rheinische ART
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rheinische ART 07/2012

 

ARCHIV 2012

Venlo feiert seine Floriade und das Museum van Bommel van Dam feiert mit

 

 

Lost in Flowers

 

 

Nähert man sich dem sonst strahlend weißen Museumsgebäude, empfängt den Besucher derzeit ein großformatiges Wandgemälde neben dem Eingang. Zu sehen sind ausgewaschen wirkende Blumen. Die niederländische Künstlerin Margriet Smulders malte das Bild auf die Fassade des Museum und nannte es “In de Roos”. Die Aussenarbeit ist Teil der Ausstellung Lost in Flowers, die das Museum van Bommel van Dam anlässlich der alle zehn Jahre wiederkehrenden Floriade konzipiert hat. Vier Künstler - zwei Deutsche und zwei Niederländer - gewähren dem Betrachter einen Einblick in ihre Vorstellungswelt zum Thema Blumen.

 

Das Museum van Bommel van Dam in Venlo ©Museum

 

DABEI gibt es ein Geben und ein Nehmen. Rick Vercauteren, Leiter des mit großartigen eigenen Sammlungsbeständen bestückten Museums im niederländischen Venlo, sieht es so einfach wie realistisch: „Ausstellungen haben tatsächlich viel mit Schiffsverkehr zu tun- mit der Kunst und den Künstlern kommen Güter aus anderen Ländern bzw. Gedankenwelten“. Aufgewogen werden sie, indem er als Ausstellungsmacher „etwas Besonderes hinzufügt bei der Begegnung mit den Künstlern.“
   Selbst unter Nachbarn kann ein Austausch von interkultureller Natur sein. So kann ein Gespräch zu Gewinn bringenden, neuen Erkenntnissen, zu anderen Ausstellungsdialogen oder nachhaltiger Netzwerkarbeit führen. In jedem Fall ist das Zusammentreffen nach Vercauterens Meinung für beide Seiten bereichernd - und so auch für den, der als Besucher in den Genuss der positiven Atmosphäre kommt.


Vom Bild zum Dialog


Das spürt der Museumsbesucher bereits bei den ersten Schritten, die ihn in die Ausstellungsräume leiten. Ungewöhnliche Exponate oder spannende Kombinationen wecken schnell eine besondere Aufmerksamkeit. Vercauteren: „Es geht immer um das Bild, aber gleichzeitig ist es ein Mittel, um ein Gespräch zu führen.“ Und darum geht es. Vercauteren sieht und versteht das Museum „als Kommunikationsraum“.

   Mit Lost in Flowers wird denn auch eine besondere Auswahl gezeigt. Es handelt sich hierbei nicht um traditionelle Blumendarstellungen; vielmehr bietet die Ausstellung einen abwechslungsreichen, frischen Blick auf eine zeitaktuelle Beschäftigung mit dem Thema Blumen.


Die Künstler


Die barocken fotografischen Kompositionen von Margriet Smulders (Bussum/NL,1955) ziehen den Betrachter förmlich in die Tiefe der Farbe Rot. Sie ist vor allem bekannt wegen ihrer besonderen Blumenstillleben, die in einigen Museen, Betriebs- und Privatsammlungen vertreten sind. „Sie kombiniert Blumen und Früchte mit Spiegeln und Wasser, sodass der theatrale Charakter zu maximaler Geltung kommt. Aktuell verwebt sie immer häufiger fremde Elemente in ihre Stillleben: mal blutig und schwer, dann wieder luftig und frivol“, beschreibt das Museum die Arbeiten der Künstlerin.

 

Margriet Smulders - That Fair thou ow'st (2012) Fotoarbeit, 180 x 233 cm © Smulders

 


Silikon, Farbe und Garn sind verarbeitet in den Bildern von Arjan van Arendonk (Waalwijk/NL, 1957). Der Künstler benutzt schon seit längerem mit regelmäßigen Mustern bedruckte Stoffe als Untergrund für seine Bilder. So gelingt es ihm, immer wieder faszinierende, expressive Wechselwirkungen zwischen Vorder- und Hintergrund zu erzeugen. Dieses Konzept passt nahtlos in van Arendonks Idee, dass Kunst vor allem ‘nahebei’ sein sollte. Vor einiger Zeit hat er angefangen, Acryl und mehrfarbige Silikone für seine Kompositionen zu benutzen. Diese werden in reiner, unvermischter Form direkt auf die teils bewusst leer gelassene Leinwand gedrückt. „Das ungewöhnliche Material wirkt in den Künstlerhänden van Arendonks wie das Sahnehäubchen auf der Torte“, sagt Vercauteren.

 

Hildegard Monssen - Serie Tulpe, Auf Licht

© Hildegard Monssen

   Extreme Vergrößerungen in den Fotos von Hildegard Monssen gehen dem Verfall der Blüten auf den Grund. Im Gegensatz zu vielen Fachkollegen fotografiert Hildegard Monssen (Vorst/D, 1948) in ihrem Atelier in Neuss immer mit natürlichem Licht. Wegen dieser großen Abhängigkeit von entsprechenden Wetterbedingungen muss sie häufig auf den richtigen Moment warten. Diese Nahaufnahmen von geheimnisvollen Blumenwelten transformieren sich vor dem geistigen Auge des Betrachters zu magischen Flowerscapes. Als Zuschauer sitzen wir gewissermaßen auf der Haut teils welkender oder manchmal bereits verwelkter Blüten. „Verfall erhält in Hildegard Monssens Optik eine in mehrfacher Hinsicht verblüffende Ästhetik. Gleichzeitig funktionieren ihre ausbalancierten Kunstwerke als reflektorisches Memento Mori“, so Vercauteren.

 

   Geschichtetes Japanpapier erzeugt die Faszination der transparenten Materialität bei Ellen Jess (Schwerte/D, 1939). Sie hat einst in der Provence zwischen rauen, dornigen Sträuchern die Pracht der Iris, eine verletzbare, aber gleichzeitig widerstandsfähige Blume mit konstant wiegenden, transparenten Blättern, kennen gelernt. Seitdem macht sie — als persönlichen Gruß an Vincent van Gogh — geschichtete Papiercollagen, in denen sich das Faszinosum Iris immer wieder anders darstellt.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

 Gleichzeitig zu Lost in Flowers sind japanische Arbeiten aus der eigenen Museumssammlung zu sehen sowie die bemerkenswerte Ausstellung Korakuen Garden Okayama Japan. Die Bilder, fotografiert von Yukio Namba, dem japanischen Großmeisters der Fotografie, zeigen die meditative Schönheit japanischer Gartenkunst betörend auf.

 

Yukio Namba – The Shades of Evening at Sawa-no-ike Pond ©Yukio Namba

 

 

 

 

 

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