piranesi erinnert.

  Durch den gezielten Einsatz kleiner Modellbaufiguren erhalten diese Ensembles einen beispielhaften, demonstrativen Charakter, ohne dass sich die zentrale Aussage letztendlich erfassen lässt. Ähnlich irritierend wirkt Schüttes großformatiges Ölgemälde mit dem Entwurf eines Museums, in dem er mit wenigen kräftigen Farben ein futuristisches, fensterloses Gebäude auf freier Ebene zeichnet. Wo soll dieses Museum stehen, was soll es zeigen? Parodiert die Darstellung das moderne Museum als leblosen, konservierenden White Cube?

 

Thomas Schütte, Portrait, 
© Foto: Albrecht Fuchs, 2010

  Rein äußerlich könnte man Parallelen zu den bombastischen Grabmalentwürfen des Franzosen Etienne Louis Boullée vermuten – aber auch dies lässt sich nicht bestätigen. Auf seltsame Weise abseits stehend, wenn auch durchaus von eigenem Reiz, erscheinen dagegen Schüttes stets in Gruppen präsentierte kleinformatige Aquarellmalereien.

  Diese wollen nicht so recht ins Konzept der Ausstellung passen, demonstrieren aber Schüttes handwerkliche Fähigkeiten und bilden neben den hermetischen Modellen mit ihren rechten Winkeln eine willkommene Abwechslung fürs Auge.

 

Der Richterschüler Schütte gehört zu Deutschlands bekanntesten Künstlern. Höhepunkte seiner Karriere sind mehrmalige Teilnahmen an der documenta sowie 2005 an der Biennale in Venedig. 2007 wurde sein „Modell für ein Hotel“, welches ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, auf dem sogenannten „Vierten Sockel“ vor der National Gallery in London präsentiert. 2010 verlieh die Stadt Düsseldorf dem Künstler dem Kunstpreis des Landes NRW.

Robert Woitschützke

 

Zu sehen bis zum 1. November 2010

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn

Tel.: 0228 9171–200

 

Fotos: Bundeskunsthalle

©rheinische-art.de

 

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