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rheinische ART 12/2011

 

 

Archiv 2011: aus "Gelesen"

Lesens- und sehenswert

 

Buchcover

 

Gotische

 

Baukunst

 

im

 

Rheinland


von Franz Siepe

 

 

Das Rezept, Bilder des Krefelder Fotografen Florian Monheim mit Texten des Kölner Autors Jürgen Kaiser in einem prächtigen und lehrreichen Buch zu kombinieren, hatte sich bereits mit dem ebenfalls im Greven Verlag erschienenen Vorgängerband „Romanik im Rheinland“ bewährt. Nun, 2011, legt dieses offenbar bestens eingespielte Duo „Gotik im Rheinland“ in derselben Machart vor, so dass, wer sich beide Edelwerke ins Regal stellt, einen wahrhaft gediegenen Schatz sein eigen nennen darf.
 

DIE GOTIK, die der Romanik folgt und die europäische Architektur und Kunst des Mittelalters bezeichnet, nahm ihren Anfang in Frankreich und fällt in die Zeit von ca. 1140 bis 1550. Der Aufbau des Bildbandes ist so, dass nach der sachkundigen Einführung hervorstechende Bauwerke einzeln vorgestellt werden; im Falle des Gotik-Bandes sind dies achtunddreißig Sakralbauten und das Kölner Rathaus, das als eines der wenigen Zeugnisse großer gotischer Profanarchitektur die Turbulenzen der Jahrhunderte überlebt hat. Die Kulturreise geht alphabetisch von Aachen (Dom St. Maria) bis Xanten (St. Viktor). In der geografischen Betrachtung erstreckt sich der Raum nord-südlich von Kleve (St. Maria Himmelfahrt) bis Trier (Liebfrauenkirche) und östlich bis Marienstatt im Westerwald (Zisterzienserabtei St. Maria). Wenn man bedenkt, dass demjenigen, der sich mit diesem prächtigen - wenngleich durchaus nicht damenhandtaschentauglichen - Bildband auf die Spuren gotischer Baukunst begibt, der Erwerb vieler Kirchenführer erspart bleibt, die zudem niemals diese optische Qualität erreichen, muss man dieses Buch wie auch seinen Vorgänger geradezu als kostengünstige Bereicherung anpreisen.

 

Glanzlichter


Monheim fotografiert mit bewundernswerter Selbstzurücknahme. Nirgends ist Effekthascherei zu bemerken, immer aber eine geduldige und technisch makellose Hingabe an den wahrnehmbaren Gehalt des Objekts festzustellen – sei es im kleinsten Detail, sei es in der Gesamtansicht. Weiße Wölkchen am königsblauen Himmel verschmäht seine unideologische Fotografierkunst ebensowenig wie das Spiel von Licht und Schatten in den himmelwärts strebenden Innenräumen. Glanzlichter setzen Aufnahmen von leuchtenden Glasfenstern und grandiosen Schnitzaltären; und immer wieder lenkt die Kamera den Blick nach oben in die phantastischen Gewölbe.
   Mit Aufmerksamkeit nimmt der Leser Jürgen Kaisers Hinweis entgegen, dass die gotischen Bauten, die heute noch zu sehen sind, ein überaus schätzens- und schützenswertes Gut sind, weil nämlich diverse Vandalismen: reformatorische Bilderstürmerei, Säkularisation, Modernisierungwille und Kriegszerstörungen, sehr viele gotische Zeugnisse – nicht nur im Rheinland – ausradiert und dem kulturellen Gedächtnis entrissen haben.

 

Weltkulturerbe und Kleinodien


Prominente Gotteshäuser wie der Kölner Dom oder der „Altenberger Dom“ erfahren natürlich die ihrer Bedeutung entsprechende Würdigung. Dass die Bewunderung für das große Westfenster der ehemaligen Altenberger Zisterzienserkirche erst im 20. Jahrhundert aufkam, nachdem das 19. Jahrhundert die dortigen Grisaillefenster (genaues Betrachten findet rätselhafte Drachen und Ochsen!) wesentlich höher schätzte, ist eine der vielen Belehrungen, die man gern entgegennimmt.
 

 

Buchcover

   Aber Kaiser und Monheim geleiten uns auch zu verborgenen Kleinodien wie dem Kirchlein St. Peter in Bonn-Vilich oder der Stiftskirche Unsere Liebe Frau im malerischen Eifelstädtchen Kyllburg. Um einen „Geheimtipp“ handelt es sich zweifellos ebenfalls bei St. Maria Heimsuchung in Frauwüllesheim bei Nörvenich. Hier ist ein „Abglanz der Kölner Kathedralgotik“ in ländlicher Abgeschiedenheit zu entdecken.
   Der Greven Verlag bringt seine Produkte unter dem Motto „Einfach schöne Bücher“ auf den Markt. Freilich ist das Understatement. Denn, wie die beiden Bände von Jürgen Kaiser und Florian Monheim exemplarisch dokumentieren, ist es keineswegs ein „einfaches“ Ding, solche Bücher zu machen. Da müssen schon Sachkenntnis, Erfahrung und Liebe zur Materie zusammenfließen. Wenn man etwas Kritisches anmerken möchte, könnte man bedauern, dass – der gefälligen Präsentation zuliebe – gänzlich auf Anmerkungen verzichtet wurde mit der Folge, dass dem Leser ein vertiefenderer Zugang zu einzelnen Sachverhalten erschwert ist. Doch hindert diese Marginalie nicht daran, sowohl „Romanik im Rheinland“ als auch „Gotik im Rheinland“ unbedingt zu empfehlen.

 

Jürgen Kaiser (Text), Florian Monheim (Fotos)
Gotik im Rheinland
Greven Verlag Köln 2011
240 Seiten mit 230 farbigen Abbildungen
48,00 Euro
978-3-7743-0483-3

 

Jürgen Kaiser (Text), Florian Monheim (Fotos)
Romanik im Rheinland
Greven Verlag Köln 2008
240 Seiten mit 255 farbigen Abbildungen
48,00 Euro
ISBN 978-3-7743-0419-2

 

                     

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